Italien -Region Kalabrien- (19.05.2015) Stadt: Tiriolo (3.900 Einwohner) —– Vom alten Haus in dem Giuseppes Papa vor über 60 Jahre geboren ist, dessen alte Holztür noch aus dieser Zeit stammt, bis zum Panorama über die neuere Unterstadt von Tiriolo, erbaut in den 50er Jahren als die Bauern massenweise in die Städte zogen. Dort unten ist auch mein Gästezimmer wo ich heute ganz früh in die Haia verschwinden werde; morgen muss ich nämlich früh raus, weil der Bus um acht runter nach Catanzaro geht, danach kommt erstmal viele Stunden garnichts… auch wenn ich deshalb die Wäsche nicht sauber bekomme (die ist bis morgen früh nicht trocken) schaue ich dankbar auf die kurze aber tolle Zeit hier zurück; die ganze Wohnung riecht schonwieder intensiv nach ganz leckere Sachen; 19:32 Uhr, in der Küche herrscht Hochbetrieb, gleich ruft die Mama zum Schmaus……
Autor: Jens Kwass
Italien -Region Kalabrien- (19.05.2015) Stadt: Tiriolo (3.900 Einwohner) ——- Na, das ich genau hier gelandet bin, Tiriolo liegt ziemlich weit hinter Catanzaro auf dem Berg von wo die Aussicht unglaublich auf beide Seiten der “Stiefelspitze” Italien reicht; rechts der Blick zum fernen Meer bis zum Stromboli an dessen Horizont, links die Südküste mit der größeren Catanzaro im Vordergrund, allerdings leider heute recht im Dunst zu unkenntlich für ein tolles Foto…. egal, mit Giuseppe renne ich den Berg weit bis über’s Dorf hinauf, schwitze ordentlich den Alkohol von gestern aus, und gucke auf Tiriolo hinab. Die Zeit heute ist perfekt; 22 Grad, keine knallende Sonne und es duftet überall stark nach mediterranen Pflanzen; Fenchel wächst überall und die Pinien duften mit den Akazien um die Wette….
Italien -Region Kalabrien- (18.05.2015 ) Stadt: Tiriolo (3.900 Einwohner) ——- Und es hat doch noch geklappt; zu Gast bei Familie Ciccone im Bergort Tiriolo, ca 25 Kilometer landeinwärts hinter Catanzaro. Giuseppe (links neben mir) fand ich bei Couchsurfing und lud mich ein. Während die beiden sehr gastfreundlichen Eltern kein Wort von mir verstehen, spreche ich mit ihren beiden Söhnen Giuseppe (31) und Francesco (30) im perfekten Englisch und übersetzen meinen Wortschwall gekonnt und flink, schließlich ist das Interesse von Mama & Papa am Wanderleben groß. Ihre Kinder kennen sich mittlerweile gut aus in der Welt, kennen Couchsurfing und bin ihr erster Gast in ihrem kleinen Ort. Das feiern wir bei reichlich kalabrischen Tischwein zu pikanten Rindfleisch, einer Art Auflauf aus verschiedenen Gemüsen und dem herrlichen Zitronenlikör (Limoncello)…. ohnehin war ich schon leicht angeheitert von den Bieren auf der Promenade. Heut Abend aber gehört es sich endlich mal wieder zu feiern. Hach, tut das gut, mal wieder unter Menschen 🙂
Italien -Region Kalabrien- (18.05.2015) Stadt: Catanzaro-Marina (20.000 Einwohner) ——– Wo ich heute lande? Keine Ahnung, ist aber auch egal, da es einfach überall schön ist hier am Meer, in all den kleinen Orten an der kalabrischen Küste. Das Zugticket schafft mich letztendlich noch bis Catanzaro-Marina, einem urbanen Vorposten am Meer der größeren Stadt Catanzaro, die fünf Kilometer landeinwärts in den Bergen liegt. Hier schlendere ich umher, schaue nach billigen Essen und finde mich zurecht. Auch das breite Flussbett neben dem Ort erkunde ich am Rande, dort könnte ich die nötige Zuflucht in der Wildniss abseits der Stadt finden heute Abend. Beruhigt und gelassen ziehe ich wieder zurück an die belebte Promenade, bewaffnet mit zwei dicken Flaschen Bier, setze ich mich auf die Mauer und schaue den Abend und all den Leuten hier entgegen. Es ist warm, das Meer rauscht und duftet nach Salz. Die Zeit vergeht und ich über mich im kompetenten Nichtstun. Doch dann klingelt mein Handy…. jaaaaaaa, da spricht tatsächlich Giuseppe, den ich mal vor Tagen bei Couchsurfing.com anschrieb; das warten auf irgendwas hat sich gelohnt; wir verabreden uns vor dem Palace Hotel, er holt mich ab. *freu*
