Griechenland (17.07.2015)

Europa und Asien begegnen sich; Samos als letzer Außenposten Europas vor dem Hintergrund der Anatolischen Landmasse in Asien. Über eine Stunde dauert die Überfahrt in der eher kleinen Fähre mit perfekten Ausblick auf Meer und Land. Ich bin einer von ganz wenigen Nicht-Türken an Bord. Gut 300 Leute drängeln sich hier, türkische Touristen der immer größer werdenden Mittelschicht leisten sich einen Tagestrip hinüber zu den Griechen.

Griechenland (17.07.2015) Ort: Samos-Stadt ( 6.000 Einwohner )

Samos ist mit über 470 Quadratkilometer größer als Malta, und auch etwas größer als Naxos, viel grüner und fruchtbarer, was der Insel seit zwei Jahrtausenden schon eine Bevölkerung von über 30.000 einbrachte. Heute verlasse ich aber schon Samos, nachdem noch über 30 km Busfahrt (3,90€) angesagt waren. Die Türkei Fähre legt nämlich um 17 Uhr von Samos Stadt ab, was mir letztlich noch gesalzene 45 Euro kostet! Oh je, mein schönes Spenden-Geld vom Geburtstag und überhaupt, zerinnt mir nur so aus den Fingern… ich könnte schreien……
Naja, das alles steht eh im Zeichen einer Fluchtbewegung, wollte eigentlich in Griechenland bleiben, die Inseln viel länger erkunden und beschreiben, dort die Einheimischen besuchen. Doch hier im Tourismus-Vakuum, wo zwischenmenschliches komplett als reine Dienstleistung betrachtet wird, geht sowas kaum. Außerdem wollte ich eigentlich noch die Inseln Chios und Lesbos sehen. Doch alles zu teuer…. ich flüchte hinüber, dort wo vor 93 Jahren Griechenland noch war, nachdem die Türken sich das alte Land unter’m Nagel rissen….

Griechenland (17.07.2015) Ort: Karlovassi ( 6.000 Einwohner )

Proooost, mein letztes griechisches Bier mit Türkei in Sichtweite am Horizont….
Habe noch Bohnen in Tomatensoße von Heinz, eine trockene Wurst, sowie Brot ergattert für insgesamt sieben Euro. Ein Schnäppchen hier für’s Abendessen.
Morgen setze ich rüber ins gelobte Land…. finde noch abseits von Karlovassi diesen verlassenen Militärposten mit Mega-Ausblick auf Hafen, Meer und Berge… wieder ohne Zelt unter freien (soooo blauen) Himmel….

Griechenland (17.07.2015) Ort: Karlovassi ( 6.000 Einwohner )

Puuh, auf der Fähre habe ich noch ausgehalten, den Hunger, um nicht noch die extremen Preise für die furztrockenen Sandwiches dort zu berappen, schleppe mich in Karlovassi vom abgelegenen Hafen bis hier zum Supermarkt um die Batterien zu füllen. Der zeigt mal wieder deutlich den Grund warum ich hier nicht mehr atmen kann; Preise als wären die Griechen auf Schweizer Lohn-Niveau…. jaja, gelästert hatte ich ja schon genug über den Irrsinn an den Ladentheken, doch bevor ich in die Türkei fliehe, muss ich unbedingt noch schnell das Drama fotografieren… klar, ich finde hier auch den kleberigen Kartoffelsalat mal für 1,60€, ein Päckchen Kekse für 1,30€ und ein Fläschchen Bier für einen Euro…. auch Brot geht noch… aber das allermeiste hier ist schweineteuer; Sahne, Milch, O-Saft, Wurst made in Greece gegen Gold aufgewogen….. mein Gott, wie soll das hier nur weitergehen?

Griechenland (17.07.2015) Ort: Karlovassi auf Samos.

