Italien  -Region Kampanien-  (26.11.2014)

Ramba Zamba – Corso Umberto !

Auf der Schlagader Napolis geht wieder total die Post ab, besonders jetzt bei Regenwetter drehen die Leute völlig durch…. nach über drei Stunden Bahnfahrt  bin ich nun wieder aus Molise zurück und beschließe wieder für eine Nacht ins Hostel zu gehen.
Wahrscheinlich auch morgen, da ich Unmengen online erledigen muss; Couchsurfing machen ohne Ende um in den nächsten Städten nicht völlig verloren zu sein. Der Terminkalender steht: Übermorgen treffe ich bereits jemanden in Agropoli, 100 km weiter südlich am Meer. Doch heute kämpfe ich mich erstmal die sechs Kilometer zur Piazza Piedigrotta…. weit weg vom dröhnenden Hauptbahnhof.
Es ströhmt wie aus Eimern…. Napoli bekommt eine kräftige Brause. Doch da hinten an Horizont gleißt sie wieder: Die Sonne in ihrem etzten Schein…. es ist ja wieder fast fünf…

(Bild: Der Corso Umberto, mal wieder kurz vorm Kollaps…)

Italien -Region Molise-  (26.11.2014)

Ein neuer Tag: Diesmal grau und trüb, beschließe ich wieder nach Napoli zurück zu kehren, Regenwetter bedroht die Reisepläne und in Napoli wartet ja immer ein billiges Bett auf mich….

Die Piazza Prefettura (Bild), das Herz der 50.000 Einwohner Stadt Campobasso, wo ich aber erstmal sechs Stunden festsitze: Der Zug nach Napoli fährt erst um 13:16 Uhr…. viel Zeit also um nichts zu tun.
Natürlich ist auch der Akku wieder leer, somit kann ich gerade noch hier etwas posten und Bilder machen. *stööööhhhn*

Italien -Region Molise-  (25.11.2014)

Noch keine 17:00 Uhr und schon ab ins Bett.
Jedenfalls aber diesmal mit dem wohl besten Panorama was ich je hatte; hinter mir die beleuchteten Mauern vom Castelli Monforte, vorne die Stadt Campobasso weit unter mir, hell erstrahlt zu meinen Füßen….

Na, sowas hat hier kein Top Hotel zu bieten…

(Bild: Nur schwer zu erkennen, das Zelt in der Dunkelheit rechts, dahinter die hell erstrahlten Mauern der 700 jährigen Burg)

Italien -Region Molise-  (25.11.2014)

Wieder zum späten Nachmittag ziehe ich los, der Dämmerung entkommend einen Schlafplatz zu suchen.
Es ist gerade mal 16:00 Uhr…. ein Dilemma, jetzt schonwieder den Tag zu beenden, umschlossen von Dunkelheit die nächsten 15 Stunden irgendwie schlafend oder sonstwie zu verbringen.
Auch darf ich jetzt kein Bier mitnehmen, mir die Zeit am/im Zelt mit einigen frischen Birra Morettis vertreiben, da ja noch der letzte Leberkasper nicht weit zurück liegt…. uff…

Doch Entschädigung wartet: Folgend Simones Rat dem Berg hinaufzugehen, an dem sich die Altstadt Campobassos mit ihren über 500 jährigen Steinhäusern hinaufzieht, schaue ich nach anstrengendem Aufstieg über die gesamte Stadt in der Abenddämmerung.

Und hier soll ich was zum Schlafen finden?

Ganz oben steht die Burgfestung Castello Monforte, der alte Regierungssitz jener Herrscherfamilie die über 400 Jahre über Campobasso und Umgebung verfügten, die nun angestrahlt vom Licht der Scheinwerfer kilometerweit zu sehen ist.
Heute ist die recht kleine Burg ein Museum, und kaum besucht. Ich bin fast allein hier oben und finde vor dem Bollwerk ein wildes Areal voller Trampelpfade, Kiefernbäume und Felsen, perfekt für eine tolle Nacht mit Campobasso-Panorama.

(Bild: Der Campanile Santa Maria del Monte, oben angekommen auf dem Berg über Campobasso.)

Italien -Region Molise-  (25.11.2014)

Was ist typisch für Campobasso?
Ich ziehe quer durch die Stadt, finde im übersichtlichen Zentrum aber nichts wirklich Sonderbares, was als eindeutiges Wahrzeichen sofort an Campobasso erinnert…. hmmm, Simone sagte mir noch es sei diese Piazza Emanuele, aber da sind nur Bäume und ein Springbrunnen außer Betrieb, im Hintergrund ein Verwaltungsklotz aus der Mousselini Zeit….

Also mal wieder die Kathedrale; die ist aber eng eingebunden zwischen schlichten Häusern nicht sehr bemerkenswert, aber eben die “Seele Campobassos”.
Sozusagen mein Beweisfoto für den “Länderpunkt Molise”.

