Italien -Region Sizilien-  Monreale (29.12.2014)

Wie ein Tronsaal voller Gold und Pomp erstrahlt die Halle der Basilica in Monreale, die mit einem übergroßen Portait ihres Chefs ihr Finale findet; ein gewaltiger Jesus umgeben von goldenen Glanz und nahezu allen biblischen Gestalten in Bildform.
Überhaupt findet sich hier offenbar genug Platz für die gesamte Erzählung des alten Testamentes in Bildform; über 850 Jahre alt, vielfarbig ja bunt wirken die teils als Mosaik verarbeiteten Bildnisse immernoch lebendig, kaum Patina angesetzt, als sei alles erst kürzlich fertig geworden. Und bei all der Kompaktheit, wirkt die Szenerie nicht überladen; dermaßen perfekt in Balance, stehen die Handlungen in einer nicht überfordernden Kontinuität dem Betrachter gegenüber,  – vorrausgesetzt dieser lässt sich die nötige Zeit.

Wieder begeistere ich mich als Atheist für solch Pracht. Lediglich als kulturelles Erbe meiner Spezies, als historisches Juwel einer großen Epoche, unbeschadet und weit unverfälscht die Jarhunderte überdauernd…. Kirche sowie Kreuzgang (letzterer mit satten sechs Euro Eintritt völlig überteuert) sind kaum verändert worden, lediglich eine Seitenkapelle fiel der barocken Herrlichkeit zum Opfer, wenn auch mal garnicht soooo unpassend, da gegen solch eine normannisch goldene Perfektion, sowieso keine überladene Schnörkelei ankommt ….

Fünf Kilometer weiter Stadteinwärts, durch ein Verkehrskollaps afrikanischer Außmaße, kommen wir dann doch noch an. Die Kapuzinergruft will ich auch noch unbedingt sehen: Hier gibt es wirklich hunderte echte Mumien, ja offen daliegende Tote, die komplett ausgetrocknet noch nicht einmal irgendein Geruch verströmen. ….Sollte man annehmen, aber in den Katakomben dürfte die Luft komischerweise frischer sein als draußen im tosenden Straßenverkehr Palermos. Mittlerweile als Touristenattraktion mutiert, kann ich über tausend teils skelletierte, öfter aber mumifizierte Leichen bewundern, die irgendwie aufgrund ihrer Offenheit (man könne sie anfassen…) und zur-schau-stellung, recht unreal wirken. Mit weit offenen Mund, lochartigen Augen und schwarzer, papierartig faltiger Haut, lugen mir Gesichter längst vergangener Zeiten entgegen….  wobei erst vor über 500 Jahren die Mönche sich selbst, und dem Kloster nahestehende hier offen bestatten (nachdem sie allerdings einer längeren “Trockenzeit” ausgesetzt waren) wähne ich mich hier umgeben 10.000 jähriger Unheimlichkeit. Gemischt sind die Gefühlswelten des Besuchers garantiert, genauso wie die Moral des Hauses: Ein striktes Fotoverbot wegen der ehrenwerten Totenruhe stehen nicht wenige Postkarten gegenüber auf denen gruselig die ausgetrokneten Gesichter abgebildet, als tolles Souvenir zum Verkauf stehen. – Soviel mal zur Totenruhe, und Georg war es letztlich, der mich davon abhält mal heimlich ein diskretes Foto zu machen …..

Man muss ja nicht immer und überall alles knipsen, oder ?

(Siehe einfach bei Wikpedia unter: Kapuzienergruft Palermo)

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