England / Manchester

Bei Thomas sieht es zwar auch aus wie nach einem Atomschlag, doch die Luft hier ist nicht dermaßen zum schneiden wie noch bei Sam.
Komischerweise sind englische Wohnungen oft ziemlich durcheinander, zumindest gemäß meiner Erfahrung hier im Lande.
An diesem Tag, einem Samstag, gehts weiter nach Liverpool, einer wichtigen Stadt in der Nähe;  Liverpool wuchs einst als Hafen für all die neuen Industriestädte im Landesinneren heran,  und vor allem wegen des sehr einträglichen Sklavenhandels vor 300 bis 170 Jahren.
Das machte den Ort am Meer unglaublich reich, was man auch sieht. Im Gegensatz zu Manchester, was auch im sämtlichen Kriegen – besonders im zweiten Weltkrieg, nicht dermaßen zerstört wurde, so dass noch viel an historischer Bausubstanz erhalten blieb.

Schon früh erreiche ich mit dem Bus Liverpool wo ich auch schon verabredet bin. Allerdings -mittlerweile organisierte ich mir eine Telefonnummer und ein Handy, werde ich gerade bitterböse versetzt: ” Sorry, chance my plan for today, i can’t host you. Sorry…”
Das schlägt ein…. somit hänge ich jetzt auf der Straße,  hier inmitten der Menschenmassen eines Samstagmittags im Zentrum einer Metropole.
Weder möchte ich jetzt Stunden mit der digitalen Suche nach einem Bett bei Mac Donalds WiFi-Sevice verbringen,  noch werde ich nicht wieder die Sache mit meinem Portemonnaie lösen.  Zu teuer sind die Hostels heute an diesem schrecklichen Samstag, wo jedes Stadtzentrum aus allen Nähten zu platzen droht, da die saufeden Tagestouristen aus dem Umland jedes ferfügbare Bett belegen, Jungesellenabschiede, Firmenbelegschaften und Studentenhorden auf Alkoholjagd sorgen für ein Bettpreis von sagenhaften 25 Pfund, da diese ja soooo begehrt sind. Uff… da spiele ich nicht mehr mit.
Also Plan B ist angesagt, ich nutze den schönen, sonnigen Tag um etwas von der Stadt noch zu sehen; mit schweren Gepäck schreite ich durchs Zentrum mit seinen ausgedehnten Einkaufsstraßen,  alles hypermodern in Glas und Stahl auf dem neuesten Stand gebracht.
Auch die Hafengegend, einst fürchterlich heruntergekommenen,  heute blitzblank im neuen Schein erstrahlend, zeigt mir das Liverpool wieder da ist.
Noch in den 70er Jahren befand sich Liverpool auf dem Tiefstand seiner Geschichte;  unglaubliche 90 % Arbeitslosigkeit soll es hier gegeben haben, und das in einer Stadt dessen Hafen mal der mächtigste dieser Welt war: 40 % des gesamten Welthandels wurden um das Jahr 1800 über Liverpool abgewickelt; England, damals die Werkbank und Zentrum der Welt, produzierte nahezu alles für seine Kolonien,  Textilien aus Manchester, Getreide und Stahl aus Sheffield. Alles über diesen einen Hafen.
Und noch heute blicke ich auf die mächtigen Fassaden alter Prunkgebäude im Hafen. Auch der gewaltige, stumpfe Viererturm der kolossalen Kathedrale in der Ferne beeindruckt sehr.
Liverpool scheint eher wie eine Hauptstadt auszusehen,  ein Regionalhaupstadt einer großen Zeit im damals mächtigsten Land der Welt.
Im Gegensatz zu Manchester wirkt Liverpool  großartiger, mit mehr Identität.  Nicht zuletzt auch wegen seiner jüngeren, musikalischen Geschichte; hier gründeten sich um die sechziger Jahre die Beatles.
So viel Geschichte an einem Ort….

Aber meine Zeit ist schonwider vorbei, ich muss den halben verbleibenden Tag wie üblich für die Organisation meines künftigen Schlafplatzes verplempern. Heute dann für die Busfahrt nach York, wo ich jederzeit bei Manfred,  Onanda und Gordon wilkommen bin. York, die freundliche Stadt wo ich einst so gut zu untergekommen bin und wirklich Freunde fand.
Das kommt mir jetzt wirklich zugute. York ist nur etwa 100 Kilometer weit und dort fahre ich jetzt hin; Busse verkehren hier in England permanent. Ein Glück.

Die spannende, schöne Stadt Liverpool zieht am Fenster des Linienbusses vorüber,  hier konnte ich heute leider nicht bleiben….
Zumindest konnte ich aber einen kleinen Eindruck gewinnen.

Juhuuu, ich fahre jetzt wieder nach York….

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