England / Coventry

Etwas benommen beobachte ich vom Bus aus die Stadt Coventry,  die im Vergleich ziemlich schrullig daherkommt;  überall alte, braune Ziegelhäuser, Pakistaner und Araber prägen mit ihren bunten, unsortiert aussehenden Geschäften die ganze Straße hinein in die Stadt. Dort im Zentrum erinnert mich die Umgebung an meine alte Heimat,  dem Ruhrgebiet.
Wie in Gelsenkirchen finde ich eine ganze Innenstadt im Baustiel der sechziger Jahre vor, nur das hier etwas mehr Müll rumliegt. Besoffene Polen pöbeln nebenan…

Aber ich fühle mich nicht unwohl hier, da in so einer Stadt sicherlich die Zimmer günstig sind. Wer will schon hierher ins Hotel, denke ich.
Doch logischerweise gibt es erstmal kaum Unterkünfte, lediglich ein Hotel für mindestens 80 Pfund fürs Zimmer, finde ich entkräftet vor. Ausgebucht. Und das über viele Tage.
Fast schon kriechend klappere ich zwei weitere Adressen, die ich zuvor im Internet fand, ab. Ohne Erfolg,  das ABC Motel existiert wohl nicht mehr, genauso wenig eine weitere Adresse für Studenten,  wo auch reguläre Personen eintritt haben… lediglich verwaloste Hauseingänge, voller Zeitungspapier und Ketten an den Türgriffen, zeigen mir das dieser Tag zu einem völligen Desaster wird.
Nur mit unmenschlichen Mühen, treibe ich meinen ausgemergelten Leib zum anderen Ende der Innenstadt um eine letzte Adresse zu überprüfen.
Das Hyden Hotel existiert zumindest, ist aber trotz seiner 85 Pfund (100 Euro) teuren Zimmer auf Wochen ausgebucht, sagt mir ein wölfisch aussehender Inder an der Rezeption.
Ich stehe kurz vorm Kollaps.
Flehe den Mann an mir irgendwie zu helfen, eine Adresse zu finden wo ich heute Nacht  nur schlafen kann…

Und siehe da, wieder am anderen Ende der Stadt, diesmal aber einige Kilometer gibt es sogar ein Zimmer für 39 Pfund.
Das Taxi dorthin würde 10 Pound kosten, also  insgesamt immernoch billiger als hier.

…. Eine ganze halbe Stunde dauert aber das Prozedere, zwischendurch immer wieder verzögert wegen Hotelgäste die meinen Helfer blockieren.
Aufeinmal aber sagt man mir, das Zimmer koste jetzt 59 Pfund. Ich willige ein, sage noch, eh keine Wahl zu haben.
Dann ruft er endlich das Taxi, ich frage nach dem endgültigen Gesamtpreis,  bekomme einen Wust von Antworten,  erzählt was von drei gebuchten Nächten…
Dem Umfallen nah, frage ich nochmals warum die Zimmerpreise immer höher werden,  warum aufeinmal drei Nächte ?

Ich flüchte.

Schnellen Schrittes sprinte ich in den gegenüberliegen, dunklen Park, laufe wie ein aufgescheuchtes Huhn zwischen Bäumen und gepflegten Rasen umher… mir ist klar geworden, dass der schmierige Typ an der Rezeption meine Not eiskalt ausnutzen wollte, um für seine “edle Zimmermann” eine satte Provition einzustreichen. Sein Spiel über die Zeit war zu eindeutig, und ganz zufällig der andere Gesprächspartner ebenfalls Inder; beide sprachen in Hindi und verhandelten den Wucherpreis für mich.

Ich kann nu  wirklich nicht mehr. Wollte ja sogar bezahlen,  aber selbst sowas funktioniert hier nicht wirklich.
Somit lande ich nun zum ersten man “auf der Straße”, lege mich neben einer Hecke auf den Rasen und versuche endlich, endlich zu schlafen….

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