Spanien / Valencia

Weiter geht es jetzt nach Süden.  Ganz luxuriös kaufe ich mir ein Bustiket nach Valencia, schließlich möchte ich jetzt erstmal einen großen Schritt auf der Landkarte machen.
Leisten kann ich mir das eigentlich nicht; lediglich 150 Euro beträgt mein Gesamtvermögen und die schon deftigen 28 Euro (eigentlich ja nicht wirklich teuer für 300 Km ) sind noch nicht genug: Mein Wanderwagen, so entscheidet der schlechtgelaunte Busfahrer, geht jetzt mal als “Bici” durch, was so viel wie Fahrrad heißt.
Protest ist jetzt fehl am Platz, Eine Mädchenklasse mit einem wahren Gebirge an Koffern stresst den armen Mann so sehr, dass er nur noch schimpfend weitere 18 Euro für mein “Fahrrad” verlangt, der Laderaum des Busses gerät an seine Grenzen,  mittendrin der liebe Wanderwagen und oben ich, inmitten kreischender Teenis im Facebookfiber, samt jedweder erdenklicher Variante telekommunikativer Möglichkeiten.
Auf dem langen Weg nach Valencia schaffte ich es insgesamt über 30 verschiedene Klingeltöne zu identifizieren.  Unfreiwillig.

In Valencia bin ich verabredet mit Benito, der mich über Couchsurfing einlud. Inklusive Abholservice bringt mich der freundliche Valencianer zu seiner großen Wohnung im fünf Kilometer entfernten Vorort Alaquas.
Dort werde ich schon von Taika empfangen,  Taika, was Finnisch ist und soviel wie “Magic” bedeutet.
“Magic” aber bellt wie vom Affen gebissen den Gast ihres Herrchens an, beruhigt sich nur langsam, da eigentlich Hunde nie aggressiv auf mich reagieren.  Es ist spät und ich stoße meinem Gastgeber ein bisschen vor dem Kopf mit dem Wunsch um 10:30 ins Bett zu wollen.
Jaja, schließlich sind wir hier im Land der Nachtschwärmer schlechthin; Spanier neigen von ihrer Natur aus schon weit nach Mitternacht zu schlafen.  Wohlgemerkt innerhalb der Woche. An den Wochenenden ist die Katastrophe perfekt;  vor fünf Uhr morgens ist es nahezu schon Uncool in die Haia zu gehen….

Jetzt bin ich schon drei Tage hier bei Benito in Valencia, habe auch Sergio kennengelernt,  einem rundlichen Rastamann in meinem Alter und Benitos bester Freund, der natürlich auch lebendgern kochen mag.
So komme ich in die Gelegenheit die spanische Küche der Region zu entdecken: Salziges Schweinekottlett, Patatas (selbstgemachte Pommes) mit Knoblauch und Zwiebeln und dazu diese riesigen (nicht scharfen) Pfefferschoten aus dem Garten von Benitos Papa…. lecker, lecker…

Gleich ziehe ich wieder durch die Stadt,  Valencia ist Spaniens drittgrößte Stadt und hier tobt der Verkehr gewaltig,  doch die “Avenidas” sind breit, Palmen und Magnolien überall,  es ist ein wahrer Genuss hier stundenlang durch die Stadt zu schlendern.
Die Kehrseite: Ich darf nur fünf Euro pro Tag ausgeben,  da mein Budget mittlerweile sehr begrenzt ist. So sättige ich mich mit großen Mengen Brot, den einfachen Baguette vom Supermarkt für 70 Cent das Stück,  kaufe für ca 1, 50 Euro Obst, was hier wirklich billig ist, und leiste mir dazu einen der Fertigsalate, oft mit Nudeln, Tunfisch, oder schwerer Mayonnaise um etwas Geschmack zu spüren.
Auch Aufschnitt wie Billigsalami hilft dabei, über den Tag zu kommen.
So laufe ich mit meinem Baguette in der Hand durch die Sonnigen Avenidas, rieche immer den Duft frisch gebratener Köstlichkeiten aus den vielen Lokalen und Restaurants und sehe die frisch gezapften Biere der Touristen auf den Tischen wie sie in der Sonne glänzen.

Dafür bin ich jetzt aber hier und erlebe diese Stadt ganz untouristisch; spaziere, ja wandere stundenlang, ziehe viele Kilometer den Strand entlang, spare mir somit den Bus, komme aber auch deshalb gut in Wallung, bewege mich viel und besorge mir kostenlos frisches Leitungswasser aus den Lokalen vor Ort.
Wasser ist immer umsonst, mit einer Plastikflasche ausgestattet,  verdurste ich hier nie.

Aber solange ich hier in dieser Region bin, muss ich unbedingt noch das absolute Nationalgericht verköstigen: Die Paella, das bekannte Reisgericht ist hier in Valencia Zuhause.
Vor der Stadt liegen die einzigen echten Reisanbaugebiete Europas. Zudem ist das in Spanien ohnehin seltene Flachland eine Besonderheit; Zitrusfrüchte und alles was schmeckt wächst hier im Überfluss.

Ich schaue rüber aufs blaue Meer, gleich gegenüber hinter dem Horizont liegt Mallorca.
So weit bin ich schon, so sonnig warm ist es hier…

Ich “Scype” mit meiner Mama in Deutschland,  erfahre wie grau und kalt es dort ist…
Ja, ich vermisse mein Zuhause,  vermisse meinen Freund Edmond, doch lieber bin ich jetzt hier…
Ich glaube ich gehe jetzt schwimmen….

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