Schottland / Dunnet Head

Und es geht noch nördlicher; hier am Dunnet Head, jenem Landzipfel der mit seinen 100 Meter hohen Kliffs ins tosende Meer ragt, werde ich nun das Zelt aufschlagen um hier die Nacht zu verbringen.
Das es sich hier um einer der wohl rauesten Ecken Europas handelt, ist mir schon bewusst, weshalb ich nun um so deftiger mit dem Essen zuschlage. Heute Nacht kann es vielleicht etwas ruppiger zugehen und mit gut gefüllten Magen schläft’s sich ja besser.

Wieder bin ich begeistert von der Fülle meiner Essensvorräte, erstens noch der Kartoffel – Hackfleisch Auflauf von Scott, wovon noch so viel übrig war, zweitens die vielen Sachen die ich von seiner kleinen Geldspende einkaufen konnte, sowie eine volle Tüte Leckereien von meinen jetzigen Helfern, die mich hierherbrachten.

Mit den Orkneyinseln im Blick, sitze ich nun auf dem weichen Gras und futtere wie ein Weltmeister.
… Einfach herrlich hier.

Jedoch ist diese Lieblichkeit nicht von Dauer; der Wind wird strammer und ich muss unbedingt einen zumindest halbwegs geschützten Platz fürs Zelt finden; nicht leicht hier auf diesem offenen Gelände,  kann aber eine Mulde zwischen den sanften Hügeln ausfindig machen und setze dort das Nachtlager hinein.

Wie erwartet eröffnet sich die Hölle.  Nach und nach nimmt der Sturm an Fahrt zu und das kleine Zelt, – vorher noch in lieblichster Idylle, wiedersteht der Wut eines tobenen Nordens mit seinen pausenlosen Sturmattaken.
Erst rütteln die Böhen dermaßen das Zelt, dass an Schlaf kaum zu denken ist; zu laut flattert alles um mich herum,  doch dann schmettern wie Peitschenhiebe noch stärkere Winde – zu allem Überfluss noch mit einsetzenden Regen, der  so scharf auf die Zeltplane eindrischt, dass diese zu zerreißen droht….
Doch ein so teures und gutes Zelt muss sowas schon aushalten, sowie meine Nerven.

So harre ich aus, wickele mir den Schal um die Ohren um nur etwas dem Höllenlärm zu entgehen. Irgendwann aber wache ich wieder aus dem Halbschlaf auf und es war endlich wieder heller: Eine fast endlose Nacht geht gottseidank zu Ende.

Wind und Regen aber machen weiter. Ich baue das Zelt von innen ab, packe alles gut sortiert in meine Taschen bis nur noch das schützende Außenzelt übrig ist, beeile mich dann auch dieses Abzubauen,  ziehe den Regenponcho über und laufe durch den grauen Sturm des noch jungen Tages.
Hier am Parkplatz am Leuchtturm hoffe ich schnell je, anden zu finden der mich jetzt nach Süden bringt.

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