
An die Stadt Burgos, deren monumentale Kirche mich sogar mehr beeindruckt hat als jene in Santiago.
Ich dachte an das Dörfchen Hontanas, wo ich still und heimlich meinen 34. Geburtstag feierte, dort, wo die unendlich weite, flache Meseta anfängt mit ihren so langen Pfaden durchs ausgedörrte, seltsam schöne Land.
In Leon dann, der langersehnten Großstadt inmitten dieser Weiten, verlor ich meinen Weggefährten Frank bei einer nächtlichen Zechtour aus den Augen und traf ihn erst 400 Kilometer weiter, am Strand wieder.
Sogar krank wurde ich, als hinter Leon schlechtes Brunnenwasser mir gründlich den Magen verdarb. Zwei Tage musste ich pausieren.

Auch wenn es für den armen Norden Spaniens eine Chance ist, wirtschaftlich zu überleben, verliert der alte Jakobsweg so seinen Charme. Die vielen immer zahlreicher werdenden Herbergen und die betonierten Wanderwege, Souvenirstände und Eintrittspreise schaffen ein komfortables Flair touristischen Wohlbehagens. Und dennoch, ich fühle ihn noch, den alten Weg. Laufe seit Tagen durch diese wunderschöne Landschaft der Castilla, dem eigentlichen Herzland Spaniens, sehe genau hin und dann spüre ich ihn wieder: Den Zauber des Jakobsweges.


Den Pass auf 1400 Metern erkämpfte ich mit Mühe, schob mein Gepäck durch die kalte Höhenluft, trank das saubere Wasser der kargen Berge und erreichte die gigantische Festung Roncesvalles, eine 700 Jahre alte Abtei. Hier finden Hunderte von Jakobspilger täglich ein Nachtquartier. Weiter ging es durch die Berge und Wälder von Navarra, der stolzen Provinz in Spaniens Nordosten. Deren Hauptstadt Pamplona ist bekannt für seine alljährliche Stierhatz. Am weiteren Weg sprudelt aus einem Brunnen der köstliche Irache, ein kräftiger Rotwein, um den müden Pilger zu erfrischen. Leider brach bald unter der unaufhörlichen Belastung meinem Wanderwagen ein Rad ab. Findige Mechaniker konnten glücklicherweise schnell den Schaden beheben, ohne eine Gegenleistung zu verlangen! Welch ein sympathisches Land!
Liebe Grüße aus dem sonnigen Spanien… obgleich auch hier das Wetter nicht immer so sommerlich aussieht, wie man es für Spanien glauben mag. Ab und zu ist es wolkig mit sanften Einlagen milden Sommerregens. Doch schnell ist die Sonne wieder da und dann bin wirklich froh, hier zu sein, da ja das, was man Sommer nennt, in der lieben Heimat wohl dieses Jahr auszufallen scheint…. Aber ich schicke euch Sonne, Sonne vom spanischen Jakobsweg. Heute am 21. Juni, einen Tag vor meinem 34. Geburtstag, bin ich schon 96 Tage auf Wanderschaft, habe über 2100 Kilometer geschafft und somit 2,5 Millionen Schritte auf den Sohlen, die wohl die nächsten 500 Kilometer bis Santiago noch aushalten werden. Dann schaue ich mal, wo es neue Schuhe gibt, die mich zurück nach Recklinghausen bringen …
Der Weg ist ja noch sooo weit. Nun aber pausiere ich mit meinem Weggefährten Frank (den ich, wie schon berichtet, gut 1000 km zuvor in Frankreich traf) in Burgos, einer großen Stadt: typisch spanisch, laut, viel Verkehr, Hochhäuser und mit der schönsten Kathedrale des gesamten Jakobsweges. Mit diesem Bauwerk kann in seiner Fülle, Schönheit und Perfektion wohl nur der Dom zu Aachen mithalten, ja Aachen, das ich vor Monaten auf diesem wundervollen Weg durchwandert habe, um dann die gewaltigen Weiten Frankreichs zu bezwingen, bis ich endlich weit in der Ferne die Gipfel der Pyrenäen sah, auf deren Höhe sich die Grenze zu Spanien befindet.