Irland – Waterford

Und nun ist es soweit: Eine großartige Zeit mit einem großartigen Menschen neigt sich dem Ende. Edmond, der mich auf eine fantastische Endeckungstour quer über die grüne Insel einlud,  reist morgen wieder ab.
Wir sind nun im Städtchen Waterford, gut vier-fünf Autostunden von der bezaubernden Valentia Island entfernt, in einem schrecklich lauten Pub voller Besoffener Zecher. Heute ist ja auch Samstag, und da geht auch – und ganz besonders hier bei den strammen Iren die Post ab.
Während Edmond morgen mit der Autofähre zurück zum Festland schwimmt, reise ich erstmal ganz konservativ mit dem Bus nach Belfast, ganz hoch im Norden der Insel, wo ich dann aber gucken muss wo ich bleibe; das Wanderleben bekommt dann eine gewisse Dramatik, die mir in den letzten Wochen ja erspart blieb…
Nun heißt es umstellen auf Wasser und Brot… oh mann, erst die “fetten Zeiten” mit all dem reichlichen Essen, den vielen Pints in den rustikalen Kneipen ( mit ihren gesalzenen Preisen ) und die weichen Betten, ob auf dem Boot, in Hotels, hinter Klostermauern, oder dieser traumhaften Ferienwohnung zuletzt…. und plötzlich durchkommen in selbstgewählter Armut. Ein Gefühl durchmischt von Abenteuerlust und Angst kommt mir auf…

Morgen ist dann der schlimme Tag des Abschieds, dann trennen sich unsere Wege für mindestens vier Monate.
Irgendwann im kalten Winter, so im Dezember, will Edmond mich dort besuchen wo es dann noch warm ist; meinem Fernziel im tiefen Süden, in Casablanca, der größten Stadt Marrokkos…

Morgen aber gehts erstmal weiter in den hohen Norden, solange es noch Sommer ist, nutze ich die milden Tage und ziehe bis nach Schottland.

…. Doch nicht nur Edmond verlässt mich morgen,  auch Paul, mein ewig treuer Begleiter kommt mit ihm. Paul, der Marienkäfer aus Plüsch,  ist leider zu groß und dick um ihn im Rucksack zu verstauen. Ich kann ihn nicht mitnehmen…. erst im nächsten Jahr, wenns wieder mir dem Wanderwagen auf großer Tour geht, ist er dabei.

Morgen wird ein schwerer Tag….

Schon vor über 1400 Jahren schafften es Mönche auf die schroffe Insel im wilden Atlantik, und errichteten dort, ganz oben auf der Spitze, eine Abtei, die noch heute teils über steile Treppen erreicht werden kann.
Rechts oben liegt die unbewohnte “Vogelinsel”, wo Hunderttausende von Möwen und Bastölpeln ihr Zuhause haben.

Irland ( Kerry, Skellig Island )
Was für ein Abschluss einer langen Reise durch Irland; Die 15 Kilometer weit draußen liegende Felsinsel Skellig Michael war doch noch erreichbar. Nebel und Dauerregen lösten sich auf und die ruppige Überfahrt konnte starten.
180 Meter hoch führt der Aufstieg auf den Gipfel des Inselbergs. Die Ausicht war der Hammer.

Irland – Kerry
Und noch ein Bild von meiner Klipped die ich jeden Tag besuche. Nicht immer ist das Wetter hier so schön,  vor kurzem hatte ich hier ganz schön Schwierigkeiten: Es fing an zu regnen und nur mit größter Mühe schaffte ich den Aufstieg zurück über die plötzlich glitschigen Felsen.
Ich brauchte dermaßen lang dafür ( ein Sturz auf die scharfen Felskanten wäre fatal !!! ) dass Edmond  nach mir suchen ging an diesem Abend….

Irland – Kerry

Heute ist der faulste Tag, mal wieder totales Regenwetter fesselt uns ans Haus, oder in den Pub im nahegelegenen Port Macgee wo ich es den Iren gleichtue; frisch gezapftes Guinnes vom Fass trinken. Draußen prasselt der Regen vor die Fenster.
Mal sehen, morgen dürfte die Sicht wieder klarer sein, so das ich es noch schaffe mit Edmond diesen Berg weit draußen im Atlantik zu erkunden. Eine spitze Felsinsel mitten in der wilden See.

Gestern war das Wetter genauso grau, konnten aber wenigstens vor die Tür und fuhren nach Cork, der zweitgrößten Stadt Irlands,  ganz im Süden der großen Insel gelegen.
Im “Englischen Markt”, einem überdachten Marktkomplex für frische Lebensmittel, musste ich dann endlich in den sauren Apfel beißen; Edmond will heute Austern kaufen und ich hatte noch nie damit zu tun…
Zuhause dann versuchten wir diese großen Muscheln zu knacken,  mit einfachen Messern aus der Schublade der Ferienwohnung.
Doch unglaublich, wie knallhart diese Dinger sind; Edmond schaffte lediglich vier, von insgesamt 12 Austern zu öffnen,  sie zu brechen, ja zu ermorden wie ich es in diesem Moment als eher unschön empfand.
Ich probierte zwar eine dieser Muscheln, schlürfte den kalten Schleim mit Zitronensaft und fand es geschmacklich garnicht so schlecht; wie eine salzige Meeresbriese auf der Zunge mundet die Sache irgendwie gut.
Dennoch aber gab Edmond auf, da die Schalen einfach zu hart sind, und  acht Austern durften ihr Leben fortsetzen;  an den Klippen unweit des Hauses warf ich die glücklichen Schalentiere zurück ins Meer.

Irland ( Valentia Island )
Eigentlich ein seltsamer Name für eine Insel hier im Norden; Valentia Island, was eher am sonnigen Spanien erinnert.
Doch Orangen wachsen hier beileibe nicht, wobei es hier die wärmste Ecke Irlands sein soll.
Hier bin ich am äußersten Ende der Insel zum Ozean erkennbar… im Hintergrund ragen die spitzen Skellig Inseln aus dem weiten Atlantik empor.