Italien -Region Sardinien- (13.11.2014)
Eine lange und schäbige Nacht liegt hinter mir.
Dauerregen und Matsch sorgen für unruhigen Schlaf, lediglich ein kleiner Olivenbaum schützt mich etwas und gibt Deckung vor den Blicken bööööser Menschen…
Die scheint es hier wohl am ehesten zu geben; drei lange Kilometer lief ich gestern aus der Stadt, vorbei an ewigen, langweiligen Villenvirteln, die mit ihren hohen Mauern, Alarmanlagen und schweren, allgegenwärtigen Gittern überall, wie Gefangenenlager aussehen.
Da drinnen leben würde ich echt nicht wollen….
Tu ich auch nicht, und schreite durch den Regen bis irgendwo zwischen den Autobahnen, die sich um Sassari schnörkeln, wo einige wilde Grünstreifen allerdings so vermüllt sind, dass ich noch nichteinmal dort hinsehen mag. Andernfalls ist jede weiter Nische zwischen dem hohen Gras und Büschen sofort als Toilette für die Autofahrer in Benutzung; Taschentücher und schlimmeres überall…. mein Gott, müssen Menschen denn überall immer scheißen ???
Ich klettere notgedrungen über einen Zaun, schmeiße das dicke Gepäck rüber, alles voll Matsch. Egal, weiter….. ich suche in der Dämmerung nach Schutz, gehe bis zur hintersten Ecke und baue das Zelt auf.
In der langen Nacht höre ich permanent die Autos parken, da wo all der Müll ist. Luge aus dem Zelt und höre es plätschern…. die Leute pinkeln, pinkeln, und pissen…. keine 10 Meter von mir, lediglich von einem Zaun geschützt, fühle ich mich schon wie am Strand von Ajaccio, wo mal das Meer so nah kam, jetzt bedroht mich der Urin der mobilen Massen….
So schlimm ist es ja gottseidank nicht gekommen; endlich wird es wieder hell, packe das klatschnasse Zelt in mehrere Plastiktüten, bleibe mit dem Schnürsenkel im Maschendraht beim Rüberklettern hängen, und fliege Kopfüber in den Müll… zum Glück nur Plastikplanen, den Fuß noch immer oben hängend…
Zum Glück regnet es nicht mehr, und sogar die Sonne gleißt jetzt über die nassen Straßen Sassaris.
Ich fahre mit dem Zug nun weiter nach Oristano, 130 km südlich.
Dort will ich wieder ans Meer, will dort baden.
(Bild: An der Autobahn unter dem Olivenbaum. Meine Nacht in Sassari)