Das Schiff kommt nach fünf Stunden Überfahrt in Karlovassi auf Samos an, einem der drei Häfen der großen Insel, direkt vor der türkischen Küste gelegen. Das gibt Stoff für ein weiteres Dilemma unserer Zeit: Flüchtlingsstöme ergießen sich tagtäglich von Schlauchbooten über’s Meer kommend auf Samos, aber auch den anderen Inseln Griechenlands in Sichtweite zur Türkei: Kos, Chios, Lesbos und Rodos sind vorerst Hürde Nr. eins um es ins gelobte Land zu schaffen; wer es nähmlich schafft, darf erstmal bleiben, bekommt ein Ticket nach Athen spendiert wo weiterhin über den Asyl-Status entschieden werden soll. Allerdings sind die Behörden – erst recht jetzt während der Kriese, völlig überfordert, auch wegen der bloßen Masse der Menschen, meist aus Syrien über die Türkei kommend. Hier in Karlovassi stehen sie täglich, wie ich erfahre, müssen hier weiter auf die nächsten Fähren, die hier ablegen…. wohin auch immer…. nur weiter nach Norden.
(Bild: Seperat gehalten zu den Touristen, wartet ein Tross Syrer auf der anderen Seite des Hafens bis sie an Bord dürfen)

Griechenland (17.07.2015) Ort: Insel Ikaria

Selbst unter den verstreuten Inseln unterscheiden sich verschiedene Regionen voneinander; nachdem Naxos am Horizont verschwindet, sowie Mykonos, das immer im Dunst der Ferne zu sehen war (und Nachts wie eine Stadt in der Weite den Himmel beleuchtet, da hundertausend Party-peoples dort momentan ausflippen) verlasse ich die Kykladen und komme in den Inselbereich der “Sporaden”, was soviel wie die “verstreuten” heißt.
Verstreut am Rande der griechischen Seekarte liegen diese Inseln teils direkt vor der Küste der Türkei, und schon sieht es hier auch anders aus: Mit Bäumen bewachsen und viel grüner, lässt Ikaria schon erahnen, dass es hier ein etwas anderes Klima hat; im Sommer heiß und trocken wie überall, aber im Winter regenreicher, ja teils sogar mit Nachtfrösten unterscheidet sich das Klima der küstennahen Inseln um einiges. Die Türkei als große Landmasse ist zum greifen nah, jetzt im Sommer extrem heiß und staubig, aber im Winter heftig kalt und ungemütlich. Schlimmer als bei uns an Rhein und Weser…. deshalb schiebt sich oft eine solche Kaltfront bis einige Seemeilen über’s Meer, erreicht Samos bis weiter hinein die Insel Ikaria, bevor das wärmende Meer bis Naxos oder Mykonos jede Frostatakke von Osten kommend, den Biss nimmt.
Ikaria, so wie die anderen Sporadeninseln hat auch andere Häuser, diesmal mit herkömmlichen Ziegeldächern und die Kirchen sehen aus wie Moscheen.
(Bild: Panorama von der Fähre aus, als diese an Ikaria hält)

Griechenland (17.07.2015) Ort: Naxos

Boah, ist das windig, keine Chance das Zelt aufzubauen, keine Chance….. hab’s versucht. Naja, aber so ganz ohne Zelt geht aber auch; habe 200 Meter weiter von der Felsklippe diesen verlassenen, etwas vermüllten Strand gefunden. Das perfekte Schlafzimmer für mich *freu*
Immernoch windig, aber einigermaßen geschützt um die Ecke, hält mir die stramme Briese die Viecher vom Leib; Mücken haben hier keine Chance und gut eingemummelt in mein “Himmelbett” unter den Sternen (ja, der Sternenhimmel in der Nacht war fantastisch!) besser als das schönste fünf Sterne Zimmer….
(Bild: Kaum zu erkennen am Strand von weitem: Mein kleines Himmelbett im Sand)

… Bis hier hin, und so weiter ….

