Irland – Kylemore Abbey

Ruhige Tage im Kloster halfen meinem Leiden schnell ein Ende zu setzen; die entzündete Sehne hat sich wieder bestens erholt, so sehr, dass ich sogar wieder einen Berg in der Nachbarschaft erstürmen konnte. Endlich wieder raus an die raue, frische Luft.
Ruppiger Wind und Regenfronten, die wie dunstiges Walzwerk aus der Ferne über’s grüne Land rollen, lassen mich das pure Irlandfeeling spüren.  Es ist ja nie kalt, und wenn es wieder nass wird, schützen die dicken Mauern von Kylemore zuverlässig.
Hier in der Benediktinerinnen-Abtei dachte ich anfangs an einem verwunschenen Ort zu kommen, abgelegen und geheimnisvoll irgendwo zwischen den Bergen Connamoras gelegen, wo es ruhig und einsam ist…
Von wegen.
Touristenscharen schieben sich permament, teils sich aus riesigen Bussen entladend, die sich reihenweise hier anstellen, durch den großen Souveniershop, sowie dem Militärisch betriebsamen Restaurant nebenan. Zum Glück ist die Anlage dermaßen groß,  dass sich die internationalen Massen einigermaßen zwischen alten Bäumen und englischen Garten verlieren.
Fluch aber auch Segen zugleich ist die Touristenschwemme: Millionen Euro kostete die Renovierung sowie der Wiederaufbau und Pflege des gewaltigen Parks drumherum, was auch noch heute die gesalzenen Eintrittspreise zur Anlage erklärt.

Doch mitten im Schwall der zahlenden Touristen, treibe ich in mein ganz persönliches Refugium, unserem eigenen Gästezimmer hier im Schloss.
Edmond kennt einige der Nonnen hier. Wir sind eingeladen und wohnen als Gäste an einem der besondersten Orte Irlands.

Vor fast 140 Jahren noch als Schloss erbaut, dient der pompöse Prachtbau heute als Abtei in der ungefähr 10 Schwestern wohnen.
Das meiste der feudalen Anlage ist allerdings für touristische Zweke im Betrieb,  da die bescheidenen Nonnen nur wenig brauchen.
Doch hier hinter den dicken Mauern, ganz privat im großen Gästetrakt fühle ich mich fern vom Rummel der Tagestouristen, komme sogar mit den geschäftigen Nonnen ins Gespräch.
Ein Einblick vom feinsten, wobei wir hier völlig frei und unbefangen sind; der Alltag der Schwestern im Klosterleben bleibt uns dennoch verborgen, jeder hat seinen Platz und geht seinen Weg.
Lediglich zu den Gottesdiensten sind wir alle beisammen, abgesehen vom einem oder anderen Besuch einer Schwester im Gästehaus.

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