Monaco, das völlig umgeben von Frankreich ist, verlasse ich schon am nächsten Tag. Klar ich könnte noch gern länger bei Jean bleiben, der in einer ganz normalen Mietwohnung am Rande des Zwergstaates lebt, doch ich bin schonwieder verabredet im 140 km entfernten Genua (Genova), womit ich nun auch Frankreich wieder verlasse.
Monaco ist an sich sehr Französisch geprägt, wenn auch die “echten” Monegassen, die lediglich ein Fünftel der Bevölkerung stellen, einen Ligurisch-Italienischen Dialekt sprechen. Die meisten Bewohner hier sind reiche Franzosen, Italiener und von Überall. Auch Jean kam einst aus den hohen Bergen bei Grenoble in der Region Rhone Alpes, die ich in einigen Wochen auch besuchen werde, wenn ich wieder nach Frankreich zurückkehre.
Doch zuvor treffe ich endlich meinen Freund Georg, der mir schon ein Flugticket vom Italienischen Turin nach Bari organisiert hat. Turin, eine Millionenstadt liegt nicht weit von hier und dort muss ich irgendwie meinen Wanderwagen loswerden, zumindest für die zwei Wochen die ich im “Urlaub” zusammen mit Georg (oder Edmond, -er hat fünf Namen und ich nenne ihn mal so, mal so…)
verbringe. Dazu habe ich mir schon womöglich geeignete Gastgeber bei “Couchsurfing” ausgesucht; im Garten bei einer Turiner Familie dürfte es genug Platz geben um dieses fette Geschoss unterzustellen.
Doch kommt es soweit?
Wieder ist es nahezu ein Desaster mit diesem Ding es von Monaco bis hinter die Grenze nach Italien zu schaffen; der volle Zug ist eine wahre Zumutung, da es einfach (wie immer) keinen Platz für einen überdimensionierten Gepäckwagen gibt… und da er zudem noch kaputt ist, und ich nur sehr schwer die vielen Treppen damit bewältigen kann, (In Italien angekommen, gibt es keine Fahrstühle, nichts…) gerate ich wieder an meine Grenzen…
Schnell muss ich den Zug wechseln, die Treppe also runter zum nächsten Gleis auf der anderen Seite, doch dann passiert es: mir rutschen die 30 Kilo ab, halte nur noch den defekten Lenker in der Hand, versuche aber noch über das Bremsband den in Turbulenzen geratenen Wagen zu halten, und fliege gleich hinterher.
Zweimal überschlägt sich der Wanderwagen, überall liegt der Inhalt umher und ich kann mich gerade noch abfangen, knalle mit den Knien nach vier Metern freien Fall auf den Beton, und sehe nur noch einen weißen Blitz; mein Gesicht schlug ebenfalls auf, zu groß war die Wucht des Sturzes… Blut, überall Blut….
Es ist nur die Nase, die ist bei mir ohnehin recht empfindlich, doch schnell kommen viele Leute und helfen mir auf. Wie dramatisch muss dies alles ausschauen, oh jeeee…… oh jeeee…
Schnell merke ich dass nichts passiert ist, keine bleibenden Schäden. .. zumindest glaube ich das jetzt, und einige Leute helfen mir den Unglücklichen Gepäcktransporter zum nächsten Gleis hochzutragen… doch da bin ich nicht willkommen; der Schaffner zeigt mir einen anderen Zug. Der steht aber still momentan und ist leer. Ich schmiere mir das Blut aus dem Gesicht und glaube ihm nicht. Schnell zum nächsten da drüben, doch der schimpft nur “Impossible” und zeigt auf den Wanderwagen.
Ich flippe aus… zeige mein Tiket (noch in Monaco gekauft) und schimpfe wie ein Rohrspatz, es muss doch zumindest möglich sein, sage ich auf Englisch, Deutsch und Spanisch….was ich halt so kann.
Doch keine Chance, der Typ von der Italienischen Bahn hindert mich sogar handgreiflich den Wanderwagen in den engen, hohen Türeingang zu buchsieren.
Ein weiterer kommt hinzu und besänftigt zum Glück ein wenig; ich flehe und schaffe es dann doch hinein. Im letzten Wagen, ganz hinten….
“Pronto”, schimpft man mir noch nach, und ich demontiere in stürmischer Hetze mein Gefährt, schmeiße alles in den alten, engen Zug der dann auch gleich losfährt.
Da sitze ich nun, mache mir mit Mineralwasser das Gesicht sauber und bin am Ende….
Nun ist völlig klar was zuvor schon recht deutlich wurde: Niemals, niemals mit Bus und Bahn auf Tour zusammen mit dem Wanderwagen.
Unterwegs versuche ich zu entspannen, überlege was ich machen kann… ich MUSS dieses Ding irgendwie loswerden, muss ihn zurück nach Deutschland kriegen.
Heute in Genua ist Endstation, dann gehts auf alle Fälle nur noch mit dem Rucksack weiter.
Dann muss ich mir was einfallen lassen, ich will den Wagen einfach nicht zurücklassen. …