Italien -Region Molise-  (25.11.2014)

In Campobasso, dem eigentlichen Ziel abseits von Napoli, weit weit im Innland, hoch in den kalten Bergen gelegen, irre ich ziellos umher, finde nirgends WiFi aber auch kein Hotel oder gar ein Touristenbüro.
Lediglich eine Stadtkarte brauche ich und einige Grundinfos, so wie immer.
In Campobasso, im nun wirklich allertiefsten Italien versteckt, scheint das Leben noch sehr unberührt zu sein. Zwar laufen auch hier alle mit ihren Smartphones vorm Gesicht haltend durch die Gassen und Straßen, langweilen die selben Modeketten in den Einkaufszeilen wie überall, doch für Fremde ist hier garnichts eingerichtet.
Zwei Stunden später finde ich direkt neben der unscheinbaren Kathedrale endlich ein Cafe mit WiFi, treffe aber dort den Studenten Simone, mit dem ich eine ganze Stunde ins Gespräch komme.
Simone studiert hier in Campobasso Jura, der kleinsten Universitätsstadt Italiens, die aufgrund ihrer Stellung als Haupstadt der Region Molise besondere Möglichkeiten hat; im ganzen Zentrum prangen die kalten Fassaden vieler Verwaltungsgebäude. Campobasso ist Hauptstadt der zweit kleinsten Region Italiens: Molise, wohl die auch unter Italiener unbekannteste Region im Land hat 314.000 Einwohner, liegt versteckt hinter Abruzzo und Kampanien eingeklemmt mit Zugang zum Adriatischen Meer.
Lediglich mit Campobasso und der kleinen Hafenstadt Termoli besitzt die Gegend zwei nennenswerte Städte, umgeben von niederen Bergen, braungrün völlig bewachsen von Eichen und Wallnüssen im Herbstkleid.
Landwirtschaft stellt hier den wichtigsten Sektor, ansonsten kennzeichnet sich die Molisische Identität zur Abspaltung von Abruzzo weiter nördlich seit 1963.
In Molise leben auch die Moliseslaven, ca 20.000 Nachfahren Istrischer Einwanderer von vor 500 Jahren, die noch neben Italienisch ihre Kroatische Sprache pflegen, sowie die Arbërech, ebenfalls eingesessene Nachkommen Albanischer Zuwanderer.
Außerdem fallen in der Innenstadt von Campobasso viele sehr agressiv bettelnde Roma auf.

Simone hat reges Interesse an mein Wanderleben bekundet, zeigt mir den Weg durch die Altstadt zum Festungsberg hinauf, wo ein toller Ausblick auf Stadt um Umland den Aufstieg lohnt. ….Auch mit dem ganzen schweren Gepäck, da auch Simone als beengt lebender Student keine Chance sieht, mich bei sich aufzunehmen… ich muss also wieder draußen irgendwo vor der Stadt schlafen.

(Bild: Simon (Italienisch: Simone) ganz cool, versteckt sich hinter seiner Sonnenbrille)

Italien -Region Kampanien-  (24.11.2014)

Nur zwei Kilometer außerhalb Beneventos finde ich diesen herrlichen Panoramaplatz.
Unterhalb der Bahntrasse, weiter hinter Schotterwegen wo überall gebrauchte Kondome und Taschentücher herrumiegen, geht’s weiter bergab, immer dem rauschen des Flusses nach, wo auf einem ebenen Vorsprung weiches, dichtes Gras mit echt duftenden Kräutern mein Nachtlager perfekt absichert.

Auch für Benevento hatte ich einen Kandidaten als Gastgeber in Arbeit…. der wollte nach langem hin und her das sich seit Tagen schon im Chatroom herzieht, nicht raus mit der Sprache ob er mich nun aufnimmt oder nicht…
Irgendwann sendete er mir seine Telefonnummer, ich rufe ihn nun (teuer) an – mein Handy ist lediglich mit fünf Euro aufgeladen – erfahre nach langem, stammelnden Englisch-Italienisch, dass er mich jetzt gern einladen würde.
Ich frage nochmals nach ob das wirklich ernst ist….
Plötzlich, (ich fühlte beim Gespräch Unsicherheit) heißt es “nooooo, i would meet you only for Sex”…. – danach soll ich mich bitte wieder davonmachen, steht irgendwie zwischen den Zeilen….

Zak, ich lege sofort auf und ärgere mich nicht mehr weiter…. Süditalien soll ja soooo Gastfreundlich sein.

Schluss mit dem mosern; schaut auf meine “Villa Wanderleben”…

Italien -Region Kampanien-  (24.11.2014)

Süd-Italien Idylle pur: Parkende Autos wo es nur geht. Selbst auf der zentralen Piazza Orsini, dem Herz Beneventos fröhnt man der Heilgkeit des St. Automobilio.
Im Hintergrund runden die Fassaden längst vergangener Tage das Bild ab.
Ich verweile gut 30 min hier, beobachte das langsame Treiben, -es ist Mittagszeit und somit in Süd Italien satte vier Stunden sowas wie Ausgangssperre; was zu essen finden, öffentliches Leben wahrnehmen – mitnichten – 

Alle vier Supermärkte im inneren Stadtbereich klappere ich ab, alles hinter schweren Gittern in tiefer Lethargie….. mann, das darf doch nicht wahr sein, komme mittags in einen Ort an und muss Hunger schieben……………….

Lediglich überteuerte, schlechte Snacks aus fettigen, alten Teig, gefüllt mit müder Masse, bleiben mir, kaufe die teuer in einer Bar.
Um halb fünf wirds dunkel. Da machen die Märkte  zwar allmählich auf, doch ich muss bis dahin schon längst aus der Stadt sein, vorm Dunkelwerden einen Schlafplatz finden….