Jaaa, da bin ich nun, erstmal am Rabenschwarzen Sandstrand und dort ins warme, klare Wasser…. welch ein Traum vom Wanderleben; hohe aber sanfte Wellen waschen mich rein… die ganze Zeit auf der Fähre hatte ich keine Dusche gesehen, und jetzt diese ultimative Frische. Unbeschreiblich.
Es ist warm wie in den Tropen. Wobei das Klima hier direkt an der Küste zu 80% tropisch ist, ändert sich das auf nur wenigen hundert Metern Höhe deutlich, La Palma ist wie die meisten der Kanarischen Inseln eine wahre Berglandschaft. Bis zu 2800 Meter steigt die höchste Erhebung hier an, das ist so viel wie die höchsten Deutschen Gipfel bieten, doch aufgrund der fast tropischen Gegebenheiten, sind die Berge hier viel weiter hoch noch grün.
Lange kann ich am schönen Strand nicht bleiben, zu viel gibt es zu erleben; eine Landkarte und Infos zum Weg auf die andere Inselseite wollen beorgt werden. Sowas kann man immer gut in den herkömmlichen Touristeninfos der Kommunen machen, sofern diese auch geöffnet haben….
Einkaufen soll ich auch noch, nichts finde ich im Essensspeicher des Wanderwagens, nur noch Krümel längs verzehrter Brötchen bleiben mir.
Dank dieser außerordentlichen Spende aus Marbella, lebe ich noch jetzt völlig stressfrei in Sachen Nahrungsmittelbeschaffung, kaufe diese einfach -wenn auch billig in den Supermärkten. Für ein deftiges, warmes Essen im Restaurant bin ich einfach zu geizig, wer weiß wann ich wieder zu Geld komme…. eventuell Weihnachten dürften kleine Spenden der Lieben Daheim möglich sein. Dann leiste ich mir auch mal was tolles….
Vollgepakt mit allerlei Ess und Trinkbarem, steige ich einer sehr dürftigen Landkarte nach, dem Inselinneren entgegen, wandere über herrlich ruhige Straßen recht stark bergauf aus der Stadt, die nun panoramahaft unter mir liegt.
Weiter oben aber, trifft diese schreckliche Hauptstraße auf meinem Weg, die nun leider auch den weiteren Wegverlauf bestimmt.
Nötig ist das, weil ich auf La Palma eingeladen bin, ganz auf der anderen Seite der Insel liegt der zweite Wohnsitz meines altbekannten Gastgebers Peter, den ich schon in Schottland im Wanderleben traf. Dort konnte ich ja neben diesem Kirchenhotel nahe Elgin im Norden Schottlands zelten, lernte Peter (einem Deutschen Auswanderer) und seinen Freund kennen. Beide leben jeweils im Sommer an der “Schottischen Riviera” -wie es Peter zu nennen pflegte, und im Winter 4000 Kilometer südlich davon, auf La Palma, wo sie auch Zimmer vermieten.
Doch auf keinen Fall fahre ich jetzt mit dem Bus dahin, einfach schnöde im Bus sitzen und auf geht’s. Nein ich habe die Zeit und überquere den hohen Bergkamm der die Insel mittig trennt, zu Fuß, das ist doch Ehrensache.
Die fürchterliche Hauptstraße desillusioniert mich aber sowas von, dass ich verzweifelt abweiche auf einem dieser Wanderpfade, in Richtung “El Paso” dem Ort nahe dem Haus wo Peter wohnt.
Endlich Ruhe, keine LKWs mehr die mir gefährlich nahe kommen. Auch auf der ach so beschaulichen Ferieninsel La Palma herrscht einzig und allein, ja, ich betone: Einzig und allein das Auto; keine Seitenstreifen mal wieder, wo man einigermaßen gehen könnte. Wie immer also. Diese Welt -und da wiederhole ich mich sicher noch oft, ist eine Welt der Autos…. Autos, Autos, und nochmals Autos…. es wird gehupt, gerast und Müll aus dem Fenster geworfen…. Kilometerweit schreite ich an Zigarettenschachteln on masse vorbei… Raucher halt, die werfen offensichtlich viel öfter ihren Müll in die Landschaft.
Doch genug gemeckert.
Jetzt wandele ich wieder durch herrliche Landschaften, zwar und komischerweise steil bergab, aber blind vor Genuss diese Ruhe und diesen Frieden hier auf dem Wanderpfad zu genießen, verdränge ich nur zu sehr wie grausam der folglich nur logische Aufstieg sein wird…
Extrem, einfach nur extrem schlage ich den schweren Wanderwagen über den Felsigen Steig nach oben, immer weiter…. zurück gehe ich nicht, vielleicht ist es ja gleich besser, doch je mehr ich aufsteige, um so mehr gerate ich in die Falle.
Nach einer fetten Stunde höllischer Arbeit (ich erinnere mich an die härtesten Abschnitte des Jakobsweges in Frankreich) komme ich natürlich wieder auf diese dämliche Hauptstraße, welch dankbares Ereignis, wie ein feuchter Lappen hänge ich auf der Leitplanke und bin sauer. Weiter also, Ehrensache ist Ehrensache sage ich mir ohne jegliche Überzeugung, aber umkehren jetzt? Niemals, es kann ja nur besser werden.
Nach langer Suche links und rechts der Straße finde ich doch, weit jenseits einer Pinkelecke für blasenschwache Autofahrer -und schlimmeren, einen lauschigen Platz inmitten Mannshoher Erika und traumhafter Aussicht auf Meer weit in der Ferne.
Ach herjee… wie gut dass ich vor Stunden mit solch einen Moment gerechnet habe und Bier im Gepäck finde.
Warmes Bier, was ich über die Zeit zu trinken gelernt habe, das kann ich jetzt sowas von genießen. Jaaa, der Himmel wird wieder lila… das Zelt flattert nur sanft, der Berghang schützt und ich schlafe einfach gut diese Nacht.