Marseille, die große Stadt in Frankreich am Mittelmeer. Da binn ich jetzt bei Henry, der mich heute den ganzen Tag durch seine Heimatstadt führte, so wie hier zur Basilika Notre Dame, hoch oben auf einem Berg der die Stadt 200 Meter überragt. Hier oben sehe ich ganz Marseille, diese große, große Stadt, die allerdings immernoch nicht eine “Metropole” ist, da sie mit momentan 910.000 Einwohner noch unter der Millionengrenze liegt, einer wichtigen Voraussetzung um Metropole zu sein.
Allerdings ist Marseille wirklich anders; mir über 40% Ausländeranteil und sagenhaften 90% (!) Einwohnern mit irgendeinem Migrationshintergrund, ist diese Stadt die wohl mit Abstand unfranzösischste Ortschaft im Lande… zumindest haben mir das so die Franzosen erzählt, die übrigens Marseille zur unbeliebesten Urbanität Frankreichs anführen.
Der Grund ist wohl die höchste Kriminalitätsrate und ein mit der extremen Algerisch – Arabischen Präsenz verbundenes Stadtbild voller schrulliger Straßen mit Müll und vor allem nachts umherlungernen Jugendlichen die nichts anderes als Ärger im Sinne haben, – sagt man mir wohlbekannt im ganzen Land…
Tatsächlich habe ich in Europa noch nie eine Stadt gesehen mit solch einer starken Arabischen – und Berberischen Bevölkerung. Seit 1962, dem Jahr der Algerischen Unabhängigkeit, kam es zu gewaltigen Einwanderungsschüben, da viele dem Französischem Mutterland loyalen Algeriern, in den nächstgelegen Hafen nach Frankreich emigrierten, und der war und ist Marseille.
Heute leben mindestens 250.000 Algerier in der Stadt, dazu noch zehntausende Afrikaner, Tunesier und Marokkaner, die Marseille mehr in eine Nordafrikanische Kolonie verwandeln, als es je die große Kolonialmacht Frankreich in Agrika je vermocht hatte…
Der Vorteil: Ich kann hier echt gut und günstig Essen; Couscos mit Lamm und unglaublich leckeren Gemüse für so wenig Geld, wie man es vom unverschämt teuren Frankreich garnicht kennt.
Zudem ist Marseille trotz seiner Größe im Innenstadtbereich recht überschaubar; mit einer recht unspektakulären Altstadt, die ja von den Deutschen während des Zweiten Weltkrieges größtenteils vernichtet wurde (und dies als Kriegsverbrechen noch heute nie aufgearbeitet wurde…) gibt es eigentlich kaum wirklich markante Wahrzeichen. Vielleicht die Basilika Notre Dame ajf diesem kleinen Berg neben der Innenstadt mag ein Hingucker sein, besonders Nachts wen diese so schön leuchtet.
Auch der alte Hafen, oder die großen aber eben nicht sonderlich betörenden Boulevards, (die nie mit dem Pariser Champs Elisees mithalten könnten) lassen mich staunen.
Marseille ist eben mittelmäßig, eben nicht überfordernt. Und so ist es eben mein Gastgeber Henry der mich Marseille unvergessen werden läßt; er lädt mich in seine Innenstadtwohnung ein und so bin ich wieder so authentisch ein Teil dieser Stadt, bei einem Menschen der Marseille ist….
