Nein, ganz gewiss nicht… wieder online, mittlerweile im vierten Cafe, weil alle vorher kein Wi-Fi haben, vereinbare ich einen Job auf Gran Canaria, koordiniere einen Schlafplatz im Ort A, verändere die Planung deswegen im Ort B, wofür ich aber unbedingt noch eine “Couch” brauche, bewerbe mich bei Couchsurfing nochmals und vertüddel so mal locker wieder zwei, drei Stunden vor dem Tablett-PC….
Scypen mit Mama fällt somit erstmal aus, muss noch was zum Essen finden und laufe längs der Straße durch mehrere Restaurants um dort nach kostenlosem Essen aus der Küche zu fragen, die geben manchmal was für meine Butterbrotdosen.
Ich bin verabredet, suche aber den Bus in die nächste Stadt, warte dann anderthalb Stunden auf einem Müllplatzähnlichen Vorhof auf den Bus der mich in den nächsten Ort, 30 Kilometer weiter bringt.
Abends treffe ich den Gastgeber, bleibe lange wach und schlafe wenig anschließend. Am nächsten Tag bettele ich wieder online um weitere Übernachtungsmöglichkeiten in noch weit entfernten Städten meiner Tour, zelten dort geht ja nicht…
Ich plane die nächsten Tage und Wochen im voraus, nur so komme ich durch und das Risiko mal auf der Straße über Nacht zu landen, verringert sich somit deutlich.
Jajaja, zum Glück zelte ich wenns wieder außerhalb der Stadt geht, doch oh Schreck: mein Essensvorrat ist leer, und vor mir nahe dem Dorf eine hervorragende Stelle zu zelten…. nix da, ich muss weiter, oft am Abend noch weil den ganzen Tag keine Einkaufsmöglichkeit zu sehen war…. erst zwei Stunden später erreiche ich einen Tante Emma-Laden, decke mich ein, finde aber dann wieder keinen Platz zum schlafen, ich laufe und laufe, wieder werden die Schatten lang und länger….
Im Dunkelwerden schaffe ich es das Zelt aufzubauen, ganze 40 Minuten brauche ich bis alles perfekt ist: Zelt steht, Matte aufgeblasen und Decke drüber, Schlafsack mit Bettbezug überzogen, Kissen in Position, Tausend Sachen an Kleinkram (Taschenlampe, Zahnbürste, Schlafmaske, Trinkflasche, usw) sind zu bewegen und dann gehts rann ans Essen, Bier auf und…. naja, wieder ist es fast komplett dunkel. Es ist kalt geworden, dennoch bin ich noch verschwitzt.
Ich mache das beste daraus.
Morgen muss ich es einfach früher schaffen, sodass ich noch was vom Abend habe.
Tatsächlich finde ich am nächsten Tag gleich zu Tagesanfang einen billigen Discounter und packe mir vorsorglich dermaßen die Taschen voll, dass der Wanderwagen für die nächsten fünf Stunden, für die nächsten 20 Kilometer wie ein Schwertransporter unzer seinen Lasten ächzt….
Nur wen alles nahezu “typisch Deutsch” über den Tag organisiert ist, nur dann habe ich sie: Diese Traumabende am Zelt mit Sonnenuntergang, oder bei supernetten Gastgebern in irgendeiner Stadt, die mich bekochen, meine Wäsche waschen und mir noch Lunchpakete auf dem Weg mitgeben…
Das ist es was es so lohnenswert macht, so unvergleichlich, diesen schönsten “Job” der Welt zu machen; das Wanderleben.