Italien -Region Basilikata- (25.05.2015) Stadt: Matera (60.000 Einwohner) —— Neuer Tag neues Glück: Sonnenschein beglückt mein wankendes Gemüt nach dieser schauerigen Nacht hier am Rande des Berges unter friedlichen Pinien. Gestern habe ich mich hier ganz schön durch wurschteln müssen um eben diesen einigermaßen brauchbaren Platz zu finden, keine 80 Meter von nächsten Wohnhaus oberhalb am Stadtrand entfernt. Weiter unten in der diskreten Abgelegenheit war alles zu steil für’s zelten. Aber was heute? – Weite Aussicht über die Basilikata, bis zu den lukanischen Bergen am Horizont. Lukanien dürfte wohl der einzige antike Begriff in der Basilikata sein, da dieses Gebiet im Westen der Region eine alte Römische Gebietschaft beschreibt. “Lukanische Würstchen” so erinnere ich mich, gab es mal mit Freund Georg in Trier beim Römer auf demTeller. Jetzt weiß ich was das damit auf sich hatte -Gedankengänge eines frischen, neuen Morgens bei Fernblick auf die Basilikata. Heute geht’s garantiert weiter; Andy holt mich notfalls hier in Matera ab, da er heute morgen von Südtirol aus startet. Doch wieder angekommen am Busbahnhof erfahre ich das Glück, dass heute doch noch was läuft; ein Bus fährt nach Taranto, für 5,90€ die letzten 69 km, allerdings erst um 12:30 Uhr…. den nehme ich dann wohl, treffe Andy dann wenig später dort und habe jetzt ertmal wieder reichlich Zeit hier in Matera…. noch läppische viereinhalb Stunden….. 🙂

Italien -Region Basilikata- (24.05.2015) Stadt: Matera (60.000 Einwohner) —- Auch das noch… Regen ohne ende und ich muß noch zwei Kilometer bis zum Wald schaffen…. Regenjacke und Regenschutz für die dicke Tasche sind zum Glück im Gepäck… nur die Hose und vor allem die Schuhe sind bereits total nass. Nach einer satten Stunde des Ausharrens hier unter schützenden Marmorneubau, flüxhte ich weiter in dem Wald wo ich schon letzte Nacht verbrachte. Hohes, nasses Gras wässern das Schuhwerk nochmals nachhaltig, dann muss ich natürlich auch noch den glitschigen Hang runterstürzen, klatsche mit der Arschbacke deftig über den grauen, nassen Lehmboden. Jetzt ist die Hose auch noch hinüber; alles voll grauer Schlamm………….. warum ich jetzt lache, weiß ich selber nicht…vielleicht sowas wie ein autogenes Training, oder wie sowas heißt, was wohl davor bewahrt, jetzt den totalen Kollaps zu erleiden ….

Italien -Region Basilikata- (24.05.2015) Stadt: Matera (60.000 Einwohner) —— So, bei all den historischen Leckerbissen, finde ich mich ganz schnell im Wanderleben-Alltag wieder. Ich hätte es wissen müssen: Sonntag in Italien bedeutet Toten-Tanz auf allen Ebenen…. schon in Potenza erkundete ich mich vorsorglich im Regional-Touristen Informationsbüro über die Bus/Zugverbindungen dieser Tage durch’s Land. Eine schlichte Falschaussage fesselt mich nun an diesen Ort; Sonntag führen gleich zwei Busse von Matera nach Taranto, wo ich morgen ja Andy treffe….. Pustekuchen; ertmal die bloße Information darüber was, und überhaupt heute fährt dauert ewig…. ich frage wild alle Leute um den völlig leeren, mausetoten Bahnhof nach den Bus in Richtung Taranto. Keiner weiß was…. auch in den Bars ernte ich wiedersprüchliche Vermutungen. Auch die glücklkcherweise besetzte “Tourist Box” weitab vom Bahnhof, würde mir lieber teure Konzertkarten verkaufen. Nur die Leute auf der Straße versuchen mir ernsthaft zu helfen: Zwei echt tatkräftige Damen in meinem Alter versuchen in allem was ihr rudimentäres Englisch hergibt meinen Weg zu ebnen; ein städtischer Kleinbus soll mich zur Ausfallstraße nach Taranto bringen, etwas weiter Stadtauswärts. Kostenlos nimmt mich der Stadtbus mit, steige irgendwo auf staubiger Asphaltpiste aus, trotte einen, zwei Kilometer bis mir wieder so die Schultern weh tun von der dicken, fetten Tasche die an ihnen hängt. Eine Schotterbucht umgeben von vermüllten Unkraut wäre zumindest ein Hauch von Chance heute weiter zu kommen: Unternehmen Trampen in Italien zum wiederholten male……. Stunde: 1 ….. Stunde: 2 …. Mein Gott, wann sehe ich endlich ein dass in diesem Land das trampen einfach nicht klappt ???? Jaja, ich ziehe von dannen, aber zurück, einige Kilometer in die Stadt hinein, muss eben hier bleiben. Wie lang? Keine Ahnung….. morgen ist auch noch Feiertag, also wieder nix mit dem fortkommen (!?) ….. Und morgen soll ich ja Andy treffen, der extra aus Bolzano (Südtirol) zu mir anreist und mich für drei, vier Tage ins Hotel einlädt…. in Taranto, 69 Kilometer von hier…..

