Italien -Region Marken- (17.10.2014)
Asissi lasse ich nun hinter mir, wenn auch mit etwas Wehmut, da ich diesen fantastischen Ort eben nur gestreift habe. Doch ich brauche noch den Tag, es ist genau 12:00 Uhr und ich zahle 9,90€ für ein Bahntiket nach Ancona, 100 km weit am Meer gelegen….nichts wie raus aus den grauen Bergen denke ich mir…
Unterwegs rechne ich erstmal nach, mache einen Kassensturz und muss überlegen wie es weiter geht: Seit ich in Italien bin, gut zwei Monate schon, fahre ich mit der Bahn. Das die günstig ist, habe ich ja schon oft beschrieben, doch mein Sponsoring aus Schweizer Tagen geht allmählich die Luft aus; leere Landschaften in meinem Portemonaie breiten sich aus… und ein Job hier in Italien finden? Mitnichten, bisher hat sich da nur damals bei Paolo in Venedig was ergeben…
Also bis Rom komme ich wohl noch Eisenbahntechnisch durch; 430 Euro zähle ich als mein Eigen. Jaja, Rom, wo bekanntlich alle Wege hinführen, auch eben meine “Via Teresstris” über Umwege wie hier in Ancona.
Umbrien verließ ich durch grau, finstere Berglandschaften, tief in schweren Gewölk. Doch nach und nach wird es heller, die Nähe zum Meer fühle ich schon mit dem Blick zum Himmel; Federwolken, blauer Himmel….die Bahn scheppert schwerfällig durch eine wieder ganz andere Landschaft; ich erreiche die Region MARKEN (auch Italienisch: Marche, – gesprochen: “Marke”) was sich noch aus alten Römischen Tagen namentlich ableitet: “Mark” hieß ein Grenzgebiet zum heiligen Römischen Reich, das in dieser Gegend lag. Über die Zeiten wechselte die Geschichte vielfach, doch die Begrifflichkeit “Marken” erhielt sich weitestgehend bis heute; die Region Marken ist mit über 9600 Quadratkilometer und mit 1,5 Mio Einwohnern, ähnlich wie Umbrien im Innenland, eher weniger bekannt und kleiner.
Die Haupstadt Ancona zählt gerade mal 100.000 Bewohner, war mal das Zentrum einer Stadtrepublik längst vergangener Tage. Heute erlebe ich Ancona als eine entspannte, ruhige Hafenstadt, ganz anders als sonst, wie ich es von den wilden, chaotischen Verhältnissen in Italienischen Städten gewohnt bin.
Zwar gelang es mir nicht bei Couchsurfing jemanden zu finden der mich hier aufnimmt, doch gleich am Bahnhof, gegenüber im Dönerladen, der von Bangladeschern geführt wird, komme ich mit Paul ins Gespräch, meiner mit Flaggen geschmückter Rucksack erregt Aufsehen, Paul kann Englisch und ab geht die Post auf eine Rundtour; Paul zeigt mir den Monte Conero, einige Kilometer südlich der Stadt, ein hoher Berg der sich markand aus der eher flachen Küstenlandschaft erhebt.
An seinen Ufer, ganz unten empfehlt mir Paul, hier in meinem Zelt zu nächtigen. Es dämmert bereits und wenn ich weiter den Strand folge bis um die Ecke dort hinten, findet mich keine Polizei, kein Garnichts…. yep, ein Spezial-Service von einem Einheimischen der mich zwar nicht in sein Haus einladen kann (ganze Family unter einem Dach) aber nach Kräften hilft.
Auch an Verpflegung dachte ich zuvor; an einem Supermarkt hielten wir kurz an und ich kaufte die Ladentheken rauf und runter leer…. mein Gott, was braucht dieses alles verschlingende Monster-Organ (gemeint: Mein Magen) für Unmengen an Futter…. manchmal schäme ich mich schon, vor Gefräßigkeit, aber offensichtlich braucht ein Packesel große Energiemengen; 22 bis 25 Kilo ständig auf den Schultern sind nicht von Pappe….
(Bild: Abgesetzt von einem beherzten Helfer, finde ich hier weit Außerhalb von Ancona einen ruhigen Platz zum Zelten, inklusive Bad im warmen Wasser der Adria)
