Wieder übers Internet verabrede ich mich mit meinem nächsten Gastgeber, berichte Benito darüber der sich total freut, dass sowas überhaupt möglich ist; ganz ohne Hotels und Flugzeug im “Dauerurlaub” sein… mitnichten, Urlaub sieht wahrlich anders aus. Aber ja, ich bin hier und heute Abend gehts weiter nach Süden.
Und wirklich, “Kiku”, so soll ich ihn nennen, liest mich mit Sack und Pack vom breiten Bürgersteig in Valencia auf, dank seines riesengroßen Autos ist es ein Kinderspiel den fetten Wanderwagen gleich reinzupacken.
Um 22:30 Uhr fahren wir 110 Kilometer weiter nach Jabea, (oder Xabia) zu dessen Anwesen, irgendwo entlang der ewig langen Küstenstraße mit ihren vielen Orten.
Dort staune ich nicht schlecht, “Ganesh Antiques” heißt sein kleines Reich hier, also mal wieder Indien, und somit bin ich ganz in meinem Element; umgeben von uralten, schweren Holzmöbeln, allesamt aus Indien herbeigeschafft, träume ich wieder von meiner alten Liebe: Indien.
Zwei Experten haben sich also gefunden, und ich fühle mich hier ganz besonders wohl.
Kiku ist hier Zuhause, kommt aus Valencia und handelte zur Bauboomzeit eben mit dieser schweren Holzeinrichtung. Vornehmlich Türen mit ihren altindischen Verzierungen liefen damals wirklich gut; in Spanien zur Zeit des Imobilienhypes, kauften die Leute einfach alles. Die Stimmung war wie besoffen, so sprudelten die Kredite der völlig außer Kontrolle geratenen Banken.
Doch heute sieht es ganz anders aus, mein Gastgeber bietet mir Arbeit an, der Garten verwildert und Personal ist ganz besonders heute einfach unbezahlbar. (Selbst wenn diese für 5 Euro die Std arbeiten)
Doch erstmal machen wir einen Ausflug. Es ist Freitag und wieder knallt die Sonne wie als gäbe es diesen November jetzt nicht.
Kiku fährt mit mir weit hinaus, hält nahe dem Meer auf einer hohen Klippe. Dort klettern wir einen wilden Abstieg hinunter, ich riche den Duft von Strandkiefern, vermischt mit dem Salz der Brandung.
Unten angekommen frage ich nochmals, wie wir ins Wasser kommen, lediglich scharfkantige Felsen überall, soll ich hier einfach springen ?
Aber ja doch, so springe ich – natürlich völlig nackt, von der Felskante, drei Meter in die tefblauen Wogen. Zusammen schwimmen wir entlang der Felswand, die sich hundert Meter aus dem Meer erhebt in gebührenden Anstand; zu wild branden die Wellen des tiefen Wassers gegen das Gestein, mittendrin ich, folgend meinem lokalen Freund, dessen Haupt mal auf mal ab hinter den hohen Wogen des wuchtigen Rhythmus eines tiefen Meeres zu sehen ist.
Ich schaffe dem geübten Schwimmer zu folgen, staune fast zum ertrinken als er links abdriftet und aufeinmal sich eine gewaltige Höhle mir auftut: 40 Meter breit, 20 Meter hoch prangt wie ein Riesenmaul dieses gewaltige Loch.
Ich folge dennoch meinem Vorschwimmer, unter mir im glasklaren Salzwasser lediglich mein nackter Leib, und viele, viele Meter Tiefe. Doch allmählich blitzen Steine daunten, es wird geheimnisvoll dunkel um mich, als ich tiefer hineinschwimme. Jetzt leuchtet das Wasser hellblau von unten her, das Licht hält hingegen wenig von den okerfarbenen Höhlenwänden, dennoch ist es hier nicht komplett dunkel, es ist einfach nur wunderschön – und umheimlich zugleich.
Wie gesagt, nackt, so wie mich einst Mama gebähr, steige ich am Rande der Innenwände auf einen Felsvorsprung, wie ein Fischotter aus dem Wasser. Endlich sowas wie Land.
Ich friere garnicht, ich sitze auf diesem Fels und staune ohne Ende.
Kiku muss mir natürlich jetzt erzählen, dass er hier schon etliche Frauen vernascht habe.
Wir schwimmen den weiten Weg zurück, die Wogen sind deutlich wilder geworden, ich schwanke gut anderthalb Meter aus und ab, schaffe es so gerade noch den steilen, aber zum Glück kantigen Fels emporzuklettern, immerwieder von einer Welle erfasst, aber dennoch ohne Blessuren zu guter Letzt.
Ein toller Tag, ein unvergessliches Erlebnis.
Schade dass sowas nur mit einer Spezialkamera zu fotografieren ist, aber so dermaßen nackt, so dermaßen der Natur ausgeliefert; da bin ich froh mal ganz ohne alles dort gewesen zu sein.
Sowas vergisst man nicht so schnell…