Mitten in der Altstadt von Barcelona finde ich heute nun mein Heim bei Vittro, der hier in seiner recht großen Wohnung gleich mehrere Gäste beherbergt. Ich aber passe irgendwie dazwischen, lege meine Luftmatratze auf die kaputten Fliesen seines Schlafzimmerbodens, ganz so wie ich es mir im Zelt gemütlich mache.
Vittro ist heute Abend allerdings ausgegangen, mit einer russischen Freundin, während ich mit einem Kanadier in der Wohnung verweile, meine Internetaufgaben verrichte ( Blog schreiben, Gastgeberprofile finden, Facebook gucken…) und den Lärm der vielen Menschen der Joaquim Costa bei weit offenen Fenster genieße.
Ein mediterran, feiner Wind weht durch den mild belichteten Raum, heute waren es sagenhafte 27 Grad. Viel zu warm für diese Zeit heute Ende Oktober.
Katalonien ist ein Teil von Spanien, zumindest offiziell. Wie das Baskenland, was weit im Norden liegt, strebt auch diese Region nach Unabhängigkeit, häufig sieht man an den Balkonen der hohen Wohnhäuser in der Altstadt, die gelbrot Getreiften Flaggen von “Catalunya” hängen, wie das Land hier genannt wird, um zu demonstrieren dass man wenig davon hält ein Teil Spaniens zu sein.
Ich erinnere mich noch gut an letztes Jahr, wo im Baskenland längs des Jakobsweges auch diese Beflaggung an den Fenstern demonstrierte, wie sehr diese Regionen ihre Autonomie verlangen.
In Katalonien unterscheidet sich die Sprache auch so sehr vom Spanischen, dass das Katalonische sogar als völlig eigene Sprache gilt; ganz ähnlich wie das Holländische gegenüber dem Deutschen.
Auch die Metropolen liegen miteinander seit Ewigkeiten im Wettstreit: Barcelona gegen Madrid, Katalonien gegen Spanien. So schaffte es die Katalonische Landesregierung tatsächlich sogar, vor kurzem den allseits beliebten Stierkampf zu verbieten.
Eigentlich selbst hier ganz gern besucht, aber dennoch zu sehr was Ureigenes vom alten Kolonialisten aus Madrid, also was sehr, sehr Spanisches, reicht dieses Argument um jeglichen Protest der Katalanen gegen das Verbot im Keim zu ersticken.
Auch ich befürworte so ein Gesetz, allerdings kaum aus politischen, sondern vielmehr aus ethischen Gründen.
Barcelona, die stolze Hauptstadt Kataloniens ist wahrlich gewaltig: Ein riesiges Häusermeer zieht sich 25 Kilometer an der Mittelmeerküste entlang, dahinter Berge an denen die Stadt hinauf zu klettern scheint.
Hier bin ich jetzt und habe es geschafft zwei Gastgeber zu finden, zwei Menschen aus Barcelona die mich in ihre Wohnung lassen und einen Einblick in ihr Leben erlauben jenseits aller touristischen Kulissen….