Endlich gehts jetzt weiter in den hohen Norden, in die berühmten “Highlands”.
Allerdings muss ich erstmal aus dieser gewaltigen Stadt rauskommen, und sowas ist per Anhalter nie einfach.
Doch zum Glück habe ich ja das Geld von der Farm; Joe meinte ja, es sei dafür, um meinen weiteren Weg zu erleichtern, was ich mir hier und jetzt an der großen Busstation zu Herzen nehme. So teuer können die nächsten 140 Kilometer nach Fort Williams ja nicht sein.
Doch mitnichten: Saftige 23 Pfund sagt mir die dicke Tante barsch ins Gesicht und schnappt sich so schnell den dicken zwanzig-pfund Schein, dass ich keine Chance habe zu reagieren, – musste sogar noch drei Münzen drauflegen.
Egal, nur dieses eine mal, denke ich und begrabe somit jegliche weiteren Ambitionen mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch dieses Land zu kommen… 28 Euro für läppische 140 Kilometer. Das tut weh…
Weiter stadtauswärts aber lichtet sich mein Gemüt wieder; Bilderbuchlandschaften ziehen an den großen Fenstern meines Luxusgefährts vorbei, selbst der Dauerregen und die tiefen Wolken die sich teils wie Watte um die Berge legen, scheint hier nicht zu stören. Schließlich ist das ja Schottland und ewigen Sonnenschein findet man hier am wenigsten auf diesem Kontinent.
Mein Ziel Fort Williams, das eingebettet zwischen sanften Hügeln an einem Meeresarm liegt, ist allerdings alles andere als ein beschauliches Örtchen; Touristenmassen und erschlagende Blechlawienen sorgen nachhaltig für Sehnsucht nach einer gewissen Idylle, die einst der Fischerort ausgestrahlt haben muss und bewegt mich schnell zum weiterziehen. Nochmal saftige 10 Pfund um lediglich 20 Kilometer weiter nach Norden zu kommen berappe ich der Einfachheit halber, da hier gleich der nächste Bus startbereit steht.
Port Augustus, mittlerweile am berühmten See Loch Ness gelegen, ist zwar noch kleiner, aber ebenfalls völlig überlaufen; wie Fort Williams scheint der Ort lediglich aus Ferienhäuser und Hotels zu bestehen und die Touristenscharen wo jeder ein großkalibrigen Fotoapparat an sich hat, erinnern an Soldaten mit ihren obligatorischen Waffen am Körper.
Diesmal fliehe ich aus dem Pulk nicht wieder mit einem Bus. Irgendwann muss ja auch mal schluss sein mit dem Geldverschleudern und versuche am Ortausgang zu trampen, was augenblicklich klappt: Schon das zweite Auto hält und bringt mich erstmal gute 10 Kilometer weiter, wo nur Wald, Natur und der See ist.
Hier mitten an der Schnellstraße schlage ich mich in den Wald Richtung See, finde den aber nicht da ein gewaltiges Privatanwesen, (was in Großbritannien nicht selten ist ) den Weg zum Wasser versperrt.
So zelte ich erstmal hier im Dickicht, auch wenn es erst vier Uhr ist.
Gestern bei John in Glasgow hatte ich ja zu wenig Schlaf, den hole ich jetzt und hier nach….