Frankreich  – Region Bretagne – (08.06.2014)

Danke Benoit, an der Straße in Richtung Osten, setzt er mich ab und ich stehe wieder da; auf zu neuen Abenteuern…. 200 km bis nach St. Malo, was ebenfalls noch in der Bretagne liegt…

Eine Stunde dauert’s, bis mich ein lustiger Typ mitnimmt, der aus Reunion kommt, einer Tropeninsel nahe Afrika im Indischen Ozean.
Er war auf dieser Technoparade (Astropolis) in Brest und ist auf dem Weg in die Normandie…. mit Joint und Bier zieht er dann gemeknsam mit mir gen Osten, bis nach Dinard, kurz vor St. Malo, – perfekt gelegen nahe dem Dorf meiner künftigen Gastgeber….

Frankreich -Region Bretagne- (08.06.2014)

Wieder Abschied nehmen: Welch eine wunderbare Zeit wieder zuende ist… Benoit und Daniel kümmerns sich rührend um mich, malen mir noch auf einem Pappschild “St. Malo”, mein heutiges Ziel welches wieder per Anhalter angesteuert wird.
Diesmal ist es schwer, da die Ausfallstraßen weit verzweigt keine eindeutige Richtung haben in Brest. Benoit muss jetzt los zur Arbeit, bringt mich aber fort, da wo ich wohl gut trampen kann…
Auch das Wetter ist wieder toll, wenn auch kalt; 10 Grad heute Morgen…

Ich muss Trampen, egal wie lang es dauert. Mit der Bahn wäre es unmöglich, da hier in Frankreich die Preise extrem teuer sind; keine Chance für mich, da hilft nur der Daumen an der Straße.

200 km wieder in Richtung Osten soll es heute gehen, nach St. Malo, oder genauer nach Le Minihic-sur-Rance, ein winziges Dorf ca 25 km südlich davon. Dort treffe ich wieder neue Gastgeber…

Bin mal gespannt wie ich heute durchkomme….ist immer sooooo aufregend….

Frankreich  – Region Bretagne – (06.07.2014)

Da die Bretonen schon sehr Französisch geworden sind, unterscheiden sie sich auch beim Essen wenig. Eher sind es die geographischen Gegebenheiten welche die Küche der Bretagne betonen. Pasta, eher weniger alteingesessen, isst man hier natürlich gern mit Muscheln, aufgrund der langen Küsten hier. Im Landesinnern finden sich zudem viele interessante Käsespezialitäten, da die Bretagne auch ganz besonders ein Land der Kühe ist.
Meine Gastgeber sind zwar völlig Einheimisch, lieben aber eben Italienische Leckereien, was in Frankreich mittlerweile überall gut ankommt, was besonders am flächendeckenden Siegeszug der Pizza deutlich zu sehen ist…

Frankreich  – Region Bretagne – (06.07.2014)

Zum Abend hin gehts wieder zurück, übers herrliche Land … Finistere (was auf Bretonisch “Penn-ar-Bed” heisst) ist eine bemerkenswerte Ecke (im wahrsten Wortsinn) von Frankreich. Gut dass ich hier etwas länger blieb… 1200 Kilometer von Zuhause entfernt und dennoch im Nachbarland.

Frankreich  – Region Bretagne – (06.07.2014)

Nochmals unterwegs, diesmal zu einem Nacktbadestrand die besonders hier in Frankreich Tradition haben. Bilder davon habe ich hwar gemacht, traue mich aber nicht die hier reinzustellen 🙂
Lieber zeige ich diese stachelige Pflanze hier, die so typisch für die Regionen am Atlantik ist; der Stechginster. Eine schrecklich kratzige Angelegenheit die mir noch mit Schrecken nachgeht; schon in Nordspanien, auf dem Jakobsweg entlang der Atlantikküste, saß ich mich Nachts beim Zelten, versehentlich zur Notdurft in seine Stacheln… ein wahrlich unvergessliches Erlebniss…………….

