Albanien (03.06.2015) Stadt: Tirana (710.000 Einwohner) ———–

Tirana ist seit 95 Jahre Haupstadt und somit historisch recht jung. 1920, als der Umbruch begann, wuchs der Orts mit damals wenigen tausend Bewohnern in kürze zu einer echten Großstadt heran, die ein wenig später im typisch sozialistischen Stil groß ausgebaut, noch heute weitestgehend so aussieht; der nach einem albanischen Fürsten benannte Skanderberg Zentralplatz, zeugt in seiner weiten Ausdehnung und vor allem mit den Bauten wie das alte Kulturzentrum (Oper) und Regierungsgebäude mit klassisch, sozialistischen Mosaikbildern großen Heldenepos, von dieser Zeit.

Heute kommt einem der Platz angenehmer vor, da viele Bäume und weite Rasenflächen einiges an Grün ins ansonsten allgegenwärtige Sozialisten-Grau bringen.

(Bild: Der Kulturpalast am Zentralplatz und dahinter die alte Moschee mit Uhrturm daneben; die Wahrzeichen Tiranas)

Albanien (03.06.2015) Stadt: Tirana (710.000 Einwohner) ———– Ich bin müde und unsere Wege trennen sich, Rainer zieht noch weiter durch diese phänomenale Kneipenlandschaft, – ein Laden stylischer als der andere, überall Musik, überall Bier und schöne Menschen. Man hat das Gefühl, Albanien wolle alle Fülle des Lebens aufeinmal aufholen, nur noch feiern, egal wie armselig… und wenn’s nur für ein Glas Cola für zwei Stunden. Die Kneipen sind voll.
Allein ziehe ich durch die lebendigen, bunten Straßen, verschwinde ins Hotel und schlafe im Gesäusel des nächtlichen Lebens ein…

Albanien (03.06.2015) Stadt: Tirana (710.000 Einwohner) ——– Geschafft, endlich im Zentrum Albaniens, in der großen Haupstadt des zentralistischen Landes. Tirana (auf albanisch: Tiranë) liegt fast in der Mitte Albaniens, ca 30 Kilometer vom Meer entfernt und beherbergt gut ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes. Wo können wir heute übernachten? Campingplätze Fehlanzeige, und ins Hostel will Rainer nun wieder nicht. Also erstmal den “Loui” irgendwo parken, womit das Dilemma schonmal anfängt: Wie zu erwarten, denn der Höllentrip der Parkplatzsuche endet bekanntlich mit Abzocke a lá Hauptstadt, gleich mit 150 Lek (1,10€) pro Stunde. Und wir müssen erstmal eine ganze Nacht buchen…. ok, weiter dann über Umwege in ein Hotel. Ich freue mich in Rainers Windschatten den Genuß eines Mittelklassezimmers teilhaben zu dürfen, dennoch scheint der Preis von 7700 Lek (55€) dann doch sehr “touristisch”. Zimmerpreise diesen Standards liegen selbst in Tirana so bei 30 – 40 Euro. Egal, wir haben Durst und zwar gewaltig: Wieder in einer “Sky-Bar” findet sich erwartungsgemäß der ultimative Ausblick. Der halbe Liter Bier für 2,20 € – und das hier oben. TIRANA ist ja doch nicht so schlimm 🙂

(Bild: Die Runde geht an mich; frisch Gezapftes in 60 Metern über Tirana, mmmmmhhh, das schmeckt.)

Albanien (03.06.2015) Stadt: Elbasan (135.000 Einwohner) ——- Heute ist’s heiß, 32 Grad mit viel Fahrtwind nun durch Mittelalbanien in Richtung Hauptstadt, wo entlang des Weges mit großen Aufwand eine Autobahn durch, und entlang der Berge geschlagen wird. Elbasan war einmal das große Industriezentrum im Land, wegen eines großen Stahlwerkes was ganz Albanien versorgen soll. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus Anfang der 90er, war Feierabend und einige Zeit später übernahm ein türkischer Konzern das Werk, so das es wieder läuft und die Türme wieder rauchen. Türkisch (oder besser: Osmanisch) ist auch der Name der Stadt Elbasan, da zur Zeit des Einfalls der Osmanen nicht unwesentliche Kulturelemente ins Land kamen, so auch der Islam und ein Osmane namens Elbasani. Noch heute, so scheint es, sehen die Türken Albanien noch immer als ein kleiner Außenposten ihrer Kultur, was letztlich auch zur Rettung des Industriegebietes in Elbasan führte. Lediglich eine alte Stadtmauer findet sich heute noch im Stadtbild. Stadtauswärts sehe ich noch das Stahlwerk, dann echte Autobahn bis zu den ersten Vorposten der Großstadt Tirana.

(Bild: Stadmauer in Elbasan, wo es ansonsten nicht viel zu sehen gibt)

Albanien (02.06.2015) Ort: Ohridsee, Campingplatz etwas nördlich von Pogradec. ——-
Eiskalt, nein Arschkalt schwimmt es sich in diesem See, vielleicht weil er mit mindestens drei Millionen Jahren, einer der ältesten Seen der Welt ist. Drüben auf der anderen Seite ist Mazedonien, ein Land welches ich bald auch noch besuche, genau drüben dann sein werde. Mein Zelt steht gleich neben “Loui” dem Wohnmobil, und wie üblich in Albanien, häufen sich die Fleischmassen auf den Tellern. Das Tirana-Bier aus der 1,5 Liter Monsterflasche deutet ebenso wenig auf Bescheidenheit albanischer Schlemmerlust hin…. Diese Tage sind fett…..

