Schweiz -Region Westschweiz/Französische Schweiz- (02.09.2014)
Per Anhalter aus Lausanne ist keine leichte Nummer; ganze drei Stunden suche ich an den engen, schnellen, Agressiven Ausfallstraßen, schwerst beladen wie ein Packesel, nach geeigneten Stellen zum Stehen & anhalten.
Nachdem ein Polizist als einziger Interessent mich wüst beschimpfend von der Autobahnausfahrt hinweg fegt, trotte ich einen Kilometer weiter zur nächsten…. und werde von zwei Franzosen mitgenommen, die mich auf dem Weg nach Südfrankreich in Genf absetzen. Dort, direkt am Airport, findet sich schnell ein Bus, doch sechs Euro für die paar Kilometer zum Zentrum? Nee, die laufe ich dann lieber…
Ich spare im teuersten Land der Welt, in seiner wohl teuersten Stadt überhaupt; ich bin in GENF, der zweitgrößten Stadt im Lande, die zwar mit rund 200.000 Einwohner im Innenbereich und 500.000 Bewohnern als Ballungsraum, nicht besonderes riesig ausschaut, aber als “kleinste Metropole” der Welt bekannt ist.
Genf ist als Sitz vieler großer Internationaler Organisationen (z.B. UNO, WHO, WTO) dermaßen angesagt, dass die Stadt einen der internationalsten Zuläufe überhaupt in Europa hat; im Minutentakt sehe ich die Jets in den blauen Himmel starten… überall der Klang von Rollkoffern. Die Kravatten wedeln im Wind… hier ist ganz klar Anzug und feines Schuhwerk angesagt. Backpacker wie mich, sehe ich selbst im Stadtzentrum nirgends.
Etwas verloren streife ich durch eine extreme Luxuswelt, wirke wie ein anderes Wesen aus dem Weltall, mein überdimensionierter Rucksack im Kontrast zu flanierenden Luxusgewächsen mit Chartier Schmuck und Luis Vuitton Taschen auf selbstsicheren Minimal-Pfennigabsatz wirkt deplaziert. Hier in der Rue Rhone, wo offensichtlich Arabische Großmillionäre ihren uniformierten Harem ausführen, warte ich auf einer Granitbank sitzend und staune über diesen Laufsteg.
Mein Gastgeber lässt auf sich warten, heute ist Dienstag und er kommt erst um 18:00 Uhr. Doch all das warten soll sich lohnen: Ich treffe einen etwa gleichalterigen, sehr freundlichen Typen, der auch noch sowas von Zentral wohnt, dass ich es fast kaum glauben mag.
Direkt am Place de Chevelu, mittendrinn in Nachbarschaft zu den teuersten Luxushotels Europas, finde ich meine Couch…. Benjamin kenne ich bereits schon länger aus dem Chatt in Cochsurfing.
Das sind sie, meine letzten Erlebnisse in diesem Land… morgen bleibe ich noch einen vollen Tag hier jnd schaue mir dieses Treiben noch ein Weilchen an, und wer weiß, vielleicht gönne ich mir sogar mal ein sündhaft teures Bier vom Fass, hier in exponierter Lage und mal ganz ohne Rucksack…. dann möchte ich mich mal ganz kurz so fühlen, als gehöre ich dazu….