Italien -Region Veneto-  (03.10.2014)

Etwas Zeit für Padua bleibt mir noch nachdem ich Adriano wie verabredet am McDonalds nahe des Hauptbahnhofes getroffen hatte, einen echt freundlichen, jungen Typen der unglaublich zuvorkommend mich wie eine hübsche Frau hofiert; klar, wir sind beide bei P. Romeo, einem Gay Dating Netzwerk, und da klappt’s gern mal etwas flotter als bei Couchsurfing.
Dennoch ziehe ich erstmal allein durch die Stadt, verbinde alle drei großen Basilliken und bin müde zum Dunkelwerden zurück. Jaja, der liebe Antonius verschafft mir anschließend noch jede Menge Spaß, daheim bei meinem Gastgeber.

(Bild: Tolle Perspektive auf die Basillika im Abendlicht)

Italien  -Region Veneto-  (03.10.2014)

Padova (Padua) – 210.000 Einwohner –

Selbstverständlich steht auch Padua auf der Agenda, mit seiner sagenhaften Basillika des heiligen Antonius. Der lebte hier mal im elften Jahrhundert und zieht noch heute scharenweise Pilger an, die ihm bitten verloren gegangenes, wieder zu bekommen. – Dafür ist St’ Antonius eben zuständig, gern auch als Wegweiser für die große Liebe; man sagt ein Besuch in Padua zum Antonius, bringe das nötige Glück dafür…
Mir hingegen hat St’ Antonius mit Adriano eine gute Zeit verschafft; noch in letzter Minute ergatterte ich ihn auf einem Onlineportal und mailte direkt drauf los: “Hey, i’m Jens, a real nomad on Tour through all 20 Regions from Italy, and later the complete World…. so i found your profil and maybe you are interested for a meeting 🙂  – I’m searching also a place for tonight. A Sofa its enough, maybe with a bit conversation… look also my website: www.wanderleben.com (its in german, but translate by google in italian) See you (?)”

Sowas mache ich oft spontan im Dating Online Portal “Planet Romeo”, oft mit wenig Erfolg oder mit eben entsprechend dummen Antworten zurück. Aber Adriano sagt mir promt zu. Ich rufe laut juhuuuu, in der kleinen Bar, Vormittags in Chioggia, und finde schnell den Bus nach Padua.

Italien  -Region Veneto- (02.10.2014)

Nach einer kleinen “Pause” bin ich wieder in Italien….jaaa, mittendrinn und endlich da wo nur die Einheimischen sind.
Nach einigen Tagen in Wien, auf Einladung meines lieben Freundes Hansruedi, den ich damals in Bern kennenlernte, mache ich hier weiter. Der Zug (Hansruedi sponsorte mir die Tikets) brachte mich gestern zurück nach Venedig, stieg aber schnell um in den Bus nach Chioggia, ca 40 km weiter, ganz im Süden der Venezianischen Lagune gelegen.

Chioggia, ein völlig anderer Ort; Kanäle, Brücken und morbide Häuser die im Wasser stehen, aaaaaber der einzige der hier nicht Einheimisch ist, bin ich. Kein einziger Tourist lässt sich hier im “Kleinen Venedig” blicken. Zwar explodieren zuwar zum Sommer hier die Gästezahlen, aber das sind hier in der Regel Italiener auf Badeurlaub im angrenzenden Hotel-Strand-Endlos-Komplex Sottomarina. Dort fand ich gestern auch in einem wilden Waldstück abseits der (geschlossenen, weil Season zuende) Campingplätze, ein Versteck für mein Zelt.

Frühstück, Rasur und Zähneputzen findet heute aber am Strand statt; tolles, warmes Wetter und der Duft der Adria…. ich kann sogar die Berge hoch im Norden sehen, sowie die Raffinerie in Venedig, so klar ist die Luft…

Jaja, es gibt einiges zu verdauen; in Wien war meine Mission nicht geglückt. Etwas gestrandet fühle ich mich jetzt hier; mein Buch über den Jakobsweg wird von Hansruedi nicht unterstützt. Seine Buchhändlerin – der er vertraut, war eben nicht der Meinung dass mein Werk ein Bestseller werde….
Somit zog ich einst nach Wien um dies dort zu erfahren….

