Italien  -Region Veneto-  (20.09.2014)

Im Innern siehts nicht ganz so spektakulär aus, zumindest nicht im Moment. Hier baut sich mal wieder eine Bühne zurecht, doch wer genau hinhört, merkt wie die schweren, alten Steine flüstern….. erzählend von all den Jarhunderten.
Viel gesehen haben sie…. und völlig egal wie sensibel jemand ist oder eben nicht, wer etwas Ruhe findet, spührt sie auch….. die Geschichten und Bilder die sich hier einst abspielten….

Italien  -Region Veneto-  (20.09.2014)

Und da hab ich sie doch noch ganz auf’s Bild bekommen: Die Arena di Verona. Hatte ganz schön gedauert bis dieser Platz gefunden war zum Foto.
Über 1800 Jahre steht sie schon da, war damals sogar noch größer, oder besser gesagt höher. Große Schaubögen aus Stein zierten einst den Römischen Prestigebau rundum.

Italien -Region Veneto- (20.09.2014)

Nur ein Wahrzeichen Veronas: Der Torre dei Lamberti, ein Glockenturm der 84 Meter hoch die ganze Altstadt prägt zieht den Blick lang anhaltend nach oben. Gern würde ich draufsteigen, doch den Eintritt kann ich mir leider nicht leisten….
Doch ich schaue mindestens 10 Min da hoch…. träume davon jetzt eine der Schwalben zu sein, die da ständig umherfliegen….

Italien  -Region Veneto- (20.09.2014)

Noch ein Luftbild von Verona.
Hier oben vom Berg sehe ich fast alles… das Klima ist zwar diesig (normal für den September in Norditalien) aber es geht.
Mit 2600 Jahren ist Verona eine der ältesten Städte im Land.
Überwältigend viele Sachen sind hier zu sehen; Unmengen, aber wirklich Unmengen an Touristen die sich durch die Altstadt quetschen, belegen das nur überdeutlich; z.B. der “Balkon”, jener von Sheakspeares Drama Romeo und Julia, ist da unten zu bewundern. Tja, wenn es da nicht diesen Stern Artikel (so um 2008) gab, der zu berichten wusste, dass dieser Balkon nahe der Piazza dell Erbe alles andere als das Original sei; die  Veroner seien es einfach leid gewesen, ständig zu berichtigen, dass die Story tatsächlich hier stattgefunden hatte, und erkoren einfach einen Balkon eines zentral gelegenen Stadthauses als Gravitationspunkt eines der größten Love-Storys aller Zeiten und schwupp, bis heute strömen tagtäglich tausende Touristen dorthin, berühren eine eigens dafür errichtete Juliastatue (das soll Glück für die Liebe bringen) deren metallische Brust schon dadurch zu schwinden droht.
Ein Foto davon zu machen gelingt mir nicht, momentan stürmen ganze Legionen von Chinesen und Koreaner im Banne ihrer Reiseleitung den kleinen Hinterhof… nur mit Mühe dränge ich mich aus dem internationalen Pulk. Geschafft, im Slalom vorbei an zig hoch in der Luft gehaltenen Smartphones im Foto-Modus, navigiere ich mich hinaus aus diesem unglaublichen Allerlei ständig presänten Sehenswürdigkeiten, finde mich an der Piazza Bra wieder und versuche abzuschalten.
Auch wenn der Balkon keinesfalls echt war, und Romeo oder Julia jemals hier -oder überhaupt lebten, bietet Verona erschlagend viel
Ein Tag ist ganz klar zu kurz !!!!!!!!

Italien  -Region Veneto-  (20.09.2014)

Wäre da nicht VERONA, dann wäre ich wohl auch nicht in Lazise, dem Wohlfühlnest am Gardasee….  Verona eine unübersichtliche Großstadt von 262.000 Bewohner, liegt ca 20 km weit vom Gardasee entfernt, eine lange Busfahrt durch viele Dörfer und Kleinstädte ist da nötig, doch ich wiederhole: Hier in Italien ist das Vorankommen einfach billig, zumal momentan einige (wenige) Geldspenden das überhaupt möglich machen. (Danke dafür liebe Leser:-)

Als ich in Verona eintreffe, bin ich wiedermals erschlagen von dieser typisch Italienischen Fülle kulturellen Überflusses; gleich an der zentralen Piazza Bra, zieht die alte Arena von Verona wie ein Magnet meine Aufmerksamkeit herbei. Ich muss mich aber  bremsen um erstmal Platz zu nehmen, mich erstmal zu besinnen wo ich bin und was das vor mir ist: Über 1800 Jahre steht sie hier, Italiens drittgrößte Arena (nur das Römische Colloseum und irgndeine andere in Kampanien sind bigger..) – so alt wie die Porta Nigra in Trier, nur noch viel gewaltiger….uff… da leiste ich mir sogar die sechs Euro Eintritt.
Drinnen sieht’s allerdings nicht ganz so spannend aus; überall Tontechnik und Plastiksitze. Die alte Arena wird heute noch fleißig genutzt, allerdingst ertönen heute nicht mehr die Todesschreie mancher Gladiatoren wie einst (ich fasse die dicken, kühlen Steine an und versuche ihnen beim Erzählen zuzuhören) sondern  Musikveranstaltungen oder Opernarien füllen die 22.000 Plätze unter freien Himmel.

