Frankreich  – Region Basse Normandie –  (12.07.2014)

Abschied nehmen von Michel (der übrigens seinen Namen dem Berg verdankt) und wieder bin ich allein. Doch so ganz einsam fühle ich mich nicht wirklich; die Touristenbusse dröhnen nur so im Minutentakt…
Nur langsam komme ich näher, 30 Minuten dauert der Weg zu Fuss, den nur wenige antreten…

Frankreich  – Region Basse Normandie –  (12.07.2014)

Na, wer kennt ihn nicht ?
Den sagenhaften Klosterberg im Watt.
Den Le Mont St. Michel, einstiges Pilgerziel alter Christen, neben dem Jakobsweg. Heute eher in spiritueller Vergessenheit geraten allerdings dem Tourismus um so mehr zugeneigt.
Doch auch ich zog einst meine Bahnen mit dem Stift über die Landkarten an diesem großartigen Punkt vorbei. Ein Zwischenziel auf meiner Frankreichroute, die hiermit auch bald ihr Ende findet.
Schon vor 1320 Jahren siedelten die ersten Bewohner auf dem markanten Fels, weit im Wattenmeer des größten Tiedenhub-Areals der Welt. Vor 900 Jahren entstand dann das gewaltige Kloster auf der Spitze. Seitdem dreht sich alles um diesen mächtigen Sakralbau, der aufgrund seiner Position, hundert Kilometer Landeinwärts sichtbar bleibt…
Eine
Lang laufe ich den Weg zum Berg. Die ständigen Busse ignoriere ich natürlich als alter Fernwanderer. Ist doch Ehrensache 🙂

Frankreich  – Region Bretagne – (12.07.2014)

Zu Gast bei Michel und Reiner in ihrem über 270 Jahre alten Dorfhaus in Le Minihic, – irgendwo im Nirgendwo nahe St. Malo, Dinard (dem Nizza des Nordens) und dem charmanten Dinan. Besser kann man hier nicht wohnen, und besser kann man hier auch nicht zu Gast sein, …in keinem Nobelhotel der Umgebung 🙂

DANKE FÜR DIESE WUNDERBAREN TAGE !!!

Wieder geht’s weiter auf meiner Route, der “Via Terrestris”, dem Weltweg der mich heute zu einem ganz besonders wichtigen Ort bringt…. Michel fährt mich noch rüber…. einem alten Pilgerziel entgegen, einem Ziel gegenwärtiger Touristenströme wie es sie nur wenig auf der Welt gibt…

Es geht zum LE MONT ST. MICHEL…..

Frankreich  – Region Bretagne –  (11.07.2014)

Dinan und somit die Bretagne, sind die Heimat der Harfe…. das sagte mir Michel schon zuvor, doch ich glaubte ihm nicht. Doch in Dinan scheint es sich wirklich überall um dieses elegante Klanginstrument zu drehen; spätestens jetzt, vor einem der Wahrzeichen dieser beeindruckenden Stadt, dem Doppelturm an der Stadtmauer, bin ich überzeugt.
Diese feine Bretonin zeigt sich genauso Keltisch wie jene in Irland, wo ich noch letztes Jahr gewesen bin…. und bestätigt dass hier das Irische Nationalheiligtum seinen Ursprung hat…

Frankreich  – Region Bretagne – (11.07.2014)

Was fürchtet der Teufel???
Ja klar, das Weihwasser.
Das trägt er hier in der Hauptkirche von Dinan (es gibt noch eine große Basillika hier in der Nähe) wo er weder vor noch zurück kann. Ich bin begeistert von der Französischen Kreativität aus alten Sakralen Tagen… immerhin ist das Ding einige Jarhunderte alt.

Frankreich  – Region Bretagne – (11.07.2014)

Michel zeigt und zeigt mir seine Heimatstadt. Z.B. diese “Sozialwohnungen”…. kann ich auch nicht glauben, aber als die Revolution 1789 in Frankreich die Geschichte eines ganzen Kontinents nachhaltig veränderte, wurden die Adeligen enteignet, deren prächtige Herrenhäuser dem “Volk” übergeben. Bis heute…wo eben hier in diesem alten, ehemaligen Adelshaus, einfache Wohnungen sind.
Na, in Frankreich lebt es sich eben anders als in Recklinghausen-Süd.