Italien -Region Basilikata- (23.05.2015) Stadt: Matera (60.000 Einwohner) —— Irgendwie originell: Ein Wohnhaus in Matera mit großem Rahmen-Vorbau. Eine Art und Weise den gewissen Stolz seiner Bewohner zu demonstrieren, die aber keinesfalls die hohe Nase eines Römers nachgesagt haben wollen. So haben mir es zumindest die Leute hier erzählt ….

Italien -Region Basilikata- (23.05.2015) Stadt: Matera (60.000 Einwohner) ——- Lediglich der Barock hatte seinen Einschlag vor 350 Jahren in Matera hinterlassen, wurde aber seitdem nie wieder restauriert. Auch verwüsteten keine Erdbeben den Ort in all den Zeiten, was Matera zu eines der besterhaltensten Antik-Mittelalterlichen ja Steinzeitlich bestehenden Orte der Welt macht. Trotz der Touristenstöme aber bleiben die Leute hier erstaunlich gelassen, sind freundlich zu mir und ich komme mit vielen ins Gespräch. Die Menschen der Basilikata sind offenkundig nicht so stolz wie die des Veneto oder aus Rom, sie sind froh über das Glück auf dieser historischen Insel umgeben von weitem, unbekannten Terrain zu wohnen (wer kennt schon die Basilikata?) – und was gibt es hier überhaupt schon zu machen? Der Fremdenverkehr ist Materas einzige Chance auf wirklichen Wohlstand, die Landwirtschaft hat heute leider nicht alle reich gemacht.

Italien -Region Basilikata- (23.05.2015) Stadt: Matera (60.000 Einwohner) ——- 50.000 Jahre alt könnten die “Sassi” sein, (etwas unterhalb der Stadt in den Hang geschlagene Höhlen) und somit ein Zeugnis der ältsten Siedlung der Menscheit sein. Zumindest dürften die Höhlen viele, viele Jahrtausende bewohnt gewesen sein, auch schon längst vor der “Erfindung” der Stadt vor 10.000 Jahren, und somit kann Matera zumindest von seiner Vor-Urbanen Besiedlung aus als älteste Stadt der Welt gesehen werden. Die Sassi sind heute natürlich rein touristisch alles andere als Lebendig. Wie die ganze, riesige Altstadt Materas darüber und nebenan, quillen Unmengen an Touristen durch die uralten Marmorgassen, bewohnen dort die vielen Hotels und Cafes die allerdings recht unscheinbar die Kulisse in ihrer ursprünglichen Ausstrahlung belassen. Doch echtes italienisches Leben gibt’s hier – wie war’s auch zu erwarten, höchstens auf den viel zu teuren Speisekarten der vielen Lokale. Doch bei allem: Sasso (Alt Matera) und besonders die Höhlen sind frei zugänglich.

