Italien -Region Molise- (25.11.2014)
In Campobasso, dem eigentlichen Ziel abseits von Napoli, weit weit im Innland, hoch in den kalten Bergen gelegen, irre ich ziellos umher, finde nirgends WiFi aber auch kein Hotel oder gar ein Touristenbüro.
Lediglich eine Stadtkarte brauche ich und einige Grundinfos, so wie immer.
In Campobasso, im nun wirklich allertiefsten Italien versteckt, scheint das Leben noch sehr unberührt zu sein. Zwar laufen auch hier alle mit ihren Smartphones vorm Gesicht haltend durch die Gassen und Straßen, langweilen die selben Modeketten in den Einkaufszeilen wie überall, doch für Fremde ist hier garnichts eingerichtet.
Zwei Stunden später finde ich direkt neben der unscheinbaren Kathedrale endlich ein Cafe mit WiFi, treffe aber dort den Studenten Simone, mit dem ich eine ganze Stunde ins Gespräch komme.
Simone studiert hier in Campobasso Jura, der kleinsten Universitätsstadt Italiens, die aufgrund ihrer Stellung als Haupstadt der Region Molise besondere Möglichkeiten hat; im ganzen Zentrum prangen die kalten Fassaden vieler Verwaltungsgebäude. Campobasso ist Hauptstadt der zweit kleinsten Region Italiens: Molise, wohl die auch unter Italiener unbekannteste Region im Land hat 314.000 Einwohner, liegt versteckt hinter Abruzzo und Kampanien eingeklemmt mit Zugang zum Adriatischen Meer.
Lediglich mit Campobasso und der kleinen Hafenstadt Termoli besitzt die Gegend zwei nennenswerte Städte, umgeben von niederen Bergen, braungrün völlig bewachsen von Eichen und Wallnüssen im Herbstkleid.
Landwirtschaft stellt hier den wichtigsten Sektor, ansonsten kennzeichnet sich die Molisische Identität zur Abspaltung von Abruzzo weiter nördlich seit 1963.
In Molise leben auch die Moliseslaven, ca 20.000 Nachfahren Istrischer Einwanderer von vor 500 Jahren, die noch neben Italienisch ihre Kroatische Sprache pflegen, sowie die Arbërech, ebenfalls eingesessene Nachkommen Albanischer Zuwanderer.
Außerdem fallen in der Innenstadt von Campobasso viele sehr agressiv bettelnde Roma auf.
Simone hat reges Interesse an mein Wanderleben bekundet, zeigt mir den Weg durch die Altstadt zum Festungsberg hinauf, wo ein toller Ausblick auf Stadt um Umland den Aufstieg lohnt. ….Auch mit dem ganzen schweren Gepäck, da auch Simone als beengt lebender Student keine Chance sieht, mich bei sich aufzunehmen… ich muss also wieder draußen irgendwo vor der Stadt schlafen.
(Bild: Simon (Italienisch: Simone) ganz cool, versteckt sich hinter seiner Sonnenbrille)