Frankreich  – Region Bretagne – (11.07.2014)

Vor 400 Jahren ist Dinan fast völlig abgebrannt. Sowas war halt normal zu dieser Zeit (auch bei uns brannte ja mal fast jede Stadt im Mittelalter nieder) und nur wenige Fachwerkhäuser blieben übrig. Der zweite Weltkrieg machte nur einige Küstenstädte in Frankreich platt und Dinan wurde erhalten. Die alten Straßen, einst (wie auch bei uns) herrlich gepflastert, sind auch hier fast alle mit Asphalt verschandelt worden. – Planet Auto will das so…. doch einige Nebenstraßen so wie hier, sind seit 250 Jahren nahezu unverändert. Dinan ist, wie fast alle Orte in der Bretagne aus Granit erbaut. Zwar alles etwas viel Grau, aber dennoch nicht “farblos” wirkend…

Frankreich  – Region Bretagne –  (11.07.2014)

Unermütlich nimmt mich Michel wieder mit, mir seine Heimat zu zeigen. Diesmal seine Heimatstadt, 20 Kilometer südlich, Dinan eine 12.000 Einwohner-Ortschaft mit unglaublichem Charm; jaja, absolut wenn’s ich sage; Dinan kannte ich vorher noch nicht einmal, doch jetzt nachdem ich befürtet hatte, irgendein langweiliges Kaff zu besichtigen, stelle ich wieder mit Begeisterung fest, welch ein unglaublich reiches, wundervolles Land Frankreich ist….
Damit meine ich auch seine Menschen, wei eben Michel, der unermüdlich, ja  –  u.n.e.r.m.ü.t.l.i.c.h – zu erzählen weiß von Mann und Maus hier. …Und ich finde es gut so.
Dinan hat eine sowas von gut erhaltene Altstadt, wie ich sie selten mal gesehen habe; Gleich mehrere Klöster, Kirchen und Herrenhäuser, Fachwerk aus dem Mittelalter und viel, viel Gemütlichkeit. -Wenn da (mal wieder) nicht diese permanenten Autos alles und nochmals alles zustellen, okupieren und einnehmen… Wenn Dinan wenigstens eine komplett Autofreie Innenstadt hätte, würde ich hier sofort einwandern…

Frankreich  – Region Bretagne – (11.07.2014)

Wieder zurück aus St. Malo komme ich mir vor als sei ich 20 km gegangen; 15 hatte ich gedacht und 10 sind es in Wirklichkeit….naja, jeder Schritt tut echt weh, wegen meines Lasters mit dem Fibrom am Bein… mann, ich mache mir echt Sorgen deswegen…hoffentlich halte ich die letzten Tage hier noch aus, bevor es dann in ca einer Woche wieder kurz nach Hause geht…
Eine Belohnung gibts aber doch: Michelle hat wieder was Regionals aus dem Hut gezaubert; diesmal diese Muscheln. Hmmmm, wenn auch etwas zäh, schmecken sie wie das Meer hier vor der Tür…

Frankreich  – Region Bretagne –  (11.07.2014)

Sowas hab ich noch nie gesehen…. ein Gezeitenkraftwerk zwischen Meer und der Rance, dem Flussartigen, breiten Gewässer was weit ins Land hineinragt und bei Flut gefüllt wird. Das kontrollieren die Schleusen des Kraftwerks, was eigentlich wie eine Staumauer funtioniert; bei Flut öffnen sich die Tore in denen Turbinen von den wilden Wassermassen angetrieben werden. Das Ergebnis: Strom.
Wehe dem, der hier in die Fluten gerät…. welch eine Gewalt unter meinen Füßen… ich schreite schnell über den Meterdicken Beton und setze den Weg fort ins Dorf meiner Gastgeber.