Albanien (06.06.2015) Stadt: Shkodër (110.000 Einwohner) ——– Nur kurz nach Norden, halten wir noch in Shkoder, einer 2400 Jahre alten Stadt inmitten einer sumpfigen Gegend gelegen, nahe einem Schilfumwachsenen, riesigen Sees, der Albanien vom kleinen Staat Montenegro trennt. Nördlicher liegen hier nur Berge und nochmals Berge. Shkoder lohnt aber den anstrengenden Abstecher mit nervenaufreibender Parkplatzsuche für den dicken Loui; die Stadt entspannt anschließend mit einer tollen Fußgängerzone und kaltem Zitronen-Soda von der Luxus-Dachterasse für ein Euro das Glas…. Sehenswert sind hier -wie in vielen albanischen, größeren Städten aber nur wenig Sachen. Moscheen, nicht wirklich uralt, oder bildschön in direkter Nachbarschaft zu einer großen katholischen Kirche, die ebenfalls eher an einer Fabrik erinnert, weisen auf ein friedliches Nebeneinander der Religionen hin. Zudem ist Shkoder das Zentrum katholischer Christen im Lande, und alles läuft gut. -Vorbildfunktion !

Albanien (05.06.2015) Ort: Barbullush ——– Inmitten tiefster Dörflichkeit liegt er nun: Unser Campingplatz für heute. Rainer fand ihn eher zufällig auf dem Hinweg hier in Nordalbanien als wir uns trafen. Rätselhaft ist uns aber wirklich die absoloute Abgeschiedenheit des Platzes jenseits des Meeres, abseits der Berge und fern jeglicher Seen…. nur Acker und nochmals Acker. Beim lebendigen Dorf Barbullush finden wir nur mit Mühe den Platz. Den Platz? …..Es ist mehr, finde ich erst jetzt nach durchschlafener Nacht im Zelt direkt neben Loui heraus: Der Campingplatz mit sehr gutem Restaurant mitteleuropäischen Standards, sowie vorbildlichen Toiletten und Duschen wird von der holländischen Familie Wesselingh geführt, deren “Moeder Catherine” (Mutter Katarina) hier zuvor Großes geleistet hatte. Mit 70 ist die rüstige, alte Frau zuerst nach Albanien gekommen und schaffte 1996 genau hier ein Hilfswerk gegen die Armut zu errichten. Zwischen Restaurant und Campingwiese, schaue ich in der Kapelle und den Sozialräumen der Anlage die unzähligen Fotos an, die überall an den Wänden vom Schaffen einer großartigen Person erzählen. Heute lebt die ganze Familie von dem Betrieb des Platzes und dem Lokal in fast albanischem Preisniveau. Folglich besiedeln ausschließlich holländische Wohnmobile den Platz, wohl geschuldet durch die nationale Berühmtheit der Sache, wie käme man sonst auf die Idee hier auf dem albanischen, platten Land zu Campen? Weitere Berühmtheit erlangte das Unterfangen zwischen den Jahren 2010/11 als die ganze Gegend nach extremen Regenfällen meterhoch unter Wasser stand; Lastwagenweise erreichten Hilfsladungen aus Holland den Ort, wo die Not derzeit unbeschreiblich sein musste. Mutter Katarina starb Anfang 2015 mit 92 Jahren.

Albanien (04.06.2015) ——– Aufgepasst, fast wären wir drübergefahren; auf dem Feldweg zu einem abgelegenen Campingplatz im ländlichen Nirgendwo, muss man achtsam sein. Ob du schon 30 oder gar 50 Jahre alt bist? Frage ich die Schildkröte die sich gemütlich auf der Piste zum sonnen legt…. Jedenfalls hätte sie Louis Räder wohl kaum überlebt, trotz ihres harten, dicken Panzers.

Albanien (04.06.2015) Ort: Shëngjin (3000 Einwohner) ——- Weiter nach Norden fallen wieder mal diese übermächtig aufgeblähten Hochhausfronten der Tumor-artig gewachsenen Feriensiedlungen auf. Shëngjin, ein Fischerdorf war noch vor 10 Jahren ein völlig verschlafenes Nest. Heute hat man das Gefühl, als sei hier entweder eine Millionenstadt geplant, oder ein neues Acapulco soll hier entstehen. Mittlerweile mit stark verlangsamten Tempo, da jede Menge der über 12 Stöckigen Rohbauten bereits im Baustopp sind, nicht wenige unfertige Bauten schon bereits bröckeln und offensichtlich aufgegeben sich selbst überlassen bleiben. Irgendwo dazwischen setze ich mich in eines dieser Versuche zur Teilhabe eines ganz großen Hypes…. in einem der leeren, aufgegebenen Cafes und frage wo das alles hinführen mag. Albanien glaubte einst tatsächlich daran, dass die ganze Welt nun hierher käme; mitnichten, die Anlagen sind leer, nur einige wenige tummeln sich wie verirrte zwischen den hunderten von Liegestühlen und Sonnenschirmen am Strand…. es ist doch schon Juni und über 30 Grad….

