England / Birmingham

Heute an diesem Mittwoch, verlasse ich nun Birmingham,  zwar erst gegen Nachmittag nach Manchester, aber schaue auf echt spannende Tage zurück.
Ich danke John dafür,  daß er mir seinen Arbeitsplatz,  die Uni-Birmingham zeigte;  wohl die tollste Uni die ich jemals sah: vor hundert Jahren größtenteils errichtet und immer zeitgemäß ergänzt,  fand ich eines der großartigsten Ensembles europäischer Baugeschichte vor; Viktorianische, sowie italienische Elemente,  wie der grandiose, florentinische Urturm in der Mitte, machen einfach Spaß hier umherzuschauen. Wenn da nicht dieses permanent diesige Waschküchenwetter wäre,  was einen klaren Blick verhindert…
Bin ja nunmal in  England.
Jaja, England, wo alle hin wollen…. Schon im Hostel stellte ich fest, dass dort gut 90% der Gäste,  Studenten auf Wohnungs oder Jobsuche sind, während ich ja schon Aufsehen erregte als einziger “Traveler” mit meinem großen,  bunten Rucksack.
Überhaupt werden die billigen Hostels neuerdings fast vollständig in den großen Städten von Studenten belegt, und das nahezu dauerhaft; heute scheint es irgendwie schon zwingend vorgeschrieben zu sein, ständig an wechselnden Orten (Unis) zu studieren,  mit der Folge ständig umherrrennende, nie wirklich sesshafte Studenten in all den Metropolen der Welt zu finden.
Während ich in meinen Landkarten stöberte,  meine Schnupfnase kurierte, wuselten sie um mich herum im Hostel, die ständig gehetzten Studenten, ständig auf der Suche nach einem noch billigeren Zimmer, den günstigsten Handytarifen, den nächsten Job, und irgendwie dazwischen noch ein Billigtiket nach Australien schnell,  um dort noch eventuell ein Stipendium zu ergattern…. leit mir die Bank noch das Geld? Fragt sich so mancher in der Schar hypermobilisierter Gejagter, die dem Wahn immer bessserer Lebensläufe und internationalen Zeugnissen hinterherrennen.

Was für eine Welt, alles vermischt sich mit allem, Nottingham ist voller Chinesen, Pakistaner und Afrikaner überfluten Birmingham,  Studenten überall,  aber nur nie Zuhause. Die Saudis schicken ihre überforderten Söhne auf die schicke Universität nach England,  wo sie die dreifache Studiengebühr von gut 9000 Pfund je Semester berappen.
Ja wie macht ihr denn das alles, fragte ich eine Studentin im Hostel; viel höhere Mieten als in Deutschland,  höhere Studiengebühren, höhere Lebenshaltungskosten,  aber keine höheren Durchschnittslöhne…
Sie versucht zu antworten,  liest noch hastig eine sms und sagt: Ich weiß es nicht,  ich weiß nicht wie es zu schaffen ist.
Aber bisher hat es einfach irgendwie funktioniert.

Ich packte meinen Rucksack und zog wieder los ins Wanderleben.

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