Das ein Leben auf Wanderschaft ja gut organisiert sein sollte und somit nicht wirklich wie Urlaub daherkommt, hatte ich ja schon beschrieben. Deshalb ist es auch um so wichtiger, mal an einem Ort länger zu bleiben, sich zu entschleunigen im Marsch von Ort zu Ort, und einfach mal zu bleiben.
So wie hier auf dieser Insel, weit draußen im Atlantik, die so fern aber doch so “heimisch” rüberkommt; ja, La Palma veranlasst mich doch nun wirklich zu sagen im 18ten Bundesland zu sein… jaja, wirklich, ich habe Bundesland gesagt, also ähnlich wie Mallorca das 17te, (Deutschland hat 16 Bundesländer) ist La Palma nun die Nummer 18 im Bunde.
Selbstverständlich ist das eher ein Scherz, aber nicht ganz; 80% der vielen Touristen hier kommen aus meiner lieben Heimat. Deutsche Vokabeln schnippen mir überall und ständig um die Ohren, ob an den schwarzsandigen Stränden, in den Kneipen, oder auf den höchsten Gipfeln der Vulkaninsel; Deutsch ist hier überall verstanden und sich inmitten fantastischer La Palmischer Lavafels-Panoramen über Günter Jauchs Abschneiden im Quiz bei Plassberg zu unterhalten, ist hier mit jedermann möglich.
So lindert das mein Heimweh, Edmond spendiert mir ein Bayrisches Weißbier und diskutieren derweil mit zufälligen Tischnachbarn über neue Preiserhöhungen der Deutschen Bahn… hier 3300 Kilometer weit entfernt davon.
Hach, Deutschland, ich fühle mich so nah an dir…
Doch natürlich hat diese Insel auch jede Menge “Ferne” zu bieten, ja sogar exotisch anmutende Sachen die es nur hier gibt; wie gesagt entstand La Palma aus dem Feuer dieser Erde, besteht fat nur aus schwarz-braunen Lavagestein und hat einen gewaltigen Krater in seiner Mitte.
Viele Pflanzen sind hier “endemisch”, also kommen nur hier vor. Ein eigenes Ökosystem hat sich über die zwei Millionen Jahre entwickelt in denen die Insel entstanden ist. Damals als riesiger Berg aus dem Ozean sich erhebend, brennend und kochend zu Zeiten als der Mensch noch in der Altsteinzeit sich allmählich entwickelte, brachen die Mächte aus dem kochenden Tiefen des Planetens ihre heiße Glut durch das noch junge Ventiel La Palma, sprengeten in einer unglaublichen Explosion den damals wohl um die 3500 Meter hohen, jungen Berg in Stücke, sodass dieser heute nur noch als der größte “Senkkrater” der Welt unserer Nachwelt erhalten bleibt.
Wie ein uendlich riesiger Backenzahn klafft die “Caldera” in den oft klaren Himmel, hinter ihren Rändern, den Kammartigen Bergrücken welche den Krater wie Halbkreis umringen, lugt weit in der Ferne der Schneebedeckte Gipfel des Piko del Teide 3500 Meter in den blauen Himmel; der Bruder jenes kollabierten Vulkanberges auf dem ich hier oben stehe… der einst auch mal so ausgesehen hatte.
Doch heute ist der Kilometerbreite Krater ein wahres Wanderparadies, mit verschlungenen Kletterwegen, Kiefernwäldern, einem Flusslauf an seinem Grund, dessen reines Wasser ich Literweise trank um die harten Kilometer über all die Felsen zu schaffen, den Weg zu finden, hinein und vor allem wieder hinaus, hinaus aus dem wilden Herz dieser Insel….