…. Den Berg bezwingen…. / Spanien

Nach dieser ersten Nacht auf der Insel wache ich ausgeruht,  aber ziemlich geölt auf, der Vortag mit seinen Strapazen hatte mich ordentlich ins Schwitzen gebracht.  Dann völlig ungewaschen einfach in die Haia ist dann schon so eine Sache.
Katzenwäsche mit dem Rest aus der Trinkflasche möge für heute morgen genügen,  es geht weiter zur Straße der ich mich jetzt mit neuer Kraft stelle.

Wieder droht ein Fiasko: Nur wenige hundert Meter weiter, bahnt sich bedrohlich der Verkehr in Richtung eines Tunnels. Ganz klar mit dem deutlichen Verbot für Fußgänger und Radfahrer, und die rettende Bergstrasse rechts davon ist komplett gesperrt,  fast undurchdringlich mit Zäunen dicht, ist auch diese Alternative passé.
Doch das hält mich nicht ab, nie werde ich umkehren, nur weil ich Fußgänger bin ? Nur weil ich dem Mega Trend des Autos nicht folgen will ?
Wütend schiebe ich den Bauzaun etwas auf, schiebe mich und den Wanderwagen durchs Flatterband bis es reißt und bin durch.
Natürlich rücke ich den Zaun wieder zurecht, Autofahrer hupen mir wahrscheinlich ihr Unverständnis zu…. doch ich will auch vorran kommen, ohne 1, 5 Tonnen Zwangsmotorisierung unter’m Hintern…

Schnell gelange ich um die Ecke und der Straßenlärm verliert sich hinter mir, geheimnisvoll windet sich völlig leer und verlassen diese eigentlich sehr gut ausgebaute Straße den Berg empor, Steine liegen manchmal auf dem Asphalt und lassen ahnen weshalb hier niemand sein darf.
Dann sogar auch ganz dicke Brocken,  die Straße ist gesperrt wegen Steinschlages, das ist nun offensichtlich.
Wahrscheinlich muss wohl mal etwas die Erde gebebt haben, überall verstreut sich Geröll auf der Fahrbahn und ich bahne mir den Weg an die Faust bis Fußballgroßen Steine vorbei.
Hoffentlich bleibt der Berg auch ruhig während meines kleinen Durchganges hier, hoffentlich kommen nicht noch weitere Hürden oder gar Absperrungen.  Ein Weg ins Ungewisse….

El Paso sage ich immer zu Paul, unserem Ziel, mein Gott,  wir sind doch hier nur auf La Palma, der Urlaubsinsel und nicht in Afrika….

Aber auch schöne Seiten zeigen sich alsbald; ganz allein wandele ich auf einer komplett gepflegten Bergstrasse,  höre stundenlang kein einziges Auto, begegne absolut Niemanden,  als wenn es La Palma wieder gut machen wollte….
Wie die Brandung ferner Wellen an der Küste hört sich der Wind an, der mit Macht durch tausende Baumkronen kämmt, weit über mir am hohen Berg den es noch zu bezwingen gilt.
Die wohl letzte Hürde: Ein 1100 Meter langer Tunnel, der zum Glück,  ja zum Glück nicht auch noch gesperrt ist. Wie eine Geisterstraße ist hier einfach alles offen und sogar beleuchtet,  ich ziehe mich warm an und  schreite geschwind durch die lange Röhre, scharf weht der Wind hier durch, zum Glück von hinten. Unheimlich ist es hier…schnell weiter…

Geschafft. 
Auf der anderen Seite ist das Klima nun völlig anders; nebelig und feucht, teilweise wieder klar… ich bin hier in den Wolken, von nun an geht’s nun permanent bergab…
Auch botanisch hat sich die Szenerie vollständig geändert: Wo zuvor beim Aufstieg dunkle Wälder aus Lorbeer und Edelkastanien das Bild bestimmten,  sind es jetzt alte, buschige Kiefern, deren zartes Rauschen im Wind aber eher eine friedliche Atmosphäre schaffen.
Bergab, immer bergab ziehe ich wieder dem Blauen Himmel entgegen,  im Tiefland wird es wieder spürbar wärmer,  Kakteen und die ersten Palmen beruhigen vom kürzlich vergangenen,  nordischen Intermezzo.
El Paso, wie erwartet eine Gesichtslose Ortschaft ist erreicht.  Hier versuche ich nun herauszufinden wo Peter sich versteckt, gehe dafür am besten ins Cafe, bestelle eine kalte Cola plus WiFi Code und zücke den Tablet-PC.

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