Eine ganze Millionenstadt, nur ohne Bewohner.
Wo gibt es sowas?
Hier an der Costa Blanca, eines der touristischsten Gegenden dieser Welt, konzentrieren sich die internationalen Ströme in den Ort Benidorm, einer nahezu kompletten Hotelstadt, Riesengroß und garantiert ein Kulturfreies Erlebnis.
Ähnlich wie heute in China ganze Retortenstädte innerhalb weniger Jahre emporwachsen, wurde auch Benidorm, einst ein Fischerdorf zur Metropole gemacht. Das war in den Sechzigern als die ersten Mitteleuropär auf der Flucht vor dem nasskalten Winter hierher kamen.
Mittlerweile aber waren und sind es so viele, dass gewaltige Wolkenkratzer die Sonnesuchenden Massen aufnehmen müssen, bis uber 180 Meter ragen sie in den blauen Himmel, die Straßen gleichen Schluchten, in denen sich ein Souvenirladen an den nächsten reit. Bierkneipen, Restaurants und bunte, düdelnde Spielhallen Kilometerweit, besoffene Engländer (die Deutschen sind auf Mallorca) sowie der alltägliche Fressrausch, der vielen hier in ihrer physischen Opulenz, eher rot im Gesicht des Cholesterins wegen, als von der Sonne, sind hier auf Schritt und Tritt zu bewundern.
Naja, zwei, drei Tage würde ich es ja schon aushalten hier, aber länger würde es meine Leber sowie der gesamte Verdauungstrakt nicht schaffen; die täglich Maximierung der möglichen Kalorienzahl, sowie Hektoliterweise Bier (ein Pint für 1 Euro) ist eigentlich die einzige Beschäftigung die hier so möglich ist, abgesehen vom Strand wo die Völlerei beim Dösen und Softeis-Naschen eine Unterbrechung findet.
Uff, was für ein Fest hier, was für eine “Homage an den Hedonismus”, …. oder in anderen Worten: “Welch ein großes Fressen”.
Benidorm schafft in den Sommermonaten gut 1 Million Gäste aufzunehmen, lediglich 100.000 Einwohner leben hier, ausschließlich Servicekräfte die den Tourismus aufrechterhalten, dem einzigen Wirtschaftsfaktor hierzulande; Industrie gibt es hier keine, oder nur wenig, Zement hatte Konjunktur, da noch bis 2007 hier ein Bauboom sondergleichen stattfand, Benidorm sollte noch größer werden, nicht genug waren den Unternehmern die ohnehin gewaltigen Menschenmassen in Schlapphüten und Sonnenbrand. Noch einige Kilometer vor und hinter Benidorm liegen ganze Straßenzüge brach, ohne Bebauung, wild, teils vermüllt und schon komisch. Die Wirtschaftskrise zwang den ewigen Expansionswahn in die Knie. Aber hier fühle aber ich mich wieder wohler, da es viel Platz für das Zelt gibt, und es ist so schön ruhig….
Wie eine Fata Morgana liegt nun dieses Benidorm hinter mir, ich ziehe durch trockene Steppenlandschaften und bin schon froh diesen wenig freundlichen Ort zu verlassen.