England / Manchester

Am nächsten Morgen wundere ich mich wie gut ich dennoch schlafen konnte. Hatte gestern Abend ja etwas bange, dass mir nächtens der Hals dicht wird vor Gestank.  Doch ein sauberer Socken über Mund und Nase, scheint mich vor Schlimmeren bewahrt zu haben.
Ich Lüge dass ich schon heute wieder weiter muss; habe es eilig, da ich einen Job im Internet fand der in der City zu erledigen ist…
Sam wiederholt sein Angebot so lange zu bleiben wie ich es wolle, doch beim besten Willen, ich stieg über die Katzenscheiße hinab, und verschwinde in die frische Luft.

Na, jetzt beibt wieder mal das Hostel übrig.  Habe ja noch etwas Geld.
In Hatters Hostel finde ich auch ein freies Bett und freue mich über den sonnigen, warmen Tag hier und jetzt in Manchester.

Spannend ist es hier allemal,  an diesem Ort wurde die Industrie erfunden, die erst England, dann den ganzen Kontinent zu dem machte, was er heute ist.
Manchester, vor 300 Jahren noch ein Dorf, konnte von seinen Flüssen und Bächen ringsherum,  profitieren;  einst mit Wasserkraft -also mit Wasserrädern angetrieben,  gründeten sich hier die ersten Manufakturen,  die berühmten Textielfabriken die ihrer Zeit nahezu die ganze Welt mit Tuch, Kleidung und Stoffen versorgte.
Noch heute werden diese Fabriken “Mills” genannt, da es sich lange Zeit um Wassermühlenwerke handelte, bis später dann die Dampfmaschine (in Birmingham) erfunden wurde, welche die Wasserkraft ablöste.

Es musste damals vor 250 Jahren ein gewaltiger Umbruch gewesen sein; Überall in Mittelengland wuchsen die ehemals kleinen Bauersiedlungen zu riesengroßen Industriestädten heran.  Manchester und Birmingham waren voller ziegelroter Fabriken,  die mit ihren gezackten Dächern und den vielen Kaminen ein völlig neues Bild in der Geschichte der Menschheit zeigten; England erfand die Industrie,  die Massenfertigung mit ihrer bekannten Ästhetik rauchschwarzer Himmel über den Arbeitersiedlungen, die trist und eintönig die Großfamilien der ausgebeuteten Arbeiter eine enge Unterkunft boten.
Noch heute sehe ich überall hier diese kleinen Wohnungen,  längs der Straßen dicht an dicht, wo einst bis zu zehn Familienmitglieder ihr Dasein zur Zeit der “Ersten industriellen Revolution” fristeten.

Auch die Fabriken,  heute natürlich seit gut hundert Jahren nicht mehr in Betrieb,  stehen noch teilweise im Stadtbild herum.  Oft verwildert, meist als Garage oder Werkstätten benutzt,  wechseln diese alten Zeugen einer bahnbrechenden Zeit mit modernen Gebäuden aus Glas und Stahl.
Manchester hat viel durchgemacht, noch in den 70er Jahren, wo der industrielle Niedergang wieder mal einen Höhepunkt erreichte, waren hier gut 60 % Arbeitslos.
Alles hier war finster, die Städte schrumpften und darben vor sich hin. Halt das in Deutschland alt bekannte Bild einer tristen, Englischen Stadt.
Heute aber ändert sich das sehr; schon seit einem Jahrzehnt wird überall gebaut. Mittlerweile sieht es hier im Zentrum aus wie in allen Millionenstädten: Hochhäuser,  Verkehrskollaps, Mac Donalds und aufgetakelte Partymäuse überall.
Möglich macht das die neueste Entwicklung in der Geschichte dieses Landes: Die Finamzindustrie, dem Märchen vom geliehenen Geld was nahezu grenzenlos zur Verfügung steht…
Jedenfalls hat das schon sein Gutes, ich spaziere hier durch eine Stadt wie sie wohl größer und lebendiger nie gewesen ist.
Doch ob es immer so weitergehen soll, immer mehr Geld -mittlerweile aus Quellen ohne objektiver Wertschöpfung, da England kaum noch nennenswerte Industrie besitzt,  ins System zu pressen, immer mehr Geld einfach zu drucken,  das wird sich zeigen im ständigen auf und ab, im wechselbad der Geschichte dieses großen Landes….

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