Ich atme durch und gucke nach vorn; heute wollte ich weiter nach Padua ins Landesinnere, doch habe dort keinen Gastgeber. Was ich genau heute mache, weiß ich nicht wirklich… Ich gucke auf Google Maps die Umgebung Paduas an, finde kaum freies Land zum Zelten, alles sehr dicht besiedelt….

Mal sehen, irgendwie wird’s schon klappen….

(Geplanter Wegverlauf: 02.10  –  Padua/2Tage.  04.10 – Bologna/2 Tage  06.10 – Rimini/ 1 Tag danach SAN MARINO.)

Italien  -Region Veneto-  (27.09.2014)

Eine Mammut-Tour steht mir heute bevor:
Zuerst bringt mich Paolo im eigenen Boot vom verträumten Torcello in aller Frühe zur Nachbarinsel. Das junge Tageslicht wirkt hier noch so unschuldig, doch ich werde schon bald erleben wie garstig Venedig sein kann, wenn ich aus dem Schutze meines wunderbaren Gastgebers entschwinde und die Stadt mich als Tourist auffrisst.
Bereits am Bahnhof warte ich ganze 40 Minuten um erstmal ein Tiket zu lösen, um erstmal hier hinaus zu kommen; unglaubliche Menschenmassen drängen sich hier bereits, wie Gebirge sammeln sich Koffer, Taschen und was weiß ich hier… endlich bin ich drann und hoffe die Aktion klappt jetzt: Ein Tiket nach WIEN.

Ja ich reise heute nach Wien… das liegt nun wirklich nicht auf meiner Route, sowie auch nicht im Plan. Aber es geht um Wichtiges: Hansruedi hatte mich die Tage in einer Mail dazu eingeladen ihn in Wien zu besuchen.
Hansruedi kenne ich noch aus Bern und er würde mir ein Darlehen für das Buch welches ich vor zwei Jahren schreib, ermöglichen. Ein Verlag ist ja gefunden, doch der will erstmal tonnenweise Geld sehen, bevor irgendwas passiert.
Somit besinne ich mich meiner zeitlichen Spannweite; erst zum 25. Oktober soll ich in Rom sein um dort meinen Freund Georg zu treffen, genug Luft also noch um Hansruedi kurz in Wien zu besuchen. Es kostet mir nichts, Zug und Hotel sowie Essen spendiert er mir, wir sind Freunde geworden und er mag mir bei meinem Wanderleben helfen. Zudem wolle er sich nun auch über mein Buchprojekt unterhalten.

Mann, ist das spannend. Wenn ich jetzt das Sponsoring für meine Buch-Veröffentlichung schaffe, wäre das großartig,  – der erste Schritt mir im Wanderleben ein Standbein zu verschaffen, einen Namen zu machen.

Bis Mittwoch werde ich in Wien bleiben, dort entspannen, das Buchprojekt planen, Couchsurfing Anfragen massenhaft versenden, und ganz ganz viel mit Mama und Georg “scypen”.

Erst am Mittwoch ziehe ich wieder zurück in den Veneto…

(Bild: Totales Chaos am Bahnhof Venedig-Mestre, dort gibt es ganz bewusst nur wenig Tiketautomaten, drei besetzte Schalter der Bahn, wo die Wartezeiten zum Kauf eines Tikets ins Grenzenlose gehen, um es den ungeliebten Tagestouristen bloß nicht irgendwie einfach zu machen  – ja, das haben mir die Venezianer selbst gesagt !)

Italien  -Region Veneto- (26.09.2014)

Feierabend, eine kalte Dusche (es sind 25 Grad!) und reichlich zu Futtern gibt mir Paolo, -rosa Schinken, Mozarella und rosa Sekt.

So endet wieder eine tolle Zeit, diesmal hier in Venedig und ich bin stolz: Venezia völlig kostenlos …. nie hätte ich zuvor gedacht, ausgerechnet hier so gut davon zu kommen…. selbst die Wassertaxis nach Torcello sind bezahlt; meine Arbeit brachte mir noch etwas Geld ein, Paolo gibt mir wirklich noch eine Spende, ich kann’s kaum fassen ….Somit verlasse ich morgen Venedig sogar mit einem Plus in der Tasche….

Ich denke solche Besucher sieht diese Stadt wirklich selten….

