Italien -Region Sizilien-  (20.12.2014)

Reich gedeckt ist der Tisch hier auf Sizilien, und erst recht wenn Georg nah ist; alles was lokal und heimisch auf dem Markt in Trappeto zu finden ist und schmeckt, liegt nun vor mir.
Ich denke hier die Bildersprache dürfte der meinen übertreffen; fantastischer Wein lässt mich fast ohnmächtig werden…. womit hab ich das verdient?

(Bild: Links im Glas gibt’s “Nduja” eine Streich-Salami, füchterlich scharf, allerdings aus Kalabrien -da wo Italien am schärfsten ist.)

Italien  -Region Sizilien-  (20.12.2014)

Deutsch geht es in diesem Teil Siziliens zu: In Trappeto treffe ich auf der “Solingen Connection”,meist ehemalige Zuwanderer die wirklich alle komplett in Solingen gelebt und gearbeitet hatten, vor 50 Jahren einst ins “Wunderland” ausgewandert, blieben nicht alle für immer; die meisten hatten ihre Heimat Trappeto nie vergessen, reisen mal hin und her, oder kamen komplett zurück um von ihrer Rente zu leben, (die macht einem hier reich…) natürlich bleiben auch viele für immer in Deutschland.
Solingen aber ist DER Anlaufpunkt für eben dem Fischerkaff Trappetto hier im Westen Siziliens, über 150 Fmilien von hier soll es in Solingen noch heute geben, und während die meisten Alten wiederkommen, die deutsche Rente in einem mediterranen Klima zu schätzen wissen, gehen die Jungen zurück, ohnehin als Söhne und Töchter mit deutschem Pass, allerdings eher nach Berlin, wie es ein 19 Jähriges Mädel vorhat, die hier im “Molo” kellnert.

(Bild: Solingen ist überall in Trappeto. Kaum zu übersehen.)

Italien -Region Sizilien- (20.12.2014)

Giuseppe von der “Bar onda del Mare”, Georg und ich.
Trappeto ein  kompaktes 3100 Einwohner Städtchen direkt am Meer, haut mich um; wie auf Mallorca spreche ich überall hier Deutsch und (fast) jeder versteht es hier.
In Giuseppes Kneipe kommt man also sehr schnell ins Gespräch, Wein wird spendiert und die Stimmung steigt..
Die Ferienwohnung gleich um die Ecke, mit etwas Meerblick, steht im krassen Gegensatz zu all den Stationen meines Wanderlebens. Auf dem weichen, geräumigen Sofa finde ich unglaublichen Komfort, zwei Wochen “Ferien” sind nun angesagt.

Georg ist von Trier über Frankfurt nach Trapani auf Sizilien, gut 75 km von hier vom Flughafen gekommen. Ein Wiedersehen, ein so schönes Wiedersehen …

Italien -Region Sizilien- (20.12.2014)

Ein verkaterter Morgen auf der Mole von TRAPPETO, dem erstmal letzten Ziel meines Wanderlebens hier auf dem Mini-Kontinent Italien. Hier treffe ich nämlich meinen lieben Freund Georg/Edmond, jaaaaaaaaa, genau der aus Rom, wo er mich dort besuchte, ein paar Tage Ferienwohnung und alles mal hinschmeißen, nix mehr planen, machen, kämpfen …..

Doch noch eine wilde Nacht im Zelt draußen musste noch sein, auch mit über zwei Promille; Guiseppes Bar liegt genau gegenüber, hatte dort völlig entkräftet nach Essen und Trinken gefragt, bekomme im guten Deutsch die “Molo” erklärt, gleich 50 Meter weiter wo ich noch was zu futtern kriege…. typisch italienisch: Primi Piatti (erster Gang) Secondi Piatti (zweiter Gang) – Nachtisch… und natürlich gut Bier dazu…. achso, vor all dem ganzen gehört natürlich noch das Antipasti…. jeder Gang eben für 8 bis 15 € … wohl bekommts, aber ich war so extrem ausgelaugt, zahle alles…. und… ja und wurde komplett eingeladen vom Wirt, der interessiert meinen Reisegeschichten lauschte. Er sprach gut Englisch.

Bei Giuseppe dann belohnte ich den Abend allerdings mit zu viel Peroni, Limonchello und Vino Rosso….. teils ausgegeben von den Gästen dort…. was soll ich da machen ?

(Bild: Wobei mich der Wirt ins Molo-Restaurant einlud, dort zu übernachten, hatte ich auf der Mole von Trappeto das Zelt aufgebaut, völlig besoffen was wegen der Betonwürfel und den tiefen Spalten zwischen ihnen nicht ungefährlich war …)

Italien  -Region Sizilien-  (19.12.2014)

Vorbei mit Sack und Pack an Müllhaufen (Bild) die man in Palermo nicht lang suchen muss, bahne ich den Weg zum Bahnhof. Die Stadt kommt als eine der härtesten überhaupt in Italien rüber, wobei in den letzten 15 Jahren sehr große Fortschritte gemacht wurden…  da überlege ich wie es wohl damals hier ausgesehen haben musste… noch heute ist hier am Rande der Europäischen Union deutlich die Nähe zu Afrika spürbar. In jeglicher Hinsicht …

Italien  -Region Sizilien- (19.12.2014)

So, vier Tage Palermo sind schonwieder vorbei für 60 Euro die ganze Zeit. Dank der Spenden kann ich das, konnte ein komplettes Zimmer haben mit sechs Betten, alle leer und nur meine Wenigkeit konnte die Ruhe genießen. Wo findet sich schon ein so großes Zimmer für solch kleines Geld?
Jetzt im Winter ist halt tote Hose hier und billige Betten finden sich leicht in der Stadt, jedoch nicht irgendein Gastgeber der mal  seine Wohnung öffnet …. sowas scheint in Süditalien halt normal zu sein.

