… Ist es jetzt hier in Nizza, der mondänen Großstadt im Epizentrum der Glitzerklischees längs dieser Cote Azur, der “blauen Küste”, die als absolute Schokoladenseite des überhaupt mondänen Frankreichs gillt; und wirklich, schon seit 1830 kommen hier Touristen her, also neben dem Irischen Kerry, eine der ersten Fremdenverkehrsorte überhaupt.
Damals war alles noch unberührt, und nur Fischer sowie Bauern waren die einzigen Siedler an dieser lieblichen Küste.
Doch schon bald hat auch das ganz große Kapital seinen Einzug gehalten; zuerst aus dem über 800 Kilometer entfernten Paris kamen sie, dan aus der ganzen Welt; Reiche aus Italien, Deutschland, England, Russland und wo sie alle herkommen vermasseln mit ihren Reichtum jegliche Verhältnisse; sorgen für Inflation sodass ich für ein halben Liter Bier vom Fass hier acht Euro hinlegen muss. (Was ich natürlich nicht tun werde)
Doch ich bin jetzt hier, and diesem Platz wo auch eben Platz für mich ist; dort die Reichen, da die Superreichen und hier mein Campingplatz, irgendwo im undefinierten Siedlungswust zwischen Cannes und Nizza. Für 13 Euro Zelten geht ja noch.
Der Zug von Marseille nach Cannes fuhr gemütlich durch eine wirklich liebliche Landschaft, setzte mich im berühmten Cannes ab, wo ich dann zu Fuß hinauszog, mal die Promenade mit diesem gewaltigen Kinokomplex für diese jährlichen Filmfestspiele gesehen haben, und weiter an Grand Hotels vorbei über Antibes in Richtung Nizza, was 30 Kilometer weiter liegt.
Mir war schon klar dass ich hier nicht einfach wild Campen kann, wie es ansonsten immer der Fall war, da eigentlich das Gebiet zwischen Cannes und Nizza geradezu komplett städtisch ist; dermaßen extrem zersiedelt kann ich mir eigentlich nicht wirklich vorstellen was all die Touristen und Residenten hier so toll finden und entsetzlich viel Geld dafür hinblättern, dafür in einem fast Naturfreien Raum bestehend aus Hotels, Parkplätzen oder irgendwelchen Gebäuden und Gärten hinter hohen Zäunen zu leben. Nirgend ruht das Auge mal im Anblick freien Landes in seiner Ursprünglichkeit, nirgends ist Natur, ja selbst der Strand ist offensichtlich aufgeschüttet, glattgekehrt…
Autos, Autos und nochmals Autos schieben sich pausenlos über verschlungene, suburbane Asphaltlabarynthe, ich versuche ja mal ein Foto zu schaffen wo mal keine geparkten knallbunten Karossen zu sehen sind. Keine Chance, hier ist jeder Meter für die Supermobile Individualgesellschaft ausgereitzt, ich schaue entweder aufs Meer oder in die weit entfernten, schneebedeckten Alpen am Horizont, zwischendurch in die Weite um der übervollen Materialschlacht wenigstens für einen Augenblick zu entgehen.
Soviel zur Perspektive eines Fußgängers, unterwegs an der Cote Azur.
Angekommen in Nizza dann, entdecke ich eine völlig andere Stadt als noch Marseille, hier in der zweitgrößten Ortschaft der Region Provence Alpes, Cote Azur, ist alles viel, viel mondäner, viel ruhiger und vor allem -vom Gefühl her, sicherer.
Ich trage wieder den Rucksack am Rücken, ohne Panik gleich diesen geleert zu kriegen. Auf der riesenlangen Promenade ziehe ich sehr viel gelassener meine Runden als noch im aufgeregten, recht bedrohlichen Marseille.
Nizza (französisch: Nice) ist nun mein Zuhause für zwei Tage.