Einfach cool, die Überschrift auf “Tagesschau de” zur Lage der Verhandlungsbasis zur Griechenlandhilfe….. wieder mal ein Limit setzen, und dann?
Ich könnte jetzt kilometerweit ausholen darüber, will aber nicht, brauche auch nicht, die Medien versorgen uns sicherlich schon genug damit. Nur über’s Essen will ich mich auslassen, muss es auch, genauso wie ich ja eben täglich essen muss. Leider.
Also: “Bis hier hin! Und so weiter“….. galt eben auch beim Essen hier, aber irgendwann reicht’s…..
Denn in Griechenland als Reisender wie ich es bin, ist man angewiesen auf’s Futter aus den Supermärkten, kann eben nicht, oder kaum in Restaurants gehen, die sind ja bekanntlich viel zu teuer. Kochen geht auch nicht, da ich keinen Kocher noch zusätzlich schleppen kann. Also Fertigkram aus dem Supermarkt, wie eben in allen Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, usw) zuvor, was auch gut ging. Nur eben hier nicht: Ich bin es leid seit Wochen den schlechtesten Kartoffelsalat, die schlechteste Salami, die ranzigste Mortadella (oder was Ähnliches) runterwürgen zu müssen. Der Feta (Schafskäse) ist aber gut, na sehr gut sogar, aber unverschämt teuer (zwischen 2,50€ und 4,50€ das kleine Stück aus dem Kühlregal) Obst ebenfalls überteuert: Zwei Pfirsiche ca 1,80€, ein Stück Wassermelone (ca 3 kg) 2,50 – 3,00€, ansonsten gibt es einfach nichts zum essen auf die Hand, die Griechen machen alles selbst, kochen und grillen Zuhause, Außwahl ist in den Märkten sehr begrenzt. Tomatensoße hatte mich im teuren Italien gerettet, die aß ich gern mit Brot. Das mache ich hier auch, da es Tomatensoße im Regal gibt, doch nur die von Barilla aus Italien. Gefällt mir sogar, aber für das Gläschen zwischen 2,50€ bis 3,50€ zu berappen, finde ich unverschämt. Tja, die Griechen, reich an Gemüseerträgen produzieren eben noch nicht einmal tafelfertige Tomatensoße. Somit muss das Zeug (da auch in Griechenland gefragt & beliebt) aus Italien importiert werden, gaaaanz teuer, scheint so. Auch beim Bier sieht’s komisch aus: 50% des Biermarktes im “Bierland” Griechenland werden von holländischen Marken beherrscht, wobei mit Mythos, Fix, und Alpha mehr oder weniger gute, griechische Marken existieren. Mit dem Wein sieht’s finster aus; den trinken die Griechen kaum, oder eher auf dem platten Land; grichischer Wein kennt kaum, oder nur sehr wenig Qualität, worüber sich eben die Griechen selbst schon seit 40 Jahren aufregen. Nur was ändern tun sie nicht.
Naja, somit hungere ich mich durch’s Land, esse dann billig von den Gyros Ständen, die es hier zuhauf gibt. Sollte ja gehen: Fettig, billig und kalorienreich sind sie schon die Pittarollen, gefüllt mit Gyrosfleisch, Salat, Tzatziki und – hab ich gerade “Fleisch” gesagt?
Neee, zu 70% aus Fett oder Schwarte besteht die scheinbar lebensrettende Maßnahme vom Gyros(fett)spieß…. zwar für zwei bis drei Euro zu haben auf die Hand, würge ich mal wieder an den Schwabbel bulgarischer Schweinsschwarten (Griechenland importiert große Mengen Schweinefleisch aus Südosteuropa) und esse letztlich nur die Hälfte davon. Hach…..Aufregung und ja, ich bin es leid…. esse wie ein Hund und das schon seit langem…. warum bin ich so gern bei Tanja in Matala zum futtern gegangen? Da gab’s mal gut bayrisch…. sowas hätte ich jetzt gern wieder. Sorry, aber vielleicht sind die meisten Restaurants besser, aber die kann ich hier im Teuer-Land nicht nutzen. Deshalb ändere ich den Reiseplan: Morgen schwimme ich nach SAMOS rüber, hab das Ticket schon in der Täsch; mit 37 Euro zahle ich nochmal einen Batzen für die (noch, und wohl für immer) steuerfreien Reeder und sage “und tschüss” – ab in die Türkei…..

Bis Mitte August, da komme ich nochmal wieder zurück: Von Istanbul nach Nordgriechenland, weil es neben dieser völlig verpeilten Wirtschaft auch noch was anderes, gutes in diesem Land gibt: Tolle, gastfreundliche Menschen, die ich besuche; Marie in Seres und Sofia in Thessaloniki….. da freue ich mich drauf.