Nichts zu sehen von der unglaublich historischen Größe der Stadt Cadiz. Gut 500 Jahre älter als Rom, etwas älter als Athen, aber nirgends finde ich hier Antike Zeugnisse jener Zeit; Cadiz ist wie fast alle Spanischen Städte eher modern, sehr modern geprägt; Hochhäuser ohne Ende erstmal, keines davon älter als 60 Jahre, eine Stadt wie erst vor kurzem aus dem Boden gestampft.
Doch dann endlich erscheint sie dann, die Altstadt -so im letzten Drittel der langen Insel auf der Cadiz liegt, werde ich ganz automatisch von einer wunderschönen Prachtstraße in Richtung Kathedrale geleitet, eine Wohltat für das irritierte Auge, sehend nach gemütlicher Bausubstanz abseits der permanent anonymen Fassaden in Billigbauweise.
Dennoch, auch hier ist nichts älter als einige Hundert Jahre. Die Kathedrale, wohl das historische Zentrum der alten Stadt, entstammt gerade mal dem ausgehenden Mittelalter – vermute ich mal.
Ich kenne sie ja noch, die Superbauten aus dem elften Jahrhundert in Burgos, Leon oder Santiago, – ja, dieses Santiago, …. sowas gibt’s in Spanien einfach nur einmal; eine ganze Stadt so altbacken, so unverfälscht als läge sie in Italien.
Jaja, Spanien und seine Alten Städte, als wenn es einst wie in China zur Kulturrevolution gekommen wäre; Spaniens Städte verlieren sich im Einerlei praktischer Betonmassen….
Außerdem bin ich ja hier tief im Süden; damals auf dem Jakobsweg war ich im hohen Norden dieses großen Landes unterwegs, dort bleiben sie noch in Erinnerung diese Kathedralen der Unvergessenheit.
Hier im Süden ist das anders, hier prangt lediglich Granada mit seiner Alhambra hervor, absolut alles wieder gut machend jenseits von Benidorm und urbanen Wildwuchses.
Cadiz ist aber einfach schön, lebenswert und in einer unvergleichlichen Lage auf einer Insel, zwar von zwei Straßen erreichbar, aber nahezu allseits vom Meer umgeben.
Hier im Gewirr der schmalen Straßen, ja Gassen der Altstadt suchte ich schon mit etwas Mühe die Adressen meiner Gastgeber hier.
Zuerst bei Ana Nuñez, einer temperamentvollen, authentischen Spanierin (die aber Deutsch kann) wo ich in dessen WG mit acht Leuten immernoch Platz fand.
Welch Tage, Studentenleben pur, und das auf Spanisch – Schlafen in der Nacht ? Sowas gehört sich hier nicht und ist eher “uncool”.
Das Essen…. ja das gibt es hier aus der Pfanne direkt auf den Tisch, woraus alle dann gemeinsam futtern, – ganz Andalusisch ohne eigenen Teller… sowas sei sehr “Deutsch” fügte Ana hinzu…
Doch hier blieb ich nur eine Nacht (Glücklicherweise waren fast alle WG Bewohner noch vom Vortag so verkatert, dass ich früher ins Bett durfte) war aber fit am nächsten Morgen und wechselte gleich in die nächste WG, da ich auch dort über Couchsurfing eingeladen war.
Hier gibt es sogar 20 Bewohner, die allerdings anders organisiert hier eher in einer Art Studentenwohnheim hausen, jeder in seinem kleinen Zimmer auf drei Stockwerken, die Küche ist unten.
Hier ist immer der Deibel los, ein Ameisenhaufen wäre dagegen eine Geisterstadt. Doch wohlfühlen kann ich mich hier durchaus; so sehr dass ich wiederkomme, wenns in zwei Monaten von den Kanaren mit dem Schiff wieder nach Cadiz zurück geht.
Ja, heute ist es nun soweit, die Fähre macht um fünf los, eine gemütliche Zeit um in See zu stechen, 1400 Kilometer in den Atlantik hinein nach La Palma, einer Vulkaninsel die zu den Kanaren gehört.
Dort ist jetzt wirklich Sommer und noch wärmer als hier in Cadiz. Drei Tage dauert die Überfahrt… geschlafen wird auf Deck, gegessen was ich mir heute billig im Supermarkt besorge.
Adios Cadiz…. ich komme bald wieder…