Italien  -Region Veneto- (26.09.2014)

Venedig

Hach, was ich alles noch über Venedig schreiben könnte…. doch heute an diesem Freitag bleibe ich komplett hier auf Torcello und arbeite im Garten von Paolo.
Ich brauche jetzt die Ruhe hier, bin noch von gestern gut versorgt mit all den Eindrücken der Altstadt, entkomme nun dem Chaos….

Ach Torcello, immernoch auf Venedigs Stadtgebiet gelegen, aber irgendwie so weit davon…. Paolo ist sowas von gut zu mir, dass ich mich wohlfühle, was für ihn zu tun; sein Garten, eher ein Anwesen ist gewaltig groß.
Auf seinem Artischoken Feld habe ich ordentlich zu tun, die alten Blütenstände müssen raus, das Grass mit dem Freischneider vorsichtig von den Disteln entfernt werden.
Auch um all die Bäume und Sträucher im Garten schneide ich mit dem lauten Gerät, die Vegetation frei. Währendessen empfängt Paolo Touristen, die sich hier bis zu ihm verirren, denen zeigt er die Werke seines Onkels, sowie die Ruhe Torcellos, stellt sogar mich vor: “This is a systematik Traveler” …. und ich erzähle ein bischen vom Wanderleben.

Italien -Region Veneto-  (25.09.2014)

Jajaja, wer mich kennt, weiß was dass ich gern der einen oder anderen Kapitalismuskritik zustimme.
Offensichtlich sehen das in Venedig einige auch so und ich freue mich total über diese Karikatur des “Hässlichen Touristen” an einer Wand.

….Fluch und Segen zugleich, einerseits macht der extreme Massentourismus die Einwohner reich an Geld, anderseits verlieren sie somit aber ihr authentisches Zuhause und werden zu einem Zoo.

Ganz offiziell ließ die Stadtregierung vor einigen Jahren verlauten, “Tagestouristen sollen besser weg bleiben” sie bringen wenig Geld und belasten nur die Stadt. Recht haben sie damit wohl, doch moralisch bleibt die Sache offen: Ich selbst dürfte demnach ganz besonders unerwünscht hier sein …. bisher schaffte ich es nahezu keinen Cent hier zu verlieren. Ich meide tunlichst die Cafes mit ihren Wucherpreisen, esse nur was Paolo mir mitgegeben hat oder bei ihm auf Torcello. Ein Spiel mit der wohl Geldgierigsten Stadt des Planeten, welches ich mit Respekt aber auch der gewohnten sportlichkeit begegne, hier zu überleben.

Und Paolo, findet das auch noch gut. Soviel zur Moral der Sache 🙂

Italien   -Region Veneto- (25.09.2014)

Venedig

Mann, was sind die alle gestresst: Hier auf der Rialto Brücke, der einzigen großen Überbrückung des Canal Grande, welcher wie ein Fragezeichen geformt die Inselstadt durchschlängelt, ströhmen täglich zig tausende von Touristen. Manchmal geht nichts mehr und alles steht. Die ganz wenigen Einheimischen rufen wütend nach Platz um sich durch zu wurschteln….  Smartphones und Fotoaparate überall… vor der Basilika am Markusplatz dauert’s schon morgens um 10 am Einlass locker eine Stunde, weil 500 oder 1000 Touristen Schlange stehen.

Einerseits fasziniert mich die Stadt, ihre komplett Autofreie Altstadt und ihr einzigartiges Erscheinen, anderseits verliert sich der Ort fast völlig in seinen Besuchermassen, und bedrückt mich dermaßen, dass ich nicht lang hier bleiben will….

Italien  -Region Veneto-  (25.09.2014)

Uff, was ist dieser Ort reich an allem möglichen.
Zum Beispiel an Traditionen, wie den Karnevall. In Venedig ein weltbrühmtes Theater was jährlich die Stadt mit einer Million Besucher an ihre Grenzen bringt.
Diese Masken kennt eigentlich auch jeder irgendwie und sind natürlich überall in Massen zu kaufen. Während diese hier oft Billigwaren aus China sind (Stück für 10 bis 30 €) kosten echte Traditionsmasken bekannter Hersteller schon mal gern bis zu 10.000 €  –  alte Sammlerstücke noch viel mehr.