Albanien (04.06.2015) Stadt: Krujë (11.000 Einwohner) ——- Ganz wichtig in Albanien ist die schon von weitem sichtbare, hoch im Berghang gelegene Kleinstadt Krujë, mit seiner legendären Burgfestung des Nationalhelden Georg Skanderberg. Die Burg war schon weit vor dem Auftreten des Fürsten errichtet: Um 1190 standen hier schon die ersten Mauern, im 15ten Jahrhundert wirkte er dann; Georg Kastriota, (Warum er auch Skanderberg heißt, konnte ich selbst bei Wikipedia nicht herausfinden) der “Türkenkämpfer” wie er genannt wurde, weil er sehr erfolgreich die damals einfallenden Osmanen bekämpfte, bis zu seinem Tod, als er an Fieber starb und sein zwölfjähriger Thronfolger wohl alles andere als fähig war, es seinem Papa gleichzutun, bis diese schließlich doch die Oberhand gewannen und den Islam nach Albanien brachten. Deshalb frage ich mich ob Skanderberg auch für die 60% Muslime im Land den Status Nationalheld innehat…. Fragen um Fragen hier in Albanien.

(Bild: Kruje wächst; die Stadt rüstet sich für gewaltige Touristenmassen wo fraglich ist ob diese wirklich kommen…. Souveniershops sind bereits jetzt offensichtlich der größte Arbeitgeber hier, und es sollen noch sehr viel mehr werden …)

Albanien (04.06.2015) Stadt: Tirana (710.000 Einwohner) ——– Außerdem gibt’s Zoff: Reiner war zuvor die ganze Nacht auf Tour und musste unbedingt anschließend mit “Loui” in die Werkstatt, wie geplant (!) – Ich protestierte dagegen, schließlich solle er das später erledigen…. letztlich packte ich meine Sachen und zog ins Hostel um. 10 Euro die Nacht im Mehrbettzimmer….. am nächsten Tag dann zofften wir uns weiter, doch mit versöhnlichen Ausgang wie es sich für solch Helden wie uns gehört; ich hatte meinen tollen Tag im Hostel und Rainer konnte tatsächlich alles reparieren lassen, was über all die Zeit angefallen war; sämtliche Reperaturen, und das in einer abanischen Garagenwerkstatt am Stadtrand von Tirana. Ich hätte nicht wirklich gedacht, dass er bei lediglich einer Stunde Schlaf sowas hinkriegen würde…. naja, jetzt ist ja alles wieder gut und Rainer hat nahezu den ganzen Tag in und mit der Werkstadt verbracht. Loui ist wieder topfit, und parkt nahezu den ganzen Zuweg zum Hotel versperrend mitten in Tirana das wir jetzt verlassen, ab in Richtung Norden.

Albanien (03.06.2015) Stadt: Tirana (710.000 Einwohner) —— Selbst die Lana, der Fluss welcher Tirana mal einst beschaulich durchfloss, betonierten die Kommunisten in eine Betonschale; beherrscht und gradlinig wie einst das Denken …. Mitten durch das Zentrum müffelt es noch heute, da die Lana auch als Kloake mit ihrem Grauwasser fungiert. Es gibt noch einiges zu tun hier …..

Albanien (03.06.2015) Stadt: Tirana (710.000 Einwohner) ——–

Folglich seiner jungen Geschichte, hat Tirana keine historische Altstadt. Fast alle Bauten sind entweder baufällig, oder meistens völlig neu, da besonders in den letzten 15 Jahren die Stadt sehr stark gewachsen ist. Von einer Million reden die Albaner gern, wenn sie stolz über ihre Haupstadt erzählen. So viele Menschen sind es aber nicht, mit seinen über 710.000 Bewohnern, leben bereits schon ein Viertel aller Albaner in Tirana und das Wachstum dürfte deshalb nur abgeschwächt anhalten; bis 850.000 Menschen, so die Prognose, wächst die Stadt noch in den nächsten 15 Jahren weiter, immernoch nicht “Millionenstadt” dann, weil Albaniens Bevölkerung eigentlich schrumpft…..

Immernoch und wohl auch in Zukunft, verlassen tausende junge Leute das Land, da selbst in Tirana das Leben schwer ist; tausende aber ziehen vom kargen Hinterland in diese Stadt, finden auch immer einen Job, doch davon leben können ist was anderes ….. Dennoch wollen sie alle hier hin, Tirana das Zentrum der albanischen Welt.