Italien -Region Abruzzo- (21.10.2014)
Heute soll mich die “Via Terrestris” nach L’Aquila führen, weitab nordwestlich hinter ethlichen hohen Bergkämmen gelegen, eigentlich ganz schön Abseits für eine Regionalhaupstadt, doch selbst Mussolini vermochte es damals schon nicht die Regionalregierung ins viel größere und leichter erreichbare Pescara zu verlegen.
Angeregt von Johns Fahrdienst, versuche ich diesmal zu trampen, scheitere aber nach einiger Zeit am bloßen Weg. Schwitzend und halb entkräftet, gebe ich auf; zu verwirrend sind all die Straßen hier die sich wild schnörkelnd um den Ort verknoten, zumindest kommt es mir so vor wenn mich der eine dorthin schikt und der andere gleich wieder zurück; WO IST DIESE VERDAMMTE STRAßE NACH L’AQUILA ???
Ganz zufällig aber, kommt bald ein Bus daher, mit der wohltuenden Aufschrift meines Zieles. Also wieder Geld ausgeben, Geld was ich immer weniger habe…. doch sechs Euro für eine anschließende, sensationelle Panoramafahrt, zahle ich dann doch gern.
Durch unglaubliche Berglandschaften wie ich sie schöner noch nie gesehen habe, zieht sich in Serpentinen die Busfahrt nach L’Aquila, ich stehe sogar kurz davor auszusteigen, hier in diesem Dorf mit bombastischer Aussicht auf die 2500er im zentralen Abruzzo, doch meine Angst vorm Hunger nimmt Ausmaße an wie einst Lucullus im nahen Rom sie mal verspührte…. gibt’s hier was zu futtern?
Sieht nicht wirklich danach aus.
Ich bleibe sitzen….
Ankunft in L’Aquila (gesprochen: Lakquila), einer Sache die nicht einfach zu beschreiben ist…..
Im Jahr 2009 zerstörte ein Erdbeben nahezu die ganze Stadt, fünf Jahre ist das nun her und als ich ankomme, kann ichs garnicht fassen; Baukräne überall, das hämmern und dröhnen von Baumaschienen, überall, ja überall Gerüste an Fassaden die Jahrhunderte alt sind.
Als wenn eine völlig neue Stadt erbaut wird, einfach unglaublich das Ganze.
Über 300 Menschen starben damals, 33.000 mussten ihre teils zertörten Häuser verlassen, und noch heute leben um die 20.000 noch immer in eilig hochgezogenen Wohnungen die eher an Container erinnern. Mir ist noch heute der krasse Satz von Berlusconi in den Ohren, der zur Katastrophe von L’Aquila sagte: “man soll doch mal alles nicht immer negativ sehen, ist doch wie Campingurlaub”. – als die ersten Zelte für die vielen nun plötzlich Obdachlosen aufgestellt wurden…. einige Jahre ist es nun her als ich das mal im Fernsehen mitbekommen hatte.
Heute ist L’Aquila Italiens größte Baustelle.
(Bild: Ich auf der Piazza Duomo, im Zentrum der Stadt mit dem frisch renovierten Dom. Alles andere ringsum ist noch komplett Baustelle)