Vucciria, das alte Fischerviertel mitten im Zentrum war ein wunderbares Zuhause, jetzt ziehe ich weiter die Küste entlang Richtung Westen, 46 Kilometer nach Trappeto, einem Kaff am Meer wo ich morgen endlich Georg treffe…. dann sind zwei Wochen “Ferien” angesagt 🙂

Italien -Region Sizilien-  (18.12.2014)

Mein markantester Favorit in Palermo ist das unglaubliche Teatro Massimo, Italiens größte Oper die sowas von majestätisch ihren Platz inmitten der wilden Innenstadt einnimmt, dass iher Präsenz wie eine Oase der Würde und Ruhe wirkt. Palermo hat nur wenig freie Flächen sowie wenig sichtlich fassbare Bauten an denen man sich noch lang erinnert.

Italien -Region Sizilien-  (18.12.2014)

In Palermo gibt’s zwar jede Menge Kirchen, aber im Stil so ziemlich gleichgebügelt: Barock, Barock und Klassizismus, und wieder Barock … ist ja nicht schlecht, doch welch Überheblichkeit diese Epochen an den Tag legten, machten alles im ihren Schnörkel gleich, kaum ein Inneraum war sicher vor Kitsch, Pomp und fetten Engeln.

Jedoch fand ich einen Raum in Palermo, der noch authentisch unverändert seit über 800 Jahren ist: Die Cappella Palatina, die unverfälscht arabisch-byzantinisch-normannische Kapelle des großen Königspalastes in der nördlichen Innenstadt.
Mit feinsten Mosaiken, ob am Boden, Wand oder Decken, sowie Bildnisse aus dem gesamten alten Testament begeistern mich in ihrer Perfektion und Pracht, als sei alles erst gestern gemacht. Gold dominiert hier am meisten, die alten Könige zollten der mächtigen Kirche ordentlich Tribut, schufen große Pracht -nicht zuletzt um auch selbst vorm jüngsten Gericht nicht ganz so schlecht dazustehen…  glaubten sie.

Ein ganz besonderer Ort historischer Perfektion, mitten in einer so schnelllebigen Stadt.

Italien -Region Sizilien- (18.12.2014)

Wenn da nicht der olle Friedrich wäre…..

Friedrich der zweite, lang ist’s her, hat mal im 12ten Jahrhundert einiges bewegt, da könnte ich jetzt erzäääääählen…
Wichtig ist aber hier die Affinität zur deutschen Geschichte als letzter Staufer, und der damit verbundene Zusammenhang seiner letzten Ruhestätte hier im Dom zu Palermo, wo Friedrich der zweite neben anderen Sizilianischen Königen, in diesen glattgeschliffenen Sarkophagen aus rotem Porphyrstein ruht. Für 1,50€ darf ich ganz nah rann an die Könige, ganz nah dran an große Geschichte.

(Bild: Grabstätte der Könige im Dom Palermo)

Italien  -Region Sizilien-  (17.12.2014)

“Punto-Pizzo-Free"  –  offizieller geht’s nicht, die anti Mafia Bewegung gleich als Thema aushängen. Hier hatte ich gut Wein kaufen können und den komplett Pizzo frei. Die Pizzo ist ja dieses Schutzgeld was angeblich jeder in Süditalien zu latzen hat…. ansonsten kann man nur froh sein mit kaputten Scheiben davon zu kommen.
Doch in Palermo und anderen Städten Siziliens, pervertierte das Schutzgeldproblem dermaßen, dass manche Geschäfte, Restaurants und Kneipen mittlerweile schon drei Pizzos an jeweils verschiedene Clans zu verrichten hatten, das Maß war übervoll und es entstand “AdioPizzo”, ein Zusammenschluss von Bürgern und Geschäften gegen die Gangster.
Heute, so meine Informationen, hat sich das Problem deutlich gemildert; die Mafia zog sich in andere Geschäftsfelder, vornehmlich im Müllgeschäft und der Baubranche zurück wo sie bis heute wie ein Virus kaum vollständig zu besiegen ist.
Doch die kleinen Leute in Palermo sind heute freier, Geldeintreiber und Mafia-Handlanger werden total verachtet, eine neue Zivilgesellschaft hält einigermaßen zusammen und die Zeiten ändern sich zum Besseren.

(Bild: Der Free Pizzo Laden, eine mutige Sache die unbedingt unterstützt werden sollte. Guter Wein (!) und Feinkost prodotto in Sicilia. Via Vittorio Emanuele, nördlich zum Hafen hin…)