… Inselhopping, Spanien / Kanarische Inseln

Nach nur zwei Tagen -und Nächten auf See erreicht die Fähre Las Palmas, die Hauptstadt Gran Canarias und somit dessen größter Hafen.
Größer als jener in Cadiz wirkt der Hafen hier allemal;  überall Container,  Container überall. .. der Konsum dieser so an Verbrauch zehrenden Welt fordert das, hier kommen die ganzen Güter vom Festland auf die Inseln, jedes Jahr mehr und mehr…. wie aus einem Sciencefiction Film brausen seltsame Fahrzeuge durch die bunte Containerlandschaft, wie Spielzeug sehen manche Maschienen hier aus, es macht Spaß hier vom Deck aus dem geschäftigen Treiben zuzuschauen.

Satte fünf Stunden liegt die Fähre hier im Hafen,  viel Zeit um einige Dinge zu erledigen die sonst im Wanderleben zu kurz kommen. Ich kümmere mich unten, eingebettet im Polstersitz um meine Website www.metropolen-der-zukunft.de, einem alten Projekt zur Erforschung zukünftiger Entwicklungen von Millionenstädten in der ganzen Welt. Das ist ein Hobby von mir was ich mit großer Leidenschaft verfolge. Informationen dazu recherchiere ich so oft es geht im Internet,  was aber seit ich im Wanderleben bin nicht mehr ganz so einfach ist.
Doch manchmal ist eben Zeit dazu, wie jetzt halt.

Unten am Infoschalter (die Fähre hat fünf Stockwerke) tobt ein dummer Trottel dermaßen wild, das Polizisten eingreifen müssen; erst jetzt erfahre ich, dass der erste Stopp, Lanzarote nicht angefahren wurde, wegen des enormen Sturms und Seeganges wohl nicht möglich,  scheint eben dieser eine Typ zu meinen, hier völlig auszuflippen.
Irgendwie sieht das eher lustig aus wie sich eineige (gottseidank wenige) vollständig zum Affen machen.

Teneriffa mit ihrem Haupthafen Santa Cruz ist nun am Abend erreicht, auch hier mit fünf Stunden Liegezeit im Hafen.
Nach einer wahren Odyssee auf der Suche nach einem gewohnt billigen Supermarkt in Hafennähe, finde ich supergestresst den Weg zurück um noch rechtzeitig das Auto zur Fähre mitzukriegen. Die ist fussläufig unerreichbar ganz hinten im geschlossenen Bereich des Hafens vor Anker.
Doch ausgestattet mit Literweise spottbilligem Trinkwasser, sowie einem Liter Bier (0, 6 Liter -zwei Dosen Bier, kosten auf dem Schiff sieben Euro) für 80 Cent (und es schmeckt sogar wirklich! ) gehts nun zum Sonnenuntergang auf Deck, sitze allein auf dem grünen Metallboden und schaue rübet zur AIDA, die gerade losmacht und mit gewaltigem Dröhnen sich von Santa Cruz verabschiedet.
Dreimal tutet der 220 Meter lange und über 10 Stockwerke hohe Gigant, der nun langsam aber unaufhaltsam an meiner Fähre vorbeizieht, glitternd und flakernd voller Lichter zeigt diese  schwimmende Kathedrale der allgegenwärtigen Wohlfühlgesellschaft, wie gut es uns Menschen heute doch geht.
Ebenfalls vorbei an der nicht minder großen “Mein Schiff”, einem weiteren Superkreuzer (natürlich auch mit tausenden Passagieren aus der lieben Heimat) werde ich Zeuge einer neuen, ganz besonderen Zeit in der Geschichte der Menschheit;  anstatt sich zu bekämpfen,  anstatt sich mit Kanonen zu beschießen,  pfeifen sich die Insassen der neuen Superschiffe unserer Zeit einfach zu, immer wieder blitzt es beiderseits,  jeder macht ein Foto des jeweils anderen….

Welch ein Glücklicher Moment, auch hier für mich, ganz allen auf dem Grün Gestrichenen Metallboden mit dem Billigbier in der Hand, hier auf der schrabbeligen Fähre,  ganz abseits dieset schwimmenden Glitzerwelten.
Mittlerweile finde ich sie sogar sympathisch,  ja irgendwie freundlich,  da ich schon als Kind große Schiffe seltsamerweise als “böse” empfand, ja als bedrohlich sogar. Vermutlich weil in Film und Fernsehen immer nur Kriegsschiffe zu sehen waren, aber auch die Butterfahrt mit Oma auf der Nordsee damals nicht wirklich kindergerecht war….

Ich freue mich wieder über all den Wohlstand,  dass es so vielen Menschen so gut ergeht, auch im Bewusstsein das es zugleich noch nie soviel Armut anderswo gibt, es ist also noch viel zu tun für uns Menschen,  verdammt viel. Aber alles dermaßen schlecht zu reden, wei es Medien oder so mancher am Stammtisch vermögen, ist auch nicht das Wahre….

Etwas schnasselig vom Bier schlafe ich trotz starken Wellenganges recht gut.
Das letzte Ziel der berühmten Kanarenfähre ist um acht Uhr morgens erreicht: La Palma, die nördlichste der sieben Kanarischen Inseln, wo ich nun über drei Wochen bleiben werde, wo mich bald Edmond wieder besuchen kommt….

Ausgeschlafen schaue ich vom hohen Deck in den übersichtlichen Hafen von Santa Cruz de La Palma, der Blick ist klar und rein wie die Luft.  Es schmeckt nach See und Salz,  der leichte Wind ist mild wie ein lieblicher Sommermorgen.
Ach schaue mal, wie ein schlafender Kollos liegt weit drüben die dicke AIDA wieder, sie ist schon vorher los und hatte das gleiche Ziel.

Endlich wieder Land. Der Wanderwagen rollt hinaus, mit mir auf diese herrliche Insel…..

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