Später steige ich hoch hinauf um den obligatorischen Blick über die braunen Dächer und Türme der Altstadt zu fassen. Bei fast 30 Grad (ende September!) und Waschküchenklima, schwitze ich wie ein Schwein… (sorry, aber damals als Baumfäller, meinem alten Beruf, sagte man das immer so…)

Italien  -Region Veneto-  (19.09.2014)

Naja, als ich in Riccardos Wohnung komme, erblike ich einen großen, stämmigen Mann der müde und etwas anteilnahmslos mir die Hausschlüssel gibt, und zur Arbeit verschwindet.
Reden wollte er nicht, zumindest nicht so wie ich es gewöhnt bin bei meinen Gastgebern. Irgendwie melancholisch wirkt er… ich folge ihm in sein Cafe, mitten in bester Lage am Corso Ospedale, der zentralen Hauptgasse, die sich auf ihrem polierten Naturstein angenehm läuft, umgeben von Geschäften, Eisdielen, Pizzarien und eben dem Cafe del Corso, wo ich Riccardo zwar treffe, aber er lieber mit anderen Leuten plaudert. Komisch irgendwie…
Ich trinke ein Bitburger vom Fass, nach dem anderen… brauche aber nur die hälfte zahlen 🙂

Spät gehts dann auf meine dicke, rote Couch die jetzt zwei Nächte meine Heimat ist. Draußen tönen sanft Italienische Schnulz-Lieder vom benachbarten Hotelrestaurant hinüber, ich schlafe ein…

Italien  -Region Veneto- (19.09.2014)

Angekommen, erst in Verona, dann in Lazise, 20 km weiter direkt am Gardasee gelegen. Hier fand ich ja Riccardo bei Couchsurfing schon vor drei Wochen, verabredete mich mit ihm und finde somit den Weg in eben diese ganz kleine Stadt, aber hoch kompakten extrem-Touristen Destination, voller Restaurants und überquellend vollen Gassen.
Lazise muss vor 50 Jahren mal ganz anders gewesen sein; eine riesige Burgfestung und eine Stadtmauer die den kleinen Ort noch heute komplett umschließt, waren mal eine sicherlich ganz besondere Sache…. natürlich auch heute, und eben deshalb spricht man eher Deutsch als sonst was in all den Souveniershops und Cafes, Italiener und erst recht das typische “La dolce Vita” sind hier dagegen nur noch entweder als Kellner oder in Simulation, ganz angepasst mit Bild Zeitung und Erdinger Hefeweizen. Dazu eine milde Brise vom Lago di Garda.

Ausgerechnet hier finde ich mein Heim.
Man will ja meinen, die wenigen Einheimischen seien den Übermächtigen Besuchermassen nördlich der Alpen, überdrüssig. Stimmt teils auch, aber Riccardo hat gern Gäste in seiner kleinen Wohnung, lud mich bei sich ein für zwei Tage hier in Lazise am südlichen Gardasee.

Italien  -Region Trentino/Südtirol- (19.09.2014)

Ciao Serena, Ciao Bozen… bis zuletzt begleitet mich Serena bis zum Bahnhof.
Die Fahrt für 12 € nach Verona soll fast zwei Stunden dauern. Also auf gehts…. raus aus den Bergen in ein “neues Land"  -Venetien (Veneto) steht nun auf dem Programm.

(Bild: Ich & Serena am Walther Platz, dessen Brunnen ein Wahrzeichen der Stadt Bozen ist)

Italien  -Region Trentino/Südtirol-  (19.09.2014)

Jaaa, die Schotten haben abgestimmt: Großbrittanien bleibt “Groß”.
Zwar bin ich klar für Volksabstimmungen (in Deutschland komischerweise fast unbekannt) aber war nicht wirklich für die Unabhängigkeit Schottlands; zu sehr würden sich weitere  Verkomplizierungen im Geflecht Europäischer Nationalordungen, verbreiten; ohnehin schon lebt es sich politisch nicht wirklich einfach im Super-Föderalen Einheitswerk dieser vermeintlichen Union Europas. Schottlands Abspaltung von London wäre da zusätzlich ein kritischer Impuls, dessen Wellen eben auch bis hier nach Südtirol schlagen würden.
Ja, dieses vielfältige, kleine Bergland hier oben im Alpinen Norden Italiens, würde sich selbst gern mit dem Österreichischen Tirol nördlich der Grenze vereinen, sich ganz von Rom lossagen und lieber ein Teil Österreichs sein.
Leicht war und ist es hier in den Bergen der Trentino/Südtirol Region nie gewesen, wo noch neben dem Italienisch und Deutsch, auch Ladinisch, Fersentalerisch, oder Zimbrisch gesprochen wird, wenn letztere auch als Minderheit von gerade mal 1000 Sprechern.

Heute, Freitagmorgen, verlasse ich wieder eine spannende Region in der ich noch sooooviel länger bleiben könnte, überlege ob es richtig war, dass Angebot von Serena & Fabrizio mir eine Fahrkahrte zu den Dolomiten zu sponsern, nicht angenommen zu baben. ….Ich bin den beiden überhaupt so dankbar für all ihre Gastfreundlichkeit, das viele gute Essen und ihrer tolle Gesellschaft, und halte mich dann eben zurück.
Die Dolomiten sind ein markantes, spitzes Bergmassiv weiter nördlich, nahe der Grenze zu Österreich. Tage könnte man dort wandernd verbringen…..
Sowas hebe ich mir mal auf, wenn mein Wanderleben durch alle 200 Länder dieser Welt zu Ende geht… dann dürfte ich 65 sein und die Dolomiten stehen sicher noch an ihrem Platz…