Albanien (02.06.2015) Ort: Ohridsee ——— Endlich angekommen; auf der albanischen Seite des Ohridsees finden wir dann doch noch einen halbfertigen Campingplatz, noch ohne Toiletten aber mit Stromversorgung und WiFi. Perfekt, zumal noch das Abendlicht heute besonders stimmungsvoll Laune macht. In Albanien ist einfach alles toll: Gleich gegenüber der Landstraße offeriert ein leeres aber stets geöffnetes Restaurant die volle Speisekarte zu jeder Zeit. In Italien oder Frankreich würde sowas niemals möglich sein, zudem dort die Wucherpreise bis zu einem achtfachen von dem was hier fällig ist, betragen. Rainer macht Fete im Wohnwagen und ich ziehe mich im Zelt nebenan zurück. Es war einer der schönsten Abende überhaupt.

Albanien (02.06.2015) ——— Kurz vor dem Ohrid See stehen immer wieder diese Jungs mit bündelweise Kirschen an der Landstraße. Albanien mag auf der einen Seite recht gut aussehen; mehr und mehr gute Straßen, unglaubliche Bautätigkeit und Cafes, Imbisse und Restaurants weisen auf einen gewissen Wohlstand hin. Das ist auch so: 35% der Albaner können sich so zimlich alles leisten – sofern sie das im eigenen Land tun, doch 25% der Menschen im Land stehen auf der ganz anderen Seite. Das sind 700.000 die von einem Tag in den anderen von unvorstellbar wenig leben. Subsitenzwirtschaft (Selbstversorgung) auf dem Land sind noch sehr verbreitet. Kleine Parzellen mit Gemüsebau, offen umhertreibende Kühe, und Nutzgärten sind überall im Lande offensichtlich. Auch gehen viele der Jugendlichen und Kinder nur wenig oder garnicht zur Schule, sowie nicht wenige Erwachsene auf dem Land weder dem lesen noch des schreibens mächtig sind. Aber auch ein Studium der Germanistik nützt da nicht gleich sofort; Stilian habe ich in der Sky-Bar über den Dächern Korçes kennengelernt. Er hat Deutsch studiert, schon vor Jahren und er hofft auf eine Stelle als Lehrer dafür. In Kürze soll in der Stadt eine Stelle dafür geschaffen werden, es stehen fünf weitere Konkurrenten bereit. Doch sein Deutsch hat etwas gelitten in den Jahren…. und er fürchtet nicht mehr gut genug für den Job zu sein. Andernfalls würde er nach Deutschland gehen, doch all die Anfragen dorthin gingen ins Leere. Bisher verdient er sein bescheidenes Auskommen noch hier in seiner Heimatstadt: Als Kellner….

Albanien (02.06.2015) ——- Wieder weiter? Jaja, eigentlich wollten wir im Tagesziel Korçe bleiben, finden aber keinen Hinweis auf einen Campingplatz für unseren “Loui” und dank Rainers unermüdlichen Fahrwut, geht’s eben weiter in Richtung Norden zum Ohrid See. Der ist schon von weitem in seiner flachen Erhabenheit inmitten des allgegenwärtigen Berglandes zu erahnen. Halbfertige Rohbauten und einsame Wohnhäuser verlieren sich in den endlos-Äckern auf denen Gerste (für den unheimlichen Bierdurst der Albaner) und Gemüse wachsen.
Am Ohrid See, so erkenne ich auf der Landkarte, gibt es was zum Campen….

Albanien (02.06.2015) Stadt: Korçe (53.000 Einwohner) ——- Das raue, bergige Land flacht allmählich ab, die Sicht geht sehr weit und schon in der Ferne hebt sich die Stadt Korçe von der sanft hügeligen Feldbaulandschaft ab, das Zentrum im südlichen Hinter-Albanien, Korçe (gesprochen “Kortscha”) ist Bierstadt mit einer der größten Brauereien des bierverliebten Landes, und fällt gleich mit seiner großartigen, orthodoxen Kathedrale ins Auge. Die markiert das Zentrum Korçes ganz markant, sofern es überhaupt wenig historische Mauern in der Stadt gibt. Wie überall in Albanien hatten die Kommunisten gern historisches aus dem Stadtbild radiert, doch so ganz ist ihnen das gottseidank nicht gelungen. Auch eine neue Moschee findet ihren Platz in trauter Nachbarschaft, die alte wurde frisch restauriert – ganz im Gegensatz zu vielen 200 bis 350 Jahre alte Wohnhäuser der kleinen Altstadt.

Interessant: Die Kathedrale wurde erst vor 20 Jahren (1995) nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt und ist Albaniens größtes Gotteshaus. Ihre grichisch orthodoxe Bauweise resultiert zur Nähe Griechenlands, dessen Grenzen sich gleich hinter den Bergen befinden. Vom “Sky Cafe” gibt’s die beste Aussicht, bei belebenden Espresso für 80 Cent.