Frankreich  – Region Bretagne – (06.07.2014)

Klettern am Abgrund, dafür aber fantastische Blicke dieser alten Landschaft.
Schon vor 6000 Jahren lebten hier Keltische Völker, weit verstreut in den tiefgrünen Wäldern der Bretagne. Felsringe auf grünen Wiesen, so wie in England, gibt es hier auch. Auch Dolmen, die uralten Felsblockgräber zeugen von lang vergangenen Zeiten.
An den Küsten, so wie hier, sind zum Glück kaum noch weitere Bauvorhaben erlaubt; zu schnell würde der rasant sich ausbreitende Mensch nahezu alles zubetonieren, oder privatisieren…. geschehen ist das ja schon weitestgehends, überall stehen Häuser oder verstopfen Autos die Gegend. Problematisch sind auch die  selten bewohnten Zweit, Dritt, oder mittlerweile “Zehnthäuser” der wohlhabenden Oberschicht die immer mehr Landschaft auffressen…

Darum genieße ich um so mehr solche Orte wie diesen….

Wie schon Ghandi einst sagte: Auf der Welt ist genug Platz für alle, wohl aber nicht für die Gier weniger….

Frankreich  – Region Bretagne – (06.07.2014)

Die Bretagne ist eine von insgesamt 22 Regionen in Frankreich, welche wiederum in 96 “Departements” aufgeteilt sind, alles recht unübersichtlich, erst recht wenn noch die ganzen Überseegebiete mitgezählt werden.
Frankreich ist eben als ein “Schwerpunktland” meines Wanderlebens sehr groß und auch hier finde ich ein “Ende der Welt”, dass hier “Finistère” genannt wird.
Ich erzähle das, weil meine Erinnerungen an das “Finisterre” in Spanien sehr intensiv sind. Damals als mein  Wanderleben mit dem Jakobsweg angefangen hatte, erreichte ich nach 2700 km Fussmarsch diesen damals (im Mittelalter) bekannten westlichsten Punkt Festlandeuropas: Das Kap Finisterre, 92 Kilometer hinter Santiago de Compostela, dem heiligen Pilgerziel des Jakobsweges in Nordwestspanien (Galizien)
Hier aber in Frankreich finde ich auch wieder ein Finisterre, eben aber das Französische. Die wollten ja auch damals selbst ihren eigenen Papst haben, warum dann auch nicht so ihr eigenes “Ende der Welt”…?

Wie auch immer, hier am äußersten Rand der Bretonischen Halbinsel, fühle ich mich wirklich ein wenig so. Nach all den Kilometern gehts hier nicht mehr weiter…. nur diese wunderschönen Aussichten auf wieder den selben Ozean wie einst damals in Spanien, im ja fast schon keltischen Galizien, ist immerwieder unglaublich…

Frankreich  – Region Bretagne – (06.07.2014)

Jetzt kommen – wie damals in Irland oder La Palma, wieder diese Küsten, Bilder die nahezu für sich sprechen und immerwieder erzählen, wie schön unser winziger Planet in den Weiten dieses so kalten, dunklen Weltraumes ist… welch eine Insel im nuklearen Ozean lebensfeindlicher Weiten diese blaue Kugel ist… achtet auf sie gut; bald sind wir acht Milliarden, und jeder will immer mehr…
Sowas denke ich auch beim Anblick solcher Schönheit…

Mit dabei, der junge Françios, ein Freund der beiden die mich hier über die Tage aufnehmen und so schön ihr Land zeigen…. François lebt erst einige Monate hier, und stammt aus Korsika, einem Mediterranen Traum fern auf der anderen Seite des Reiches. Sein Job ist beim Millitär, dass in Brest ein großen Marinestützpunkt betreibt, und bestimmt somit wo er wohnen soll….  1400 Kilometer von seiner Insel im warmen Mittelmeer bis hier oben, am stürmischen Atlantik sind natürlich schon heftig. Aber er scheint sich in dieser Ecke der “Grande Nation” ganz gut einzuleben….
…Könnte ich aber auch, wenns sein muss…

Frankreich  – Region Bretagne – (06.07.2014)

Benoit und Daniel sind keine Weicheier; beide mögen Kletterwanderungen und haben eine erstaunlich gute Kondition. Da mache ich gern mit und suchen uns die markanten Stellen an den Steilklippen des “Pointe de Penhir”, einem weit ins Meer ragenden Felsvorsprungs, zwar überlaufen von Touristen, die aber schön allesamt auf den ausgetretenen Trampelpfaden sich drängen…  weitab unserer “Seeblicke” …