Italien -Region Friulia Giulia Venezia- (23.09.2014)
Und da sehe ich sie: Ein echter Hochseebewohner diese “Knollenqualle” hier im tiefen Hafenbecken von Trieste.
Jens auf dem Weg um die Welt
Italien -Region Friulia Giulia Venezia- (23.09.2014)
Und da sehe ich sie: Ein echter Hochseebewohner diese “Knollenqualle” hier im tiefen Hafenbecken von Trieste.
Italien -Region Friulia Giulia Venezia- (23.09.2014)
Trieste ist mit seinen bröckelnden, starken Fassaden, die oft sechs Stockwerke hoch ragen, eher kühl und nüchtern, ja sogar recht beklemmend wirkend. Nur ganz nah am Wasser finde ich Raum und Luft. Der Hafen öffnet die Stadt zum Meer, wenn auch nur in unübersichtlicher Weise; viele Zäune und Mauern sperren die lebendige Stadt ein; zum Meer der gewaltige, nicht öffentliche Industriehafen, zur anderen Seite die steilen Berge.
Deshalb tut die Innenstadt so gut mit ihrem “Canal Grande” so gut. (Bild)
Italien -Region Friulia Giulia Venezia- (22.09.2014)
Das sieht echt stark aus. In Italien gibt’s massenweise solcher Sachen. Kultur an jeder Ecke, so sehr, dass es überfordernt wirkt. Was das hier sein soll, weiß ich jetzt noch nicht, zu viel geht auf mich ein…überall ist sie präsent, die großartige Vergangenheit in diesem großartigen Land.
Italien -Region Friulia Giulia Venezia- (22.09.2014)
Trieste, wenn man so will, Italiens abgelegenste Stadt. Mit 205.000 Einwohnern, die eingefercht in einem Küstenstreifen leben, der als Sackgasse fast umgeben von Slowenien ist.
Natürlich ist es der Hafen wovon die Stadt lebt; zur Römerzeit, bis hin zur Blüte als einzige Hafenstadt Österreich-Ungarns, jeweils für Jahrhunderte. Die Mischung machts, Trieste ist aufgrund seiner Vergangenheit anders in Italien; Baustile wie in Wien sehe ich oft in der Innenstadt, Slavische Einschläge zeigen sich hingegen in der Bevölkerung, die Nähe zum Balkan ist deutlich spürbar.
So auch mein Gastgeber: Gianni, der aus Kroatien stammt, holt mich wie verabredet am Hafen ab und wir fahren nicht weit in die Innenstadt, wo er im zwölften Stock in 40 Metern Höhe bei bester Aussicht wohnt.
Mein Panorama-Couchsurfing Fenster lässt mich vor Staunen kaum schlafen. Die Lichter der Stadt strahlen und nach einigen Gläsern Brunello finde ich doch den Weg in Reich der Träume….
Italien -Region Friaul Julisch Venetien- (22.09.2014)
Juhuuuu, endlich sehe ich das Meer….
Schon so lang in Italien unterwegs und immer noch nicht am Meer gewesen. Na, so kennt man das ja hier, als alter Urlauber vom Mittelmeer.
Erinnerungen kommen auf: Ich war 10, 11, und 13 als meine damals selbst noch so jungen Eltern mit uns Geschwister (mein vier Jahre jüngerer Bruder) im vollgepackten Auto zum Zelten in den Süden fuhren…. ab ging die Post, Musik lief, Mama hat die Karte in der Hand und Papa am Gaspedal… herrlich diese Zeit damals.
Lang war die Fahrt bis in die Alpen, dann darüber. Papa machte immer gern Umwege über verschlungene Pässe, und nach langer Tour war er dann almählich zu sehen: Der Süden.
Blauer noch der Himmel, flach das Land und Namen wie Tomezzo oder Monfalcone waren für uns reine Exotic.
Jaja, bei Monfalcone, da wurd’s dann ganz dramatisch: Wer sieht zuerst das blaue Meer….?
Und dann kam es dann, ein Schimmer am Horizont… wir sind im URLAUB 🙂
Und so sitze ich jetzt wieder hier, gucke ganz nah am zerkratzen Fenster der tosenden Regionalbahn und sehe es; genau beim Hafenort Monfalcone wieder, das Meer, schimmernd im Sonnenschein, wie damals.
Nur fehlen sie jetzt, meine Lieben.
Auch Trieste, das Papa einst immer mühevoll umfahren musste, um nach Kroatien (damals noch Jugoslavien) zu kommen, erreiche ich jetzt. Endlich bin ich mal in Trieste, da wo wir immer vorbeifuhren.
Auf einer Hafenmole finde ich schnell die Nähe zum ersehnten Meer. Es ist ganz so wie ich es wollte; der Hafen riecht so nach Meer…. das Salz in der Luft, etwas Muffig das Ganze…Möven….
Hach, wenn doch nur jetzt meine Eltern hier wären….
Italien -Region Friaul Julisch Venetien- (22.09.2014)
Weiter übers flache Land rattert der Zug nun in Richtung Trieste, dem hintersten Ziel im hintersten Zipfel nord-ost Italiens. Auch die Region ist wieder eine andere: Der Friaul, eine kleine historisch aber spannende Gegend liegt ganz in Randlage angrenzend an Slowenien und Österreich. Früher gehörte das Land lange Zeit dem Venezianischen Reich an, während die Stadt Trieste der einzige Hafen von Österreich-Ungarn, einige Jarhunderte lang war.