Italien -Region Basilikata- (23.05.2015) Stadt: Matera (60.000 Einwohner) —– Jetzt schaffe ich es tatsächlich auch bis nach MATERA, eines dieser “Schwergewichte” hinter denen sich das beschauliche Potenza so schüchtern versteckt. Das verlasse ich auch bald wieder, nach einer Nacht im unteren Gewerbegebiet, wo ein Waldstreifen gerade genug Deckung bot um dort zu zelten. Auch Matera was wieder auf dem Weg zurück zur Küste, und somit nach Taranto liegt, etwas landeinwärts ebenfalls für nur 5,90€ mit dem Bus günstig zu erreichen, nehme ich ins Visier. Ja, gern erzähle ich ja wie alt all diese Städte in diesem Land sind, ergötze mich nahezu daran wenn der Wind von Jahrtausenden nahezu zu spüren ist. Doch dieses Matera sprengt alle Rahmen, dürfte wegen seiner “Sassi” den berühmten Höhlenwohnungen sogar die älteste Stadt ganz Italiens sein, ja eine der ältesten der Welt. Schon auf dem Hinweg mit dem Bus fallen mir angenehm die vielen Pinien auf, was schonmal einer Hotelbuchung gleich kommt; dort werde ich zum Abend einkehren um das Zelt an seinem richtigen Platz zu stellen. (Bild: Vor der Altstadt von Matera)

Italien -Region Basilikata- (22.05.2015) Stadt: Potenza (67.000) Einwohner —— Hey, noch einen Monat und ich hab Geburtstag. Grund um mir schon jetzt mal einen Cappucchino zu leisten; 1,10€ inklusive WiFi + die Hoffnung dass zum Geburtstag die eine oder andere Spende dazu verhilft das Etappenziel Istanbul Anfang August zu erreichen….. WiFi…. endlich wieder online; auf Wanderleben posten, mit Mama scypen, Mails lesen und antworten, und wieder Favebook nicht schaffen….. puuuhhh, ich sitze schon zwei Stunden…. dann nochmal Freund Georg anrufen; Scype geht nur zaghaft, ein zweiter Caffe muss her… zuletzt noch die Tageschau überfliegen – die Bahn streikt immernoch…. die Afd zerreißt sich selbst… nix neues also im Norden.

Italien -Region Basilikata- (22.05.2015) Stadt: Potenza (67.000 Einwohner) —– Endlich finde ich die Altstadt, fast schon versteckt zwischen all diesen hohen Wohnbauten, fürchterlich häßlichen Verwaltungsklötzen in typischer Manier der 60er Jahres-Bausünde und nur in Teilen erhalten. Auch hier radierten in den letzten Jarhunderten einige Erdbeben die ersten Mauern aus dem Stadtbild. Lediglich einige Kirchen zwängen ihre bis zu 900 Jährige Bausubstanz in die Enge der alten Bergstadt. Im Bild posiere ich vor dem Dom, der alten Kathedrale von Potenza; zwei Damen, gut gemeint aber absolut unfähig mich und Dom komplett ins Bild zu bekommen, geben nach dem wohl zehnten Versuch auf. Potenza schenkt mir aber mehr; die Leute hier sind sehr nett, sprechen oft deutsch und freuen sich dass jemand den Irrweg in ihre abgelegene Stadt macht, auch wenn sie dann selbst den Ort kleinreden, “was gibt’s schon in Potenza zu sehen?” – Na, im Vergleich zu all den kulturell & historischen Schwergewichten in diesem völlig überladenen Land, kommt Potenza tatsächlich etwas wie die graue Maus daher, aber es ist eben Hauptstadt einer ganzen Region.

Italien -Region Basilikata- (22.05.2015) Stadt: Potenza (67.000 Einwohner) —— Warum die Basilikata eigentlich Basilikata heißt, wird noch nicht einmal bei der Wikipedia-Recherche klar, und Potenza lässt vom Namen auch mehr “potentes” erwarten, eine propere Stadt mit markanten Bauwerken. Mitnichten. Potenza ist als Bergstadt zuerst einmal fürchterlich anstrengend, besonders mit 22 Kilo Gepäck und starkem Geiz die 1,80€ für den Bus nach oben zu berappen. Die Mühe lohnt: Auf dem Weg über steile, sich windende Straßen und vielen “Scalas” (Treppen) finde ich auf dem Asphalt einen Fünf Euro Schein…. juhuuuu, somit bin ich heute umsonst nach Potenza gekommen. Was für ein freudiges Glück. Schnell zuende war der Taumel als ein Schwarzafrikaner mich nach Geld anbettelt, einer wie sie mittlerweile zahlreich in Italien sind, und ich eigentlich gerade diesen Fünfer geben sollte; Geld von der Straße für eben jene die auf der Straße leben …. spontan gib ich nur 50 Cent….. das hat mich anschließend den ganzen Tag beschäftigt.