Italien -Region Kampanien- (22.11.2014)
Kampanien (Campania) – wieder ein neues Land im Land.
Italien, dieses “Schwerpunktland” meines Weltweges, ein mini Kontinent mit vielen Ländern ist überhaupt deutlich gespalten in Nord und Süd.
Hier in Kampanien, der Region gleich südlich von Lazio mit seiner Metrople Rom, kommen all die Klischees des tiefen Südens deutlich hervor; alles ist hier nochmal chaotischer, alles ist hier noch etwas “wilder” geraten als noch in Bologna oder Milano.
Auf den Straßen Napolis, die mich eher an jene Indischer Metropolen erinnern, jagen Zweiräder über rote Ampeln, parken Autos in der dritten Reihe, wühlen Bettler in riesigen Müllhaufen am Straßenrand, suchen sich Pappkartons als Matratzenersatz für die nächste Nacht.
Geschliffenes Pflaster, oft durcheinander gelegt, wulstiger Asphalt, klapperige Gullideckel aber auch wieder korrekte Sauberkeit, die sich wie ein unterdrücktes Immunsystem immerwieder zwischendurch durchsetzt, beobachte ich von vornerein als was ganz normales für diese Stadt, während in Rom noch der eine oder andere Müllhaufen als Mißstand erachtet wurde, akzeptiere ich die wüsten Haufen aus Pappkartons auf den Bürgersteigen Napolis irgendwie. Dem bekannten Klischees wohl sei dank.
Napoli aber ist extremer als alle anderen Städte im Land; mit genau einer Million Menschen im eigentlichen Verwaltungsbereich auf nur 117 Qadratkilometer (gerade mal doppelt so viel Raum wie meine Heimatstadt Recklinghausen mit 115.000 Ew.) und drägen sich hier dermaßen dicht, wie es in Europa nur noch Barcelona schafft.
Um Napoli verflechten sich auf engstem Raum über 40 weitere Städte, die zusammen eine Metropole von über 3,1 Mio ergeben, größer also als Hamburg, was hier auch deutlich zu spüren ist.
Napolis Hafen gilt als der größte in Italien, Industrie und gleich sechs Universitäten schaffen es aber immernoch nicht Napoli aus den Negativschlagzeilen zu heben; Arbeitslosigkeit und eine legendäre Korruption sind auch heute nach vie vor ein chronisches Problem der Stadt.
Dennoch strömen wieterhin ständig neue Zuwanderer aus Asien und Afrika in die übervolle Stadt, bauen im Zentrum ihrer mobilen Schwarzstände auf, und ziehen Abends zurück, teils in die verwahrlosten Vororte deren Kriminalstatistik mit denen Südamerikanischer Metropolen vergleichbar ist.
Napoli ist natürlich bei seiner Größe, das Herz Kampaniens.
Schon zur Römerzeit war die Region bekannt und wichtig wegen seiner fruchtbaren Böden; Getreide und Wein aus Kampanien versorgten das alte Reich schon damals, köstlicher Zitronenlikör aus dem Sorrento, nahe den Steilküsten mit ihren vorgelagerten Inseln Capri und Ischia, die heute dem teuren Massentourismus zum Opfer fallen, sind was typisches für die Gegend.
Das alles überragt vom absoluten Markenzeichen: Dem Vesuv, der alte Vulkan der seit 17.000 Jahren geologisch zwar noch jung, aber seit Menschengedenken ein Teil dieser starken, unverwechselbaren Gegend in Italien ist.
(Bild: Noch geschafft: Der Wettlauf gegen die Zeit, es dunkelt ja schon um vier und der Blick von der hohen Burgfestung Castel S. Elmo, über Napoli muss noch bei einigermaßen Licht schweifen. Gut eine Stunde kämpfte ich mich dem Gewirr von Serpentinen hinauf, verlief mich oft, wollte aber partout nicht diese Lifte nutzen, die zwar nur 1,50€ kosten, aber mir das Gefühl nehmen, frei und ohne Bezahlereien einen Ausblick über die Stadt zu schaffen.)