Italien -Region Kalabrien- (18.05.2015) Stadt: Roccella-Lonica (6.700 Einwohner) —– da zahle ich schon 10,20 € für die eigentlich überschaubare Strecke Melito – Catanzaro, und komme kaum vorran. Nach zweistündiger Wartezeit im WiFi-freien Melito, geht’s erstmal 60 km bis nach Roccella. Hier sitze ich nun weitere satte fünf Stunden bis dann mal der Zug nach Catanzaro geht….. der Haupstadt Kalabriens. Naja, mir solls recht sein und fühle mich ganz wohl hier. Von der Bergfestung Roccellas überschaue ich noch die Kleinstadt und freue mich über die netten Leute hier, die meine superschwere Tasche in Obhut unten in einer Bar nahmen. Somit erreiche ich das eigentliche Ziel heute recht spät; zuerst Catanzaro-Lido, dann Catanzaro City …. und alles ist fürchterlich umständlich. Aber egal, die warterei lehrt mich die Sache anders zu sehen: Ich habe Zeit, aber kein Geld…. deshalb verbringe ich den halben Tag an eben diesen Ort, sehe ihn mir an und genieße das Leben. Jaja, trampen ging jedenfalls nach einer Stunde drüben in Melito nicht, war wieder zu ungeduldig. Aber es drängt; 10 € allein für’s Bahnticket, ca 8 € für’s Essen….. macht zusammen 18 Penunsen. Zuviel pro Tag für die geplanten drei Monate bis Istanbul …. ……………… bis Catanzaro also noch, danach MUSS ich trampen, – länger als ohnehin mit der italienischen Bahn kann es sicherlich auch nicht dauern. (Bild: Roccella von oben. Hier hat mich die Kalabrische Bahn zwischengelagert, bis es gemächlich weiter geht)
Italien -Region Kalabrien- (18.05.2015) —– Auch der Rückweg ist nicht ohne; zweimal müssen die Schuhe aus und der Weg führt schwer beladen barfuß durch’s eiskalte Naß über scharfe Steine. Ein falscher Schritt und alles was ich trage, besitze und bin, ist klatschnass…. aber ich schaffe es, wasche ich noch gründlich und gehe weiter nach Melito. Dort versuche ich mal wieder zu trampen, da die Landstraße gleich auf dem Wege liegt…
Italien -Region Kalabrien- (18.05.2015) ——- Na das hat sich aber gelohnt: Der steinige, weite Weg abseits der Stadt hinauf des Flusses in den Berg. Hier schlief ich ruhig und fest, trank abends noch das gute Bier welches ich so schwer trug und weiß, dass ich in Kalabrien bin, dieses wilde Land ganz unten an der “Zehenspitze” von Italien.
Italien -Region Kalabrien- (17.05.2015) Stadt: Melito Porto Salvo (11.000 Einwohner) —– In Melito gibt’s schonmal nirgens ein WiFi, also dann mal los, entlang des Strandes wo ich allerdings heute auch nicht schlafen kann, hier ist es momentan zu wild, da der Wind stark bläst, die Wellen toben und es ist laut hier… da kommt etwas weiter ein halbtrockenes Flusstal ganz gelegen, verspricht die nötige Abgeschiedenheit für das kostenlose Nachtlager. Weit hoch gehe ich ins Landesinnere, vorbei an Verschlägen ais Müll und Sperrholz in denen Zigeuner leben. Vorbei an dessen Ziegen die hier überall grasen und den kuriosen Blicken -auch von dessen Besitzern. Die Wolken hängen schwer und mir ist nicht wohl dabei hier zwischen den Büschen auf dem Kies des Flussbettes heut Nacht zu ruhen; ein Sturzregen ganz plötzlich kann hier unten im tiefen Süden schnell Tsunamiartige Flutwellen schaffen die sich aus den Bergen in die Täler ergießen. Somit klettere ich schweißtreibend in die Hügel und finde bald eine schöne Stelle, sicher und weich gebettet unter rauschenden Pinien.
(Bild: Trockener Flusslauf bei Melito)
Italien -Region Sizilien- (17.05.2015) ——– Ciao, Sicilia …. und ab geht die Post zum anderen Ufer. Das heißt Kalabrien, das aktuell “echte” Mafia-Land. Dort verbringe ich nun die nächsten Tage immer entlang das Meeres, in verschiedenen Orten. Couchsurfing klappt mal wieder auch hier nicht, kaum aktive Mitglieder sind unter all den 18 oder 21 Jährigen Karteileichen (Profile ohne Bild oder kaum Informationen) zu sehen…. ich vergeude die kostbare Zeit während der seltenen WiFi Sitzungen bei teueren Getränken um in den Städten entlang der Küste eine online-Recherche durch die Couchsurfing Profile zu halten. Naja, drei Leute sehen ganz gut aus, sprechen Englisch und sind öfter bei der Sache…. ich schreibe sie an, mal sehen was kommt … Sizilien ade…. 2,20€ kostet die Überfahrt, 3,60€ dann die Bahn von Vila S.Giovanni über Reggio di Calabria ins Nest Melito di Porto Salvo. Weiter geht der Zug nicht heute.
Italien -Region Sizilien- (17.05.2015) Stadt Messina (240.000 Einwohner)——- Da sind sie nun, die berühmten Bootsflüchtlinge. Hier in Messina auf dem Vorplatz zum Bahnhof und nahe dem Hafen, warten sie offenbar auf die Überfahrt um anschließend weiter nach Norden zu kommen. Die meisten sind Somalis und aus dem Sudan (Darfur) sowie dem Südsudan. Nur ein winziger Teil ist hier zu sehen von ihnen, und überhaupt sieht man sie fast überall auf Sizilien. Afrika (woher die meisten Flüchtigen kommen) ist somit Europas Zukunft, es werden mehr kommen und viele werden wir auch brauchen, -wenn die Politik es schafft die Situation richtig zu nutzen.