Weinbau und intensive Ackernutzung sehe ich hier, aber wegen des klaren Wetters auch die Alpen, ca 60 km weiter nördlich, die hier schon wesentlich kleiner ausfallen als letztlich in Schweizer Gefilde. Doch der Anbilck bannt und ich hoffe das Wetter hält sich jetzt mal länger so…
Wobei auch der Friaul nur 1,2 Millionen Einwohner hat, merkt man der Gegend eine starke Identität an; 60% sprechen Friaulisch, entweder ein starker Italienischer Dialekt, oder gar eine eigene Sprache. Autonomiebestrebungen hat es aber hier nie gegeben, im Friaul war und ist es immer schon normal, vielfältig zu sein; Slawisch, Deutsch und eben die Italienische Kultur haben hier mehr oder weniger ihren Platz.
Besonders in der Haupstadt soll das ganz deutlich sein…. der Zug rollt durch’s kleine Land und ich bin gespannt auf Trieste…
Italien -Region Veneto- (22.09.2014)
Dem einen ein Groll, mir ein Zuhause. Zumindest für eine Nacht im Zelt.
Die alte Fabrikhalle am Bahnhof von Portogruaro bot mir Unterschlupf, da mein Gastgeber mich versetzt hatte.
Italien -Region Veneto- (21.09.2014)
Irgendwann kommt dann doch ein Zug. Die mittlerweile unzähligen Leute auf dem Bahnsteig jubeln und es geht weiter, – mit erheblicher Verspätung, selbst für mich.
Mein Gastgeber hat mir zwar seine Handynummer gegeben, doch die scheint nicht zu gehen; ich sende ihm eine sms und rufe letztendlich an. Georg gab mir mal eine Telefonkarte, eigentlich nur für Notfälle, doch jetzt muss ich unbedingt Mister Unbekannt in Portogruaro anrufen und ihm erzählen, dass ich später ankomme als die angekündigten 18:00 Uhr.
Doch Mister Unbekannt bleibt stumm, die Nummer funktioniert nicht und er meldet sich einfach nicht….naja, vielleicht steht er ja am Gleis und wartet, wie damals Giacomo in Riva de Garda…..
Endlich angekommen, fühle ich mich bestellt und nicht abgeholt; ich schaue umher doch keiner da der mich erwartet.
Mein Blick geht ins Leere, bleibt aber an einer riesigen, alten, völlig verfallenden Industriehalle aus Mouselinis Zeiten hängen. Diese Frühindustrielle Ruine dürfte jedem nur Furcht einflößen, mir aber eher im Gegenteil: Irgendwo muss es doch möglich sein den Zaun zu überinden und hinein in dieses unheimliche Monstrum zu gelangen.
Ich stopfe mich erstmal mit einer Pizza Napoletana voll, frage dennoch den Pizzaioli nach einer Übernachtungsmöglichkeit, oder eben nach Internet (die letzte Chance meinen abtrünnigen Gastgeber auch so zu erreichen) -alles ohne Erfolg, und schlage mich ins Innere der verfallenden Hallen…. vorbei an die örtliche Polizei…
Ganz am Rande der vom Bahnhof abgeneigten Seite, baue ich mein Zelt auf der Betonplatte auf, schlafe wunderbar… bis mitten in der Nacht ein Unwetter die Sache nahezu Filmreif macht; Donnergroll, tosende Windböhen und Starkregen, dazu ein Blitzgewitter wie bei einer Modeschau machen die Gewölbe zu einer Kulisse wie sie wohl selbst die Arena in Verona nicht schafft…. diesmal nur für mich ganz allein, ohne weitere 22.000 Zuschauer erlebe ich eine Show der Extraklasse….völlig kostenlos, nur für mich…
Geschichten die nur das Wanderleben schreiben….
Italien -Region Veneto- (21.09.2014)
Die anscheinend kurze Reise soll ihre Überraschungen bereithalten: In Italien wird mal wieder gestreikt, wenige Züge fahren und alles ist nur noch wie im tiefsten Afrika… zudem ist heute Sonntag und kaum irgendwas ist offen, kaum Busse die als Ersatz in Frage kämen…. und trampen geht in diesem Land auch fast garnicht….
So finden sich auf den Bahnsteigen der Verzweifelten so manch Schiksalsgemeinschaften, die sich zusammentun und gemeinsam stark sind. In Afrika und Italien muss das schon manchmal sein, sonst endet man eventuell als Knochengerippe am Straßenrand oder sonstwo….
(Bild: Freunde des Momentes, zwei junge Leute aus Portogruaro und ein Inder, -der mich auch noch auf zwei große Biere einlud. Wir verbinden uns auf Facebook mit der Absicht, mich hier und da in Italien bei ihren Bekannten einzuquatieren… ich bin mal gespannt was kommt)
Italien -Region Veneto- (21.09.2014)
CIAO LAGO DI GARDA…. Ciao Riccardo, und Lazise.
Gut ausgeschlafen auf Riccardos Couch und nun heute ganz früh als erster auf der Promenade von Lazise, bereite ich mich auf den Tag vor. Ein Brötchen und etwas Schokolade sollen genügen, die Aussicht hier auf der einsamen Bank morgens um 7:30 ist wunderbar. Lediglich eine dicke Tante mit ihrem Fuffu auf Gassi, schaut mich etwas komisch an…. Backpacker sind echt selten hier im Rentnerparadies Lazise am Gardasee.
Doch ich habe Zeit und der Bus nach Verona kommt erst in anderthalb Stunden….
Heute geht die Reise weiter nach Osten in Richtung Trieste. Doch zuvor halte ich noch in Portogrurao, einer Kleinstadt am anderen Ende der Region Veneto, wo ich heute